Diskussion um das Pellerhaus Nürnberg

 

In Nürnberg wird gerade hitzig diskutiert: Der Verein Altstadtfreunde e. V. hat den Vorschlag gemacht, die Fassade des Pellerhauses in ihren Zustand aus dem 16. Jahrhundert zurückzuversetzen. Vorher muss allerdings die jetzige denkmalgeschützte Fassade abgerissen werden. Kaum vorstellbar. Wir haben mit Brigitte Jupitz, erste Vorsitzende des Vereins BauLust e. V., Initiative für Architektur und Öffentlichkeit, darüber gesprochen.

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Brigitte Jupitz, erste Vorsitzende des Vereins BauLust e. V., Initiative für Architektur und Öffentlichkeit. Foto: Rudi Ott

Quer durch Deutschland werden zerstörte Gebäude rekonstruiert. Wie stehen Sie als Architekturverein BauLust zu diesem „Trend“?

Unsere Gründer setzten sich vor über 20 Jahren unter anderem für die Vereinbarkeit von neuem Bauen und zeitgemäßer Architektur mit dem historischen Umfeld ein und nahmen damit eine bewusste Gegenposition zur Rekonstruktion von nicht mehr vorhandenen Gebäuden ein. Den „Trend“ beurteilen wir als nicht zeitgemäß, ja rückwärtsgewandt, da er in vielen Fällen die Geschichte der Stadt, die sich in ihren Bauwerken widerspiegelt, negiert. Die Stadt lebt vom Wandel und kann nicht auf einen beliebig festgesetzten Zeitraum eingefroren werden.

Die Rekonstruktion des Renaissancehofs des Pellerhauses ist also auch nicht in Ihrem Sinne.

Richtig, die nahezu fertiggestellte Rekonstruktion des Renaissancehofes im Pellerhaus ist aus unserer Sicht nicht zu vertreten und hat den Charakter eines musealen oder „disneyland“artigen Eingriffs. Sie nimmt keine Rücksicht in Gestaltung und Nutzung auf den denkmalgeschützten Bestand des heutigen Pellerhauses.

Nun möchten die Altstadtfreunde die Fassade des Pellerhauses aus den 1950ern abreißen, um die Renaissancefassade zu rekonstruieren. Unverantwortlich, oder?

Ja, denn die Fassade des Pellerhauses steht wie das gesamte Gebäude unter Denkmalschutz (natürlich mit Ausnahme der laufenden „Rekonstruktion“!). Sie steht in einer Reihe mit Nürnberger Gebäuden und Fassaden aus den gleichen Entstehungsjahren, wie zum Beispiel das Plärrerhochhaus von 1953, das zur Zeit restauriert wird, oder das Versandhaus Quelle, Ende der 1950er Jahre erbaut. Diese Gebäude stehen als herausragende Beispiele für den Wiederaufbau in Nürnberg ebenfalls unter Denkmalschutz und sind wie das Pellerhaus international anerkannt. Eine Veränderung würde einen wichtigen Teil unserer Nachkriegsgeschichte zerstören.

Wer entscheidet am Ende, was mit der Fassade des Pellerhauses passiert?

Das Pellerhaus befindet sich im Eigentum der Stadt Nürnberg. Die endgültige Entscheidung obliegt der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Nürnberg, denn sie ist als Genehmigungsbehörde für den Vollzug des Denkmalschutzgesetzes zuständig. Das denkmalfachliche Gutachten des Landesamts ist im Verfahren zu berücksichtigen und sollte in die Abwägung einbezogen werden. Der Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg hat allerdings bisher immer erklärt, dass ein Abbruch für ihn nicht in Frage kommt.

Wie wird es weitergehen?

Wir werden die Diskussion sachlich und kontinuierlich im Sinne des Erhalts weiter mit Experten und Vertretern der Stadt Nürnberg führen. Konkret sind Veranstaltungen für den Erhalt der Fassade von Architekturverbänden, der Technischen Hochschule und des Bürgervereins Nürnberg – Altstadt in Vorbereitung.

Das Interview führte Alexandra Nyseth.

Einen Kommentar zur Situation und Diskussion rund um das Pellerhaus lesen Sie außerdem in der RESTAURO 8/2016.