Restaurierung und Restitution

Der „2. Salon der Restaurator*innen“ lädt am 29. November zu Vorträgen und Diskussionen nach Berlin ein. Thematisiert werden unter anderem Überlegungen zum Parthenon-Fries: Restitution oder digitale Rekonstruktion

Teile des berühmten Parthenon-Frieses im Athener Akropolismuseum sind Nachbildungen aus Gips, da die Originale seit 200 Jahren in London sind. Überlegungen zu den Parthenon-Marmoren unter restauratorischen Aspekten werden beim „2. Salon der Restaurator*innen“ am 29. November in Berlin beleuchtet. Das Museum am Fuß der Akropolis wurde von Bernard Tschumi und Michalis Fotiadis entworfen und 2009 eröffnet. Foto: www.theacropolismuseum.gr
Teile des berühmten Parthenon-Frieses im Athener Akropolismuseum sind Nachbildungen aus Gips, da die Originale seit 200 Jahren in London sind. Überlegungen zu den Parthenon-Marmoren unter restauratorischen Aspekten werden beim „2. Salon der Restaurator*innen“ am 29. November in Berlin beleuchtet. Das Museum am Fuß der Akropolis wurde von Bernard Tschumi und Michalis Fotiadis entworfen und 2009 eröffnet. Foto: www.theacropolismuseum.gr

Die großen Museen der Sieger der Geschichte horten heute die Schätze der ganzen Welt. Die „Tempel der Kunst“ haben die eigentlichen Tempel und Kultstätten entweiht. Der Parthenon Tempel auf der Akropolis in Athen, einst Pallas Athena Parthenos zum Dank für die Rettung der Athener und Griechen nach den letzten Perserkriegen errichtet, gleicht heute nur noch einer architektonischen Silhouette, der jede Andacht genommen ist. Diese findet heute im British Museum in London statt, in dem der monumentale Tempelfries und der figürliche Bauschmuck sein unfreiwilliges Exil gefunden hat. Der ehemalige britische Botschafter im damals osmanisch besetzten Griechenland hatte den sinngebenden Bauschmuck aus dem Tempel herausbrechen und 1801 nach England transportieren lassen. Die Fragen um die Rückgabe der Parthenon-Marmore gehört heute zu den ältesten Debatten um die Restitution von Kulturgut.

Lange Zeit wurden auch sogenannte konservatorische Gründe ins Feld geführt, um eine Rückgabe an Griechenland abzuwiegeln. Doch seit 2009 hat das Akropolismuseum am Fuße der Akropolis seine Pforten eröffnet und im eigens konstruierten Obergeschoss, in Sichtweite zum Parthenon, stehen Stahlkonstruktionen für die Aufnahme der entwendeten Parthenon-Marmore bereit. Doch wäre nicht auch eine Reapplizierung an Ort und Stelle möglich? Was sind die Mechanismen die den Marmor schädigen und welche Aufgaben würden Restauratoren zukommen, um Kunstwerke in ihrer authentischen Umgebung und in ihrem architektonischen Sinnzusammenhang nachhaltig zu bewahren? Und wie könnte gerade letzterer zumindest temporär wieder hergestellt werden? Welche Technologien der digitalen Rekonstruktion stehen heute zur Verfügung, um den verlorenen Sinnzusammenhang wieder erfahrbar zu machen? Diesen spannenden Fragen gehen Lea Puglisi (Bamberg) und Wanja Wedekind (Göttingen/Berlin) auf dem zweiten Salon der Restaurator*innen nach, der am 29. November 2019 in Berlin stattfindet. Einlass ist um 19:00 Uhr in der Neuen Schule für Fotografie in der Brunnenstraße 188–190. Hier kann in ungezwungener Atmosphäre noch zahlreichen weiteren Vorträgen gelauscht und bei einem Aperitif und Kleinigkeiten diskutiert und kommuniziert werden. Der Eintritt beträgt für Berufstätige 18 Euro und für Studierende 10 Euro.

Ein Interview mit Wanja Wedekind lesen Sie in der RESTAURO 8/2019, www.restauro.de/shop. Der promovierte Restaurator ist einer der Organisatoren des Salons und Mitglied einer Gruppe von Restauratoren und Konservatoren, die im März 2019 die Initiative „Restaurierung und Restitution“ gegründet hat.