Ein Wasserschloss für 50 Euro

Château de la Mothe-Chandeniers in der Nähe von Tours ist nur noch eine Ruine. Nach einem Brand in den 1930er Jahren verfiel das Gemäuer. Nun soll eine außergewöhnliche Maßnahme beim Wiederaufbau und Erhalt des kulturellen Erbes helfen.

Mothe_chandeniers1
Château de la Mothe-Chandeniers in der Nähe von Tours: In den 1930er Jahren zerstörte ein Brand das Wasserschloss. Jetzt soll eine außergewöhnliche Aktion das kulturelle Erbe wieder instand setzen. Foto: Wikimedia Commons / Pierre Mairé

 

Den Traum, eine alte Burg zu besitzen, konnten sich bislang nur wenige erfüllen, schrecken doch die horrenden Unterhalts- und Instandsetzungskosten davon ab. Zu morsch sind die Treppen, der Putz bröckelt und in den alten Leitungen haust weit mehr als nur der Wassergeist. Und obwohl schon seit Jahrhunderten stehend, könnte jede kleinste Veränderung alles zu Nichte machen. Dies musste Baron Robert Lejeune 1932 schmerzlich mit der Installation einer Zentralheizung in seinem Château de la Mothe-Chandeniers erkennen. Das 1870 im romantischen Stil umgebaute Wasserschloss fing Feuer und brannte nieder. Da man von einem Wiederaufbau absah, verfiel der Bau und die Natur beanspruchte das Gemäuer für sich.

Doch nun wird das 70 km von Tours gelegene Château aus dem Dornröschenschlaf erweckt: Die französische Agentur Dartagnans versucht mit ungewöhnlichen Maßnahmen kulturelles Erbe zu erhalten. So wirbt das Unternehmen damit, jeder könne mit 50 Euro Besitzer der Ruine werden und so seinen Erhalt garantieren. Doch der kollektive Kauf der Anlage ist nicht genug: Im vier-stufigen Businessplan zeigt Dartagnans auf, dass sie für archäologische und bauliche Aufbereitungen sowie administrative Kosten 1 Mio. Euro benötigen. Die Rechnung ging auf: Bereits über 13.350 Spender sind glückliche Besitzer der maroden Burg – die Millionenmarke ist längst überschritten. Allerdings wird das Projekt noch wesentlich mehr Kleingeld benötigen, als der eng gestrickte Businessplan glauben lässt. Und ob letztlich hier ein neues Märchenschloss entsteht, oder ob tatsächlich ab 2021 50.000 Besucher vorbeischauen, bleibt unklar. Das Projekt zeigt jedoch beeindruckend, dass der Erhalt von kulturellem Erbe keineswegs eine Staatsfrage ist, sondern jeden betrifft.