Die kleine Geschichte der Präparation

In unserer RESTAURO-Ausgabe 06/2017 berichten Experten in einem unserer Schwerpunktthemen über zoologische Präparation, das Präparat als Restaurierungsobjekt und Schädlingsproblematik im Ausstellungsbereich. Ergänzend dazu lesen Sie im Folgenden, wie sich die Tierpräparation im Lauf der Jahrhunderte entwickelte.

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Das präparierte Jungtier eines Großen Ameisenbären. Foto: Harriet Langewellpott, 2016

Die nachweisbare Tierpräparation, die nicht nur der reinen Konservierung, sondern auch der Formgebung diente, reicht ins 13. Jh. zurück (Ráček 1990, S. 51). Die Kunst- und Wunderkammern wurden seit dem 15. Jahrhundert neben bedeutenden kunsthandwerklichen und ethnologischen Erzeugnissen ebenfalls mit Naturalien gefüllt. Sie sammelten die Kuriositäten und Abnormitäten, die Seefahrer von ihren Reisen in unbekannte Länder mitbrachten (Ráček 1990, S. 55ff.). Durch fehlende Konservierungsmittel, die über Salzen, Trocknen und Verwahrung unter Luftabschluss hinausgingen, fielen bis ins 18. Jahrhundert allerdings die meisten Präparate bzw. Teilpräparate Käfern und Motten zum Opfer. Daher und wegen erschwerter Kommunikation zwischen Wissenschaftlern und Forschern deutschlandweit, musste bis dahin die Tierpräparation stetig neu entdeckt werden. Die einfachste Methode der Präparation war das Stopfpräparat. Die Innereien des Tieres wurden entfernt und die Haut von Fleischresten befreit, anschließend wurde der Haut- bzw. Fellsack über ein grobes Drahtgitter gezogen, mit Stroh oder Holzwolle verfüllt (ausgestopft) und vernäht (Ráček 1990, S. 71). Die Trocknung war der Schutz vor Schimmel und dem Abbau der Haut. Durch das Austrocknen der Haut schrumpfte und verformte sich diese und deformierte die innere Füllung, wodurch das Präparat lediglich geringe anatomische Korrektheit besaß (ebd.). Als Mitte des 19. Jahrhunderts deutschlandweit Zoos und Tiergärten eröffnet wurden und steigende Besuchermassen anzogen, wurde im direkten Vergleich der musealen Exponate mit den echten exotischen Tieren, der Unterschied sehr deutlich. Museen leerten sich und unter Präparatoren wurde der Ruf laut, eine größere Naturnähe an den Präparaten schaffen zu müssen.

Die Gründung der „Deutschen Künstlervereinigung der Museumsdermoplastiker“

Vorreiter war hier unter anderem Phillip Leopold Martin, der sich neben dem Naturschutz für die Darstellung der Präparate in Dioramen, welche deren echter Umwelt nachempfunden waren, einsetzte. Nach seinem Wechsel aus Berlin 1859 war er in Stuttgart am Königlichen Naturalienkabinett tätig (Jahn 1995). Er war es wohl auch, der den Begriff „Dermoplastik“ prägte. Der Ausdruck beschreibt im Unterschied zu den genannten Stopfpräparaten, einen festen, künstlichen Muskelkörper über den die konservierte Haut gezogen werden kann. Sein Nachfolger war Friedrich Kerz (1842–1915), der durch seine bildhauerische Begabung herausstach. Kerz arbeitete von 1877 bis 1915 in Stuttgart und war in seiner Zeit einer der fortschrittlichsten Präparatoren in Europa (Völkel 2004, S. 31). Durch seine künstlerischen Fähigkeiten auch in der Zeichen- und Modellierkunst, durchbrach er endgültig die Grenze zwischen dem Präparator als Handwerker auf der einen Seite und als Künstler auf der anderen (ebd.). Darüber hinaus war er ein guter Pädagoge und Lehrmeister. Auch sein Schüler Herman ter Meer (jun.) (1871–1934), der später in Leiden und Leipzig praktizierte, besaß künstlerische Fähigkeiten im Modellieren und entwickelte eine eigene Präparationsmethode. Seine Arbeitsweise wird heute noch als „Ter Meer Methode“ eingesetzt. Dabei wird ein Körpergerüst mit Maschendraht versehen und dieses mit Gipsbandagen überzogen, worauf anschließend Schicht für Schicht die Muskulatur mit Ton aufmodelliert wird (Ráček 1990, S. 122–124). Er war aber nicht nur ein herausragender Bildhauer und Dermoplastiker, sondern setzte sich als Mitbegründer der „Deutschen Künstlervereinigung der Museumsdermoplastiker“ (DEKÜMUS) seit 1931 für die institutionelle Aufstellung der Präparatoren ein.

Durch diese Entwicklungen in der Präparation sind die Bezeichnungen „Ausstopfer“ und „ausgestopfte Tiere“ ungerechte Vereinfachungen geworden.

 

Literatur (weitere Quellenangaben finden Sie in unserem Heft):

Jahn 1995

Jahn, Ilse: Zum Gedächtnis an Karl Kaestner, Ein Pionier der „Museumsdermoplastik“ – Leopold Martin (1815–1886), in: Der Präparator 1995, Heft 41/2.

Kerz 1912

Kerz, Friedrich: Das Sammeln, Präparieren und Aufstellen der Wirbeltiere, Stuttgart 1912.

ček 1990

ček, Milan: Mumia viva – Kulturgeschichte der Human- und Animalpräparation, Graz 1990.

Völkel 2004

Völkel, Hans: Herman H. ter Meer: Ein Leben als Dermoplastiker und Künstler, Leipziger Universitätsverlag (2004).