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Pandemie-bedingt konnte die zweite Station der Schau „Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler“ in diesem Frühjahr nicht im Buchheim Museum in Bernried stattfinden. Ab kommender Woche gibt es dazu eine virtuelle Alternative

Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller mit Pfeife (Ausschnitt), 1913, Öl/Lwd; Brücke-Museum, Berlin. Foto: Nick Ash
Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller mit Pfeife (Ausschnitt), 1913, Öl/Lwd; Brücke-Museum, Berlin. Foto: Nick Ash

Die Wirkung von Rahmen auf Gemälde wird oftmals unterschätzt. Dabei ist der passende Rahmen die perfekte Bühne für das Bild und unterstreicht dessen Aussage, wodurch Rahmen und Bild als eine Einheit zu sehen sind. Schon Ernst Ludwig Kirchner sagte über die Wichtigkeit der Rahmen für seine Gemälde: „Ungerahmte Bilder gebe ich niemals auf Ausstellungen, das geht bei meinen Arbeiten nicht. Wenn ich etwas mache, so recht und gut als irgend möglich, sonst lieber nicht.“ Dieses Zitat verdeutlicht, wie wichtig Rahmen für Künstler sein können, im Besonderen für die „Brücke“ Künstler, dessen Mitglied Kirchner war: Die Gemälde waren untrennbar mit von den Künstlern selbst angefertigten Rahmen verknüpft, die damit ein Teil des eigentlichen Kunstwerks wurden. So hat Kirchner seine Werke meist nicht auf die Leinwand begrenzt, sondern auf den Rahmen erweitert, während sein Malerkollege Schmidt-Rottluff die Rahmen mit aufwendigen Schnitzarbeiten versah.

Im Laufe der Zeit wurden die Gemälde ausgerahmt und mit neuen Rahmen versehen, da Kunsthändler und Sammler die originalen Rahmen oft zu schlicht fanden. Abbildungen der Gemälde in Werkverzeichnissen oder Ausstellungskatalogen finden sich auch häufig ohne Rahmen, obwohl diese von größter Wichtigkeit waren: Die Kunst sollte nicht nur ästhetisch ansprechend in ihrem Rahmen bleiben, sondern auf das Leben hinausgreifen und die Ausdrucksformen der damaligen Zeit „unmittelbar und unverfälscht“ in die Welt hinaustragen und damit einen Übergang zwischen Kunst und Leben schaffen. Die Ausstellungen „Unzertrennlich“ bzw. „Wiederentdeckt!“ beschäftigen sich daher erstmals mit der Bedeutung und der besonderen Rolle des Bilderrahmens für die Werke der Brücke-Künstler.

Nach der erfolgreichen ersten  Präsentation im Brücke Museum Berlin konnte die zweite Station „Wiederentdeckt!“ aufgrund der Corona-bedingten Schließung des Buchheim Museums in Bernried am Starnberger See, bei der neben internationalen Exponaten auch Werke aus der museumseigenen Sammlung, die wieder in ihrem Originalrahmen präsentiert werden sollten, leider nicht stattfinden. In der Vorbereitung auf die Ausstellung begaben sich Werner Murrer und sein Team auf die Suche nach den Originalrahmen der Meisterwerke, die sie wiederfanden oder originalgetreu nachbauten. Ergänzend dazu wurde während der Ausstellungsvorbereitung ein kurzer Film gedreht, der die spannende Suche nach den Originalrahmen dokumentiert. Es wird einen Kurzüberblick über die geplante Ausstellung und über unterschiedlichen Rahmen geben, welche von den Brücke-Künstlern genutzt wurden (Link zum Film: https://youtu.be/5xcvcdKqub0).

Die parallel dazu erschienene Publikation „Unzertrennlich – Rahmen und Bilder der Brücke Künstler“ dient nicht nur als Ausstellungskatalog, sondern ist auch als fundiertes Nachschlagewerk zu den originalen Rahmen der Brücke Künstler zu sehen.

Tipp: In der RESTAURO 5/2020 wird außerdem eine Buchrezension über die Begleitpublikation „Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler“ erscheinen, www.restauro.de/shop. Verfasser: Dipl. Rest. Dr. Paul-Bernhard Eipper, Leiter des Referats Restaurierung am Grazer Universalmuseum Joanneum, und seit 2020 Professor für Restaurierung moderner und zeitgenössischer Malerei am Institut für Konservierung und Restaurierung an der Akademie für Bildende Künste und Design, Bratislava