Rückkehr des Reiters

 

Die Neupräsentation der Sammlung Blauer Reiter im Lenbachhaus holt die Münchner Künstlergruppe im Zeitgeschehen ab

Großformatige Gemälde neben feinen Porzellanfiguren. Afrikanische Schnitzkunst neben Hinterglasmalereien bayerischer Provenienz. Fotografie neben Film. Werk an Werk gereiht überschreitet das neue Ausstellungskonzept der Abteilung „Blauer Reiter“ Grenzen: epochal, stilistisch, geografisch. Und das ganz selbstbewusst. Denn nach der vierjährigen Generalsanierung im Lenbachhaus haben sich die global verstreuten Leihgaben der Sammlung wieder im Heimatmuseum eingefunden und erzählen gewissermaßen als hängende Spuren von einer geografisch grenzenlosen Kunst und Kultur. „Der Blaue Reiter war unser kultureller Botschafter im Ausland“, sagt Hans-Georg Kippers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München, auf dem Höhepunkt seiner Eröffnungsrede und ist sich sicher: „Bilder müssen reisen.“

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Da die Sammlung nun wieder vereint ist, lassen sich jedoch noch ganz andere Grenzüberschreitungen deutlich machen. Insofern steht der Neupräsentation ein Titel vor, der eigentlich ein Zitat ist, ein Zitat von Franz Marc und Wassily Kandinsky aus dem unveröffentlichten Vorwort des bekannten Almanachs von 1912: „Das ganze Werk, Kunst genannt, kennt keine Grenzen und Völker, sondern die Menschheit.“

Jawlensky Bildnis des Tänzers Sacharoff
Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff, Alexej Jawlensky (1864–1941), 1909, Öl auf Pappe, Foto: Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München

 

In den theoretischen Überzeugungen wie auch in der künstlerische Praxis des Blauen Reiters – so die Kernaussage der Ausstellung – werden immer wieder kleine und große Grenzen überwunden. Das reicht von der politischen Idee einer Kunst für die gesamte Menschheit bis hin zu ästhetischen Referenzen beispielsweise zwischen afrikanischen Masken und süddeutschen Hinterglasbildern. Der Almanach wird deshalb auch – digital aufbereitet – wie selbstverständlich neben den bekannten expressionistischen Ikonen der Gruppe, Marcs „Der Tiger“ oder Jawlenskys „Bildnis des Tänzers Alexander Sacharoff“, gezeigt. Letzteres wurde erst kürzlich einer Teilrestaurierung unterzogen. Mit der Untersuchung des Sacharoff-Gemäldes sowie den einzelnen Maßnahmen war die Abteilung des Lenbachhauses betraut – eine Reise beziehungsweise einen Transport zu restauratorischen Zwecken musste das Bild daher nicht auf sich nehmen.

Die Grundideen des Blauen Reiters in das – nicht nur kulturelle, sondern auch politische – Zeitgeschehen hinein zu holen, deren Relevanz bis heute aufzuzeigen, dem hat sich die Neupräsentation mit dem Leitsatz „Der Blauer Reiter kehrt zurück“ mit Erfolg verschrieben: als Ausstellung ohne Grenzen.

 

Die Neupräsentation der Sammlung Blauer Reiter zeigt die städtische Galerie Lenbachhaus ab dem 03. Februar 2016.

In der übernächsten Ausgabe der RESTAURO 04/2016 widmen wir uns dem Blauen Reiter in einem eigenen Thema.