Von aktiver Öffentlichkeitsarbeit

Es ist ein besonderes Projekt: die Restaurierung der Westchorfenster des Naumburger Doms. Denn dafür richtete Projektleiter Ivo Rauch nicht nur eigens eine Werkstatt ein, sondern betreibt mit seinen Mitarbeiterinnen auch aktive Öffentlichkeitsarbeit

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Blick auf die Westtürme mit Westchor des heute evangelischen Naumburger Doms St. Peter und Paul. Foto: Wikimedia Commons / Couraco

 

Man habe sich entschieden, eine Werkstatt extra für diese Restaurierung zu gründen, sagt Ivo Rauch. Rauch ist Projektleiter für die Restaurierung der Westchorfenster im Naumburger Dom. Das war ganz offensichtlich eine gute Entscheidung: Die Öffentlichkeitsarbeit klappt perfekt, die Werkstatt kann als europäisches Projekt bezeichnet werden, denn die vier Restauratorinnen kommen aus den drei Ausbildungszentren für Glasrestauratoren in Europa: aus Antwerpen, Erfurt und York.

Das Team will selbst über seine Arbeit berichten

Unterstützt werden sie von einer erfahrenen Glasmalerin, die auf Wanderschaft war und sich hervorragend mit allem auskennt, was mit dem Ein- und Ausbau der Fenster zu tun hat. Unterstützt und beraten wird die Werkstatt außerdem von einem wissenschaftlichen Beirat, in dem verschiedene Fachleute versammelt sind. Perfekte Voraussetzungen also für eine gute und auch wirkungsvolle Restaurierung. Denn das Team ist nicht nur professionell auf modernstem Stand, sondern auch sehr offen für die Öffentlichkeit. Es gab gleich nach Beginn der Arbeiten eine Präsentation und Auskunft über die Arbeit. Zahlreiche Zeitungsartikel erschienen, sodass nicht nur die Naumburger jetzt wissen, was in diesem bedeutenden Dom restauriert wird. Außerdem will das Team selbst über seine Arbeit berichten, Texte schreiben, Erfahrungen teilen, am Ende ein Buch herausgeben, wenn es sich finanzieren lässt. Das alles könnte nach Normalität klingen. Denn eigentlich machen die Naumburger nur das, was jedes große Restaurierungsprojekt machen sollte: neben seiner fachlich guten Arbeit eine aktive Öffentlichkeitsarbeit.

Oftmals fehlt es noch an Bereitschaft zur Öffentlichkeitsarbeit

Doch es ist leider noch viel zu selten Normalität, dass Restauratoren bereit sind, ihre Projekte vorzustellen. Mag sein, dass es ein bisschen anstrengend ist und Zeit kostet. Aber wer mit öffentlichen Mitteln arbeitet, muss auch Rechenschaft ablegen. Nicht nur gegenüber den Kollegen, sondern auch gegenüber der interessierten und zu interessierenden Öffentlichkeit. Die aktive Bereitschaft dazu haben viele Restauratoren leider noch immer nicht.