Arbeiten am allerersten Haus der Moderne

2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses statt. Für Restauratoren gibt einiges zu tun, wie Birgit Busch, Restauratorin bei der Klassik Stiftung Weimar berichtet. Denn auch das kleine „Haus Am Horn“ in Weimar, entworfen von Georg Muche, wird originalgetreu wiederhergestellt

Die Ideen des Architekten und Bauhausgründers Walter Gropius fielen durch. Seine Weimarer Studenten votierten gegen die Entwürfe ihres Direktors für ein Bauhaus-typisches Musterhaus und entschieden sich für den Vorschlag des Malers und Bauhausmeisters Georg Muche.Thema des Wettbewerbs war es, ein Musterhaus für eine neue Wohnsiedlung zu entwerfen. Muche schlug einen schlichten Baukörper auf quadratischem Grundriss vor. Alle Räume wie Küche und Kinderzimmer, Schlafraum und Badezimmer gruppierte er um einen großen, in der Mitte gelegenen Wohnraum. Dessen zentrale Rolle betonte Muche durch eine größere Höhe, die auch von außen sichtbar ist. Querliegende Fensterbänder umgeben den turmartig herausstehenden Mittelteil in allen vier Richtungen. Die glattgeputzten Fassaden der umlaufenden Räume sind von sparsam und funktional gesetzten Fenstern unterbrochen. Im Innern herrschte Funktionalität. Es gab Einbauschränke, eine Einbauküche sowie eine Zentralheizung.

Blick von Westen auf das Musterhaus Am Horn (vor der Sanierung). Foto: Presse Thüringen
Blick von Westen auf das Musterhaus Am Horn (vor der Sanierung). Foto: Presse Thüringen

Das Haus wurde innerhalb von nur vier Monaten gebaut und mithilfe der Meister und Studenten aller Werkstätten ausgestattet. Küche, Möbel, Teppiche – alles wurde von Bauhausmitarbeitern entworfen und teilweise auch gefertigt. So entstand das Gesamtkunstwerk „Haus Am Horn“. Es ist das erste Bauhaus-Haus, der Prototyp des Neuen Bauens, die Grundlage für alles Folgende: das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser in Dessau, die deutschen und weltweiten Bauhausbauten sowie für ein neues, schnörkelloses, funktionales Bauen überhaupt.

Seit 1996 ist das erste Bauhaus-Haus UNESCO-Weltkulturerbe

Das Weimarer Haus wurde von Adolf Sommerfeld, einem mit Gropius befreundeten Unternehmer und Investor, finanziert. Sommerfeld verkaufte es an einen Privatmann. In der DDR war es sogenanntes Volkseigentum und verfiel anfangs, wurde dann aber von seinen Bewohnern erhalten. Seit 1996 ist es UNESCO-Weltkulturerbe. Der Freundeskreis der Bauhausuniversität Weimar e.V. übernahm das Haus in Erbbaupacht von der Stadt und begleitete die Generalsanierung 1997–99, bei der beispielsweise Garagenanbauten entfernt wurden. Sie orientierte sich allerdings an der damals geplanten Nutzung des Hauses als Ausstellungsort und temporäre Wohnung für Stipendiaten. Deshalb wurden beispielsweise Isolierglasfenster und moderne Plattenheizkörper eingebaut.

Zwanzig Jahre und intensive Recherchen später soll das Haus museal erfahrbar werden. Dazu werden wieder einfach verglaste Holzfenster eingebaut und die neuen Plattenheizkörper durch Gussheizkörper ersetzt. Am meisten freut sich Birgit Busch, Restauratorin bei der Klassik Stiftung Weimar, auf die Wirkung des schwarzen Opakglases, das 1923 für Fußbodenleisten, Heizungsabdeckungen und Fensterbänke verwendet wurde und jetzt wieder hergestellt und eingebaut wird. Auch die Wände im Inneren werden neu gestrichen – mit Leimfarben, wie sie damals üblich waren.

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