14.09.2015

Museum

Ein gotischer Renaissancekünstler: Michael Pacher

von Uta Baier

 

Die erste Michael Pacher-Monografie ist ein prächtiges Buch geworden

Exzellente Fotos, überzeugende Nahaufnahmen, kluge Gegenüberstellungen – der Prachtband über den Südtiroler Maler und Bildschnitzer Michael Pacher stellt den Künstler von allen Seiten vor. Obwohl über Michael Pacher aus Bruneck nicht allzu viel bekannt ist, hat Lukas Madersbacher, Professor am Institut für Kunstgeschichte der Universität Innsbruck, ein beeindruckendes Buch zusammengestellt. Es ist das Ergebnis jahrelanger Beschäftigung mit dem Künstler, dessen Werke nicht nur zu den größten, sondern auch zu den großartigsten ihrer Zeit gehören. Um 1435 geboren, lebte er meist in Bruneck in Südtirol, wo er auch seine Werkstatt hatte. Gestorben ist er aber 1498 in Salzburg während der Arbeit am großen Altar für die Stadtpfarrkirche.

Seinem Alter entsprechend gilt er als Künstler der Spätgotik, doch seine Kunst ist nicht nur spätgotisch sondern bereits der Frührenaissance nahe. Als Malergeselle reiste er nach Padua und lernte ganz offensichtlich viel, auch wenn sich nicht viele Zeugnisse aus diesen wichtigen Lehrjahren erhalten haben. Doch: „Kein anderer außerhalb Italiens arbeitender Künstler des 15. Jahrhunderts hat sich die Bildungsprinzipien der Renaissance vergleichbar zu eigen gemacht. Keiner hat die neue Mathematik der Zentralprojektion auch nur annähernd so tiefgründig erschlossen“, bilanziert Madersbacher. In seinem 360-seitigen Großformat-Kunstband würdigt er ausführlich das hohe kunsttheoretische Wissen Pachers sowie die damals noch neue perspektivische Darstellung, welche der Künstler mit viel Aufwand und – im Ergebnis – großer Modernität umsetzte. Allerdings kann sich Madersbacher nur schwer vom professoralen Vorlesungston lösen, was den ersten, theoretischen Teil des Buches schwieriger als nötig macht. Eine Balance zwischen wissenschaftlichem Anspruch und populärem Kunstbuch mag schwer zu finden sein. Die Suche danach lohnt sich jedoch immer, wie zahlreiche jüngere Prachtbände, zum Beispiel Frank Zöllners Werk über Leonardo da Vinci, zeigen.

Der zweite Teil überzeugt hingegen restlos. Darin beschreibt und analysiert Madersbacher jedes Pacher-Werk ausführlich, stellt den Forschungsstand vor, führt Provenienzen auf und weist auf die Besonderheiten hin. Illustriert wird das – wie auch der erste Teil – mit hervorragenden Werkabbildungen, Detailaufnahmen und Vergleichsbildern. Vor allem die plastischen Schnitzarbeiten des gotischen Renaissancekünstlers sind wunderbar in Szene gesetzt.

 

Literaturnachweis: 
Madersbacher, Lukas: Michael Pacher. Zwischen Zeiten und Räumen, München (Deutscher Kunstverlag) / Bozen (Athesia) 2015, 348 Seiten, 69,00 Euro.

Zur Buchvorstellung im Deutschen Kunstverlag

Hier erfahren Sie mehr über die Buchrezension „Vergänglichkeit des Materials“

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