Firnis verdeckt Farbpracht Monets

 

Vom 22. Januar bis 28. Mai 2017 zeigt die Fondation Beyeler einen reichen Fundus des impressionistischen Künstlers Claude Monet (1840–1926). Monate zuvor hatten die Restauratoren der Stiftung auf einem der Seerosen-Gemälde einen Acrylharz-Firnis entdeckt, dessen Entfernung Zeit und präzises Wissen abverlangt.

monet-restaurierung-seerosen
Chefrestaurator Markus Gross im Restaurierungsatelier. Foto: Mark Niedermann

 

Advertorial Artikel

Parallax Article

Seerosen im Teich sind ein beliebtes und berühmtes Sujet des als impressionistischen Protagonisten erklärten Künstlers Claude Monet. Sie repräsentieren die Idylle der Natur seines eigenen Gartens, in dem er saß und malte und die sich im Teich spiegelnden Wolken, Bäume und Uferpflanzen in seinen Gemälden „en pleinair“ einfing. So verbildlicht auch das Werk „Nymphéas” (1916–1919) Monets Malkunst und Programmatik; es bringt die leuchtenden Farben mit feinem Pinselduktus zum Vorschein und erweist sich als charakteristischer Teil seines Spätwerks.

Acrylharz-Firnis auf den Seerosen

„Nymphéas” war es auch, das in Vorbereitung auf die aktuelle Ausstellung „Monet” der Fondation Beyeler in Riehen/Basel unter konservatorischer Untersuchung gehalten wurde. Chefrestaurator Markus Gross und sein Team entdeckten auf dem Gemälde einen dünnen Acrylharz-Firnis. Dieser wurde im Rahmen einer älteren Restaurierung fälschlicherweise auf das Seerosenbild aufgetragen. In der akademisch geprägten Kunst galt ein Bild erst dann als vollendet, wenn es mit einem durchsichtigen Lack abgeschlossen war. Doch Impressionisten, wie auch Monet, verzichteten zunehmend auf diesen finalen Schritt und beließen ihr Werk möglichst frei von weiterer Materialität außer ihrer Farbe.

monet-nympheas
Claude Monet, „Nymphéas" (1916–1919), Öl auf Leinwand, 2 x 1,80 m, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler. Foto: Robert Bayer

 

Der aufgefundene Acrylharz-Firnis verfälschte das Seerosenbild vielmehr, als dass er dessen Originalität ersuchte. Die ursprünglich matte, pastellhafte Oberfläche zeigt sich heute von einem uniformen, glänzenden Film überzogen. Außerdem wurde die sensible Farbharmonie beeinträchtigt, da der Firnis eine Sättigung erzeugt, welche die Farben dunkler und kontrastreicher erscheinen lässt. Gerade im Vergleich zu anderen, unberührten Gemälden des französischen Künstlers wird der Unterschied deutlich.

Zeitintensive Restaurierung

Die Abnahme des Überzugs forderte die Restauratoren nicht nur fachlich, sondern auch zeitlich. Die restauratorische Maßnahme setzt sowohl ein präzises Wissen über die Eigenschaften des Firnismaterials als auch der originalen Materialoberfläche voraus. Sechs Monate dauerte es, bis überhaupt eine Lösung gefunden werden konnte, um die Schicht zu beseitigen. „Wir applizieren jetzt ein Lösemittel, das gebunden ist in einem Gel. Es bleibt kurz auf der Oberfläche, dann saugen und spülen wir es wieder ab, sodass die freigelegte Malerei erhalten bleibt“, sagt Markus Gross. Bis zum Beginn der Ausstellung am 22. Januar 2017 konnten die Restauratoren nur wenige Quadratzentimeter freilegen. Bei der Größe von 2 x 1,80 Meter bleiben da noch Einige mehr zu restaurieren.