06.01.2023

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Linzer Mariendom: Heute halten die Hl. Drei Könige Einzug in der restaurierten und digitalisierten Krippe Einzug

Die berühmte Krippe im Linzer Mariendom wurde vom Team des Ars Electronica Center digitalisiert. Die Krippe im Linzer Mariendom kann im Advent täglich von 11.00 bis 17.00 Uhr besichtigt werden. Foto: Ars Electronica / Robert Bauernhans
Die berühmte Krippe im Linzer Mariendom wurde vom Team des Ars Electronica Center digitalisiert. Die Krippe im Linzer Mariendom kann im Advent täglich von 11.00 bis 17.00 Uhr besichtigt werden. Foto: Ars Electronica / Robert Bauernhans

Die Krippe des Münchner Bildschnitzers Sebastian Osterrieder im Linzer Mariendom ist eine der größten und bedeutendsten Krippenanlagen weltweit. Die Krippenfiguren sind nach ihrer Restaurierung seit zwei Jahren auch virtuell  zu erleben. Heute haben die Heiligen Drei Könige mit ihrem Gefolge Einzug gehalten

Sie gilt als eine der größten Krippenanlagen weltweit: das weihnachtliche Ensemble des Münchner Bildhauers Sebastian Osterrieder im Linzer Mariendom. Sebastian Osterrieder schuf die Krippe von 1907 bis 1909. Er war ins Heilige Land gereist, um einer naturalistischen Abbildung nahe zu kommen. Dies zeigt sich in der Darstellung der Grotte und der Stadt Bethlehem. Der beleuchtete Stern mit vierzehn Zacken links hinten erinnert an den Stern in der Geburtskirche in Betlehem. Die Fassung stammt von Franz Klambauer in Linz, das Krippenhaus wurde von Max Schlager entworfen, die Krippenbauten wurden vom Tischler Franz Koch und vom Bildhauer Karl Mayr gefertigt. Die Krippe wird in der Weihnachtszeit umgebaut. Am Tag des Weihnachtsfestes sehen wir eine Maria mit einem Jesuskind, das wie ein Neugeborenes aussieht. Bei der Dreikönigsfiguration ist Maria mit dem zweijährigen Jesuskind zu sehen. Mehr als hundert Jahre nach ihrer erstmaligen Ausstellung wurden die Krippenfiguren nach ihrer sorgfältigen Restaurierung im Jahr 2020 erstmals vom Ars Electronica Futurelab mittels Photogrammetrie gescannt und als interaktives und audiovisuelles Erlebnis für den Mariendom und den Deep Space 8K des Ars Electronica Center neu inszeniert. 

 

Die berühmte Krippe im Mariendom Linz wurde umfangreich restauriert. Durch eine Kooperation mit dem Ars Electronica Futurelab ist es jetzt auch möglich, dieses wertvolle Kulturgut virtuell zu erleben. Foto: Mariendom Linz
Die berühmte Krippe im Mariendom Linz wurde umfangreich restauriert. Durch eine Kooperation mit dem Ars Electronica Futurelab ist es jetzt auch möglich, dieses wertvolle Kulturgut virtuell zu erleben. Foto: Mariendom Linz

Die Dreikönigs-Konfiguration

 

Seit heute haben die Heiligen Drei Könige mit ihrem Gefolge Einzug gehalten. Die Weihnachtskonfiguration mit dem Jesuskind in der Krippe hat sich geändert: Wir sehen nun einen etwa zweijährigen Knaben, der auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Aus Maria ist eine „Himmelskönigin“ geworden (mehr zu dieser besonderen Dreikönigs-Konfiguration lesen Sie in einem Beitrag von Wolfgang Sachsenhofer).

Restauratorische Maßnahmen

 

Die Krippe im Mariendom Linz ist ein Werk des Münchner Bildhauers und Künstlers Sebastian Osterrieder und zählt mit 12 Meter Länge und fünf Meter Tiefe zu den größten und wertvollsten Krippenanlagen weltweit. Im Zuge einer Befundung zu Jahresbeginn 2020 wurde festgestellt, dass bei der Krippe im Dom nach über 100 Jahren erstmals umfangreiche konservatorische und restauratorische Maßnahmen notwendig waren. Staub, Schimmel und Firnisschäden, abgebrochene Teile, Risse, Farbveränderungen und -ausbrüche – die Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen. Behutsam und sorgfältig wurden daher die über 80 Figuren, die Krippenlandschaft sowie die Hintergrundmalereien in enger Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt gereinigt, restauriert, ergänzt und konserviert.

Mit umfassender Dokumentation

 

Im Bereich der Krippenfiguren umfaßten diese Arbeitsschritte sowohl die Oberflächenreinigung als auch die Festigung der Malschicht sowie bildhauerische Ergänzung von fehlenden und/oder abgebrochenen Füßen, Händen, Ohren usw. Notwendig war auch die farbliche Integration von vorhandenen Fehlstellen und eine Neufassung der ergänzten Teile. Diese Maßnahmen mit umfassender Dokumentation wurden vom Wiener Atelier Prenner & Scheel durchgeführt. Ein Teil der Figuren wurde 2020 restauriert, die Heiligen Drei Könige sowie rund 30 weitere Figuren kamen im darauffolgenden Jahr an die Reihe. Die Arbeiten an den Korkkrippenbauten mit der Darstellung der Grotte und der Stadt Bethlehem wurden von der Wiener Holzrestauratorin Petra Gröger vor Ort durchgeführt.

Restaurierung der Krippe des Münchner Bildschnitzers Sebastian Osterrieder im Linzer Mariendom : Transport in die Restaurierungswerkstatt. Foto: Mariendom Linz
Restaurierung der Krippe des Münchner Bildschnitzers Sebastian Osterrieder im Linzer Mariendom: Transport in die Restaurierungswerkstatt. Foto: Mariendom Linz
Restaurierung der Krippe im Linzer Mariendom : Transport in die Restaurierungswerkstatt. Foto: Mariendom Linz
Foto: Mariendom Linz
Restaurierung der Krippe im Linzer Mariendom : Transport in die Restaurierungswerkstatt. Foto: Mariendom Linz
Foto: Mariendom Linz
Foto: Appenzeller
Digitalisierung der Krippenfiguren. Foto: Appenzeller
Digitalisierung der Krippenfiguren. Foto: Appenzeller
Digitalisierung der Krippenfiguren. Foto: Appenzeller
Foto: Appenzeller

Digitalisierung als vielversprechende Methode der Konservierung


Mittels einer innovativen, berührungslosen Vermessungs- und Konservierungsmethode wurden die Krippenfiguren im Zuge eines Digitalisierungsprozesses gescannt und visualisiert. Durch das bildvermessende Verfahren, das auf Basis unzähliger Fotografien aus 360 unterschiedlichen Perspektiven Lage und Form der Objekte indirekt bestimmen kann, wurde es möglich, die Osterrieder Krippe schonend zu digitalisieren. Die mit speziellen Kameras aufgenommen Bilder werden schließlich in ein 3D-Modell übertragen und können stereoskopisch projiziert werden. Der Digitalisierungs-Prozess der Dom-Krippe erfolgte in zwei Schritten: Während im Zuge der ersten Digitalisierungsphase bereits die wichtigsten Elemente erfasst werden konnten, entstand 2021 neben den restlichen Figuren und Objekten auch ein virtuelles Abbild der Krippenarchitektur.

Blick hinter die Kulissen: Wie die virtuelle Krippe des Münchner Bildhauers Sebastian Osterrieder im Linzer Mariendom entstanden ist, können Sie im Video sehen. In Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab wurden die Figuren nach einer behutsamen Restaurierung digitalisiert:

Die Krippe ist nicht nur in der Krypta des Mariendoms Linz, sondern auch im Deep Space 8K des Ars Electronica Centers virtuell zu erleben. Erstmals präsentiert wurde die virtuelle Krippe im Dom im Dezember 2021 im Deep Space 8k des Ars Electronica Centers. Bei einem Live-Gespräch mit Petra Weiss vom Bundesdenkmalamt, Dompfarrer Maximilian Strasser und Stefan Mittlböck-Jungwirth-Fohringer vom Ars Electronica Futurelab gab es beeindruckende Bilder zu sehen.

Wie und wo kann die Krippe betrachtet werden?

 

Die Krippe im Linzer Mariendom ist geöffnet bis 8. Jänner 2023, täglich von 11:00 bis 20:00 Uhr. Die Virtuelle Krippe im Dom als 3D-Erlebnis: täglich von 14:00 bis 17:00 Uhr. Weitere Informationen unter www.krippeimdom.at.

 

Wir wünschen all unseren Leser:innen ein friedvolles, gesundes und glückliches Neue Jahr!

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