Wiedereröffnet: Das Hessische Landesmuseum

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Ausschnitt aus der Biodiversitätswand, 16m x 4 m, mit 800 Objekten, Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Am 13. September 2014 öffnet das Hessische Landesmuseum Darmstadt wieder seine Türen und geht mit dem Glanz eines der großen, historischen Museen Deutschlands nun in das 21. Jahrhundert. Sieben Jahre lang war das Museum geschlossen: Fünf Jahre davon dauerte die grundlegende Gebäudesanierung, zwei Jahre die Verlagerung des Museumsbestandes. Gebaut wurde das Museum zwischen 1897 und 1902 nach Plänen des Berliner Architekten Alfred Messel (1853–1909), die Eröffnung folgte 1906. Damals zählte das Darmstädter Haus europaweit zu den schönsten und modernsten Museen.

Messel plante nicht nur die Gebäudearchitektur sondern bezog nach eingehendem Studium die Sammlungsobjekte in das Gesamtkonzept ein. Dadurch ergaben die Ausstellungsobjekte mit ihrer Präsentationsform und der umgebenden Architektur ein harmonisches Ensemble. Beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg wurden unzureichende Materialien verwendet, technische Adaptionen schwächten die Bausubstanz zunehmend. Historische Bauformen und Blickachsen wurden aufgrund des veränderten modischen Geschmackes verdeckt, aus finanzieller Not heraus verwendete das Museum Restbestände unterschiedlicher Vitrinen und Notbehelfe.

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Eingangshalle des HLMD, Foto: Wolfgang Fuhrmannek

In der Tradition von Architekt Alfred Messel (1853–1909)

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Der grundlegende Sanierungsbedarf des Gebäudes sowie die Modernisierung der technischen Ausstattung boten gleichzeitig die Möglichkeit, das architektonische Konzept Messels mit den Raumfluchten, durchdachten Blickachsen und Raumgestaltungen wieder sichtbar zu machen. Das Gebäude wurde an heutige Sicherheitsstandards wie Brandschutz- und Bauvorgaben angepasst, Klimatisierung der Räume sowie konservatorisch adäquate Beleuchtung der Objekte eingeführt. Problematisch war, Installationsraum für die technischen Leitungen in den Decken zu schaffen, die zuvor auch statisch ertüchtigt werden mussten, und zugleich mehr von der Messel-Architektur sichtbar zu machen; meist mussten neue Trassen gelegt werden.

Die Aufstellung der Sammlungen konnte neu und entsprechend den architektonischen Vorgaben geordnet werden. Daniel Schiel und seine Mitarbeiter (Schiel Projekt Gesellschaft, Berlin) entwarfen eine Ausstellungsarchitektur, die sich sowohl an den unterschiedlichen Räumlichkeiten als auch den Charakteren der unterschiedlichen Sammlungen orientiert. Das Hessische Landesmuseum zeichnet die Breite und Vielzahl seiner Sammlungen aus.

Die Räume widmen sich jeweils einem Thema, dem sich verschiedene Kunstgattungen wie Kunsthandwerk, Glasmalerei, Malerei und Skulptur unterordnen. Völlig neu gestaltet ist die Zoologische Abteilung mit einer 800 Objekte umfassenden Biodiversitätswand, einer Skelettherde und den nun sanierten historischen Dioramen. Die einst berühmte Darmstädter Gemäldegalerie, die in den vergangenen Jahren nur partiell und vereinzelt im Museum zu sehen war, hat nun wieder einen passenden Rahmen gefunden; auf fast 2.000 m2 Fläche im 1984 erstellten Erweiterungsbau von Reinhold Kargel.

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Skelettherde, Foto: Wolfgang Fuhrmannek

Während der siebenjährigen Schließzeit gab es für die sechsköpfige Restaurierungswerkstätten im Hessischen Landesmuseum viel zu tun. Museumsobjekte wurden gereinigt, restauriert, neu präpariert und Bilder teils neu gerahmt. Olivia Levental, Leiterin der Abteilung für Kunst und Kulturgeschichte: „Die Umbauphase war einerseits eine sehr große Chance, Highlights aus der Schausammlung zu restaurieren. Diese Werke, die normalerweise permanent ausgestellt sind, konnten jetzt zu einer zwei- oder dreimonatigen Restaurierung entnommen werden. Andererseits haben wir auch ‚neue’ Ausstellungsstücke restauriert: Gemälde oder Skulpturen, die aus diversen Gründen bislang nicht ausgestellt waren, wie etwa ein schlechter Zustand, der eine umfangreiche und zeitaufwändige Restaurierung notwendig machte, weil es Zuschreibungsproblematiken gab oder sich Objekte inhaltlich nicht gut einordnen ließen. Im Zuge der Neukonzeption wurden nun kunsthistorische Hintergründe neu erarbeitet und andere Objekte zur Ausstellung hinzugenommen.“

Einige Werke reisten in der Schließzeit des Landesmuseums zu Ausstellungen auf der ganzen Welt; natürlich nur solche, die reisefähig waren oder reisefähig gemacht wurden. Wie in allen Museen gibt es allerdings eine Reihe an hochkarätigen Werken, die nicht ausgeliehen werden sollen oder dürfen. Eine Ausnahme machte das Hessische Landesmuseum schließlich bei den Cranach-Holztafeln: Sie wurden für kurze Zeit unter anderem an das Städel Museum gegeben. „Denn solche Werke können wir der Öffentlichkeit nicht für einen so langen Zeitraum entziehen.“, so Olivia Levental.

Nicht nur das Gebäude, auch die Webseite des Hessischen Landesmuseums wurde zur Wiedereröffnung inhaltlich komplett überarbeitet und neu gestaltet. Hier achtete man wie beim Gebäude auch besonders auf barrierefreie Zugangsmöglichkeiten. Auf der ansprechenden Webseite des Landesmuseums gewährt der Bereich Restaurierung mit Informationen und einer Bildergalerie einen spannenden, kleinen Einblick in die Restaurierungsarbeit.

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Blick in die Gemäldegalerie, Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Das Hessische Landesmuseum startet zur Eröffnung am 13. September 2014 mit zwei Ausstellungen:
„Stille Musik.“ Anselm Feuerbachs „Iphigenien“ in der Gemäldegalerie und Schätze aus der Graphischen Sammlung, welche nun die vier gegen Norden ausgerichteten Räume im 2. Obergeschoss bezieht.

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt zeigt nach den Sanierungsarbeiten von 2007–2014 wieder die Ideen seines Architekten Alfred Messel. Zur baulichen Geschichte erschien ein Architekturführer: Hessisches Landesmuseum Darmstadt (Hrsg.): Alfred Messel und sein Darmstädter Landesmuseum Geschichte und Architektur, 1. Auflage 2014. Ca. 80 Seiten, ca. 100 Farbabbildungen, 21 x 25 cm, Klappenbroschüre, fadengeheftet ISBN 978-3-7954-2897-6 € 14,95 [D] / 20,90 SFr.