27.05.2020

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„Die Million werden wir noch vollmachen“

von Uta Baier
Staatliche Bauhochschule Weimar (Herstellung)
Staatliche Bauhochschule Weimar (Herstellung)

Aufträge für freie Restauratoren: Die Ernst von Siemens Kunststiftung hat in den vergangenen Wochen die Restaurierung von 40 Kunstwerken genehmigt. Ohne Corona-Pandemie würden diese nicht restauriert werden


Karl Keller (Entwurf), Staatliche Bauhochschule Weimar (Herstellung), Schlafzimmer, 1928, 188 × 226 × 60 cm, Holz, lackiert; © Stiftung Bauhaus Dessau Foto: Gunter Binsack
Karl Keller (Entwurf), Staatliche Bauhochschule Weimar (Herstellung), Schlafzimmer, 1928, 188 × 226 × 60 cm, Holz, lackiert; © Stiftung Bauhaus Dessau Foto: Gunter Binsack

In Leipzig wird die Reisetruhe des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy restauriert, in Halle ein Marienrelief des Conrad von Einbeck, in Frankfurt am Main der Zierrahmen eines Fernand Khnopff-Gemäldes, in Hannover ein Sarkophag, in Bad Albing einer Holzkassettendecke. Das sind nur wenige Beispiele von bisher vierzig Kunstwerken, deren Restaurierung die Ernst von Siemens Kunststiftung in den vergangenen Wochen genehmigt hat und die ohne Corona-Pandemie in ihren Museen nicht restauriert werden würden. Alle Förderungen wurden von Museen für Museumsstücke beantragt, alle Aufträge gingen an freie Restauratoren. Denn sofort nach der Schließung der Museen Ende März warb die private Stiftung für ihre neu eingerichtete „Corona-Förderlinie“. Mit Unterstützungen von 2.000 bis 25.000 Euro macht sie Restaurierungen von Museumsobjekten möglich – und zwar solche, die von freien Restauratoren ausgeführt werden. Mit 2000 bis 15.000 Euro können freiberufliche Wissenschaftler bezahlt werden, die an Bestandskatalogen, Werkverzeichnissen oder Ausstellungskatalogen für Museen arbeiten. 

„Unser Augenmerk liegt momentan bei den freiberuflichen Restauratoren und Wissenschaftlern, die für die Museen arbeiten“, sagt Generalsekretär Martin Hoernes. Dass besonders ihnen geholfen werden müsse, war Hoernes sofort klar und er konnte schnell helfen, weil seine Stiftung nicht nur Geld für Förderungen hat, sondern auch schnell und effizient arbeitet. In drei Wochen wurden bereits fast fünfzig Anträge mit einem Fördervolumen von 400.000 Euro bewilligt, so dass fünfzig Restauratoren und Wissenschaftler Aufträge haben. Und es geht weiter. „Die Million werden wir schon noch vollmachen“, sagt Hoernes. Dass das aktuell speziell für Restaurierungen und Publikationen bewilligte Geld später für andere Projektförderungen fehlen werde, sieht Martin Hoernes nicht. Schließlich würden viele Ausstellungen verschoben oder abgesagt. Da falle der Förderbedarf weg. Außerdem, so Hoernes: „Vielleicht ist momentan nicht die Zeit für große Ankäufe. Wir kümmern uns aktuell lieber um die Menschen im Kulturbetrieb.“

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