02.10.2019

Branchen-News Porträts

Wissenschaft als Beruf

von Uta Baier

Was bewegt Friederike Leibe? RESTAURO traf die Textilrestauratorin. Ein Porträt

Drei Jahre hat die auf archäologische Textilien spezialisierte Restauratorin Friederike Leibe den im Block geborgenen Erzbischof Otto von Hessen (1327–1361) in der Werkstatt des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle/Saale gereinigt, dokumentiert und erforscht. Ihre Forschungsergebnisse will sie nun in einer Promotion vertiefen. „Ich mache das vor allem, weil die Erkenntnisse der Restaurierung publiziert werden sollten“, sagt Friederike Leibe. Allerdings war es weder einfach, eine Hochschule zu finden, an der sie promovieren kann, noch ist die Finanzierung der Arbeit gesichert. Momentan bewirbt sie sich um ein Stipendium. An der Hochschule der Bildenden Künste Dresden ist es immerhin möglich, in einem kooperativen Verfahren zu promovieren – wenn das Studium mit Bestnoten abgeschlossen wurde und eine Empfehlung vorliegt. Beides hat Friederike Leibe.

Ob ihr die Promotion anschließend beim Finden einer Anstellung hilfreich sein wird – da ist sich Friederike Leibe nicht sicher. Aber sie kann nicht anders. Zu interessant und besonders war die Arbeit, zu umfangreich sind die Erkenntnisse, die sie über die Bestattung des Magdeburger Erzbischofs zusammengetragen hat. „Ich denke, es ist wichtig zu zeigen, dass die restauratorische Tätigkeit wissenschaftliches Niveau hat“, sagt Friederike Leibe. Schließlich putze sie nicht einfach nur etwas frei, sondern trage Wesentliches zur Erforschung des Fundes bei. Außerdem habe sie  das Gefühl, „dass in interdisziplinären Projekten Restauratoren unterrepräsentiert sind.“

Für Friederike Leibe war es seit einem Besuch im Domschatz zu Halberstadt entschieden, dass sie Restauratorin für archäologische Textilien werden würde. Textilien haben sie immer interessiert, Mode weniger. „Mich faszinierten immer mittelalterliche Textilien – vor allem die kirchlichen, liturgischen“, sagt Leibe. Studiert hat sie in Bern bei der Abegg-Stiftung. „Ich finde es sehr spannend, was man an historisch erhaltenen Textilien alles herausfinden kann. Bei der Arbeit mit archäologischen Textilien findet das noch eine Steigerung.“ So war der Gesichtsschleier des Otto von Hessen nichts weiter als ein braunes, unansehnliches Knäuel auf seinen Schädelknochen. Nachdem Friederike Leibe dieses braune Etwas abgenommen, entfaltet und untersucht hat, weiß sie, dass Otto von Hessens Gesicht mit einem gefütterten Stück Stoff mit gesäumten Kanten und reichem Muster bedeckt war. Gesichtsschleier für tote Würdenträger sind zwar bekannt, doch erhalten hatten sich bis zu Friederike Leibes Arbeit nur briefmarkengroße Reste. Planen sei bei ihrer Spezialisierung schwierig. Die Promotion über ihre Arbeit am Magdeburger Erzbischof sei  ein nächster Schritt in ihrem Berufsleben. Wohin er sie führe, sei ungewiss. Doch die Frage, ob dieser Bischof eine weitere Unsicherheit wert ist, beantwortet Friederike Leibe ohne zu zögern und mit leuchtenden Augen: JA!

Lesen Sie weiter in der RESTAURO 7/2019. Restauratorin Friederike Leibe berichtet dort ausführlich über die unterschiedlichen Ergebnisse der Konservierung und Restaurierung am Magdeburger Erzbischof,  www.restauro.de/shop

 

Vorheriger Artikel

Nächster Artikel

das könnte Ihnen auch gefallen

Scroll to Top