Mikroplastik aus Lackfarben belastet die Meere

Einer neuen Studie zufolge tragen Lackpartikel zur Konzentration von Mikroplastik in den Weltmeeren bei. Leinölfarben gelten als umweltfreundliche Alternative. In der Konservierung und Restaurierung setzt man bereits seit langem darauf, wie Ralph-Uwe Johann am Beispiel der schwedischen Manufaktur von Gunnar Ottosson erklärt

Die Farbenindustrie ist einer der Sektoren, die am meisten zum primären Mikroplastik in den Meeren und Wasserstraßen beitragen. So gelangen pro Jahr im Durchschnitt 7,4 Tonnen farblicher Makro- und Mikroplastik in die Umwelt, davon 1,9 Mio. Tonnen in die Ozeane – eine beträchtliche Menge.

Neue Studie: Inwiefern beeinflusst Mikroplastik die Meere?

Zu diesem Ergebnis kam die Studie „Plastic paints the Environment“ des forschungsbasierten Beratungsunternehmens Environmental Action (EA). Zentrale Fragen der 2021 durchgeführten Untersuchung waren, inwiefern Mikroplastik die Weltmeere beeinflusst und in welchem Maße Kunststoffarben zu deren Verschmutzung beitragen. Immerhin haben Farbe im Schnitt einen Kunststoffanteil von etwa 37 Prozent.

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Fazit: Verwendung umweltfreundlicherer Farben

Grundsätzlich sind zwei Hauptfaktoren für die weltweite Verschmutzung durch Plastik verantwortlich. Makroplastik gelangt durch unsachgemäß behandelte Abfälle in die Umwelt und wird im Laufe der Zeit zu Mikroplastik zersetzt (Jambeck et al., 2015) . Abrieb und Abnutzung der Anstriche etwa von Handelsschiffen und Offshore-Bohrinseln setzt primäres Mikroplastik frei, das so direkt in die Weltmeere gelangt (Boucher & Friot, 2017). Angesichts des Grades Umweltverschmutzung durch Kunststoffarben, so das Fazit der Studie, sei es um so wichtiger, dass in so vielen Bereichen wie möglich umweltfreundlichere Farben verwendet werden und entsprechende Methoden zum Umgang mit Farben entwickelt werden.

Die Studie soll zur konkreten Bekämpfung und Vermeidung von Plastikverschmutzung dienen

Dr. Paola Paruta, Umweltanalystin bei Environmental Action (EA) und Hauptautorin der Studie, sagt dazu: „Unser Bericht füllt eine wichtige Wissenslücke im Bereich der Mikroplastikverschmutzung. Unser Ziel ist es, nützliche Informationen bereitzustellen, um weitere Forschungen und konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung und Vermeidung von Mikroplastik und die Plastikverschmutzung im Allgemeinen anstoßen.“

Die Forschungsergebnisse geben Aufschluss über den Grad der Verschmutzung

„Der Bericht soll als Weckruf für die Lackindustrie und deren Kunden verstanden werden“, erklärt Declan Mc Adams, Vorstandsvorsitzender von Pinovo. Das norwegische Unternehmen hatte die unabhängige Studie in Auftrag gegeben. „Es ist wichtig, dass die Industrie weniger schädliche und praktikablere, alternative Methoden findet. Wir brauchen eine systematische Änderung in der Verwendung und Behandlung von Farbe, nachdem diese Forschungsergebnisse nun Aufschluss über den Grad der Verschmutzung gegeben haben.“

Natürliche Alternative zu Kunststofffarben sind Leinölfarben

Eine natürliche Alternative zu Kunststofffarben stellen etwa die Leinölfarben des schwedischen Farbherstellers Ottosson Färgmakeri dar, der seit drei Jahrzehnten in seiner Manufaktur Farben ausschließlich aus Leinöl und traditionellen Pigmenten herstellt. Von ­Beginn an stand der Nachhaltigkeits­gedanke für den Gründer im Fokus – lange ­bevor der Klimawan­del den ­Begriff ­allgegenwärtig machte. Das gekochte Leinöl dient als Bindemittel für die Farbe, die ohne weitere Zusatzstoffe auskommt. Leinölfarben eignen sich ebenso wie Kunststoffarben für nahezu jeden Untergrund. Gelangt diese jedoch in die Umwelt, ist dies völlig unbedenklich.

„Konservierung und Restaurierung können einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen leisten“

Ralph-Uwe Johann, Geschäftsführer von Deffner & Johann, einem Fachgroßhandel für Materialien, Werkzeuge und Geräte im Bereich der Restaurierung und Denkmalpflege (Röthlein), setzt seit langem auf die Produkte von Ottosson Färgmakeri. „Konservierung und Restaurierung können einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung von Ressourcen leisten“, so Johann. „Erhalt und Umnutzung von Denkmälern bieten ein erhebliches Potential zur Einsparung von Baustoffen und Energie“. Des Weiteren seien Materialien in ihrer traditionellen Verwendung häufig deutlich nachhaltiger, betrachte man den gesamten Lebenszyklus. „Bindemittelsysteme mit historischem Bezug, wie zum Beispiel Kalk oder Leinöl, bieten nicht nur eine vorteilhafte Öko-Bilanz, sondern sind auch häufig ressourcenschonender in Herstellung und Wartung“, führt Ralph-Uwe Johann weiter aus.

Ein Blick in die Manufaktur von Gunnar Ottosson sehen Sie hier:

Das Ziel: Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Ressourcen

Letztendlich ist ein Umdenken aller Beteiligten, d.h. der Hersteller, Unternehmer und Verbraucher notwendig, um unsere Umwelt nicht weiter mit Plastik in jeglicher Form zu belasten. Jeder Einzelne kann durch Vermeidung von Plastik und sachgemäße Entsorgung der Abfälle dazu beitragen. Nur wenn zukünftig verantwortungsvoll mit den Ressourcen umgegangen und nachhaltig gehandelt wird, lässt sich die Verschmutzung der Weltmeere bzw. der gesamten Umwelt reduzieren.

Tipp: Gemeinsam mit Gunnar Ottosson bietet Ralph-Uwe Johann Workshops zum Leinölanstrich an, die im Handumdrehen ausgebucht sind. Johann kam bereits sehr früh die Idee, in Video-Tutorials zu vermitteln, wie Leinöl zu handhaben ist. Die Resonanz auf dieses immerhin sehr spezialisierte Thema spricht für sich: Alleine der vor vier Jahren veröffentlichte Ratgeber zur Oberflächenbehandlung erzielte mehr als 77.000 Aufrufe. Lesen Sie mehr dazu in der RESTAURO 3/2022, die Ende April erscheint.

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