Restitution eines Kriegsverlusts in Stuttgart

Ende September 2021 erhielt die Staatsgalerie Stuttgart ein seit dem Zweiten Weltkrieg vermisstes Kunstwerk zurück. Ab November wird es dort im Rahmen einer Sonderpräsentation für einige Wochen zu sehen sein. RESTAURO über die Restitution eines Kriegsverlusts

1902 war das Gemälde „Fische und Muscheln am Strand“ von Jan van Kessel d. Ä. (1626–1679) aus Schloss Ludwigsburg an die Staatsgalerie Stuttgart gekommen. Während des Krieges wurde es gemeinsam mit anderen Kunstwerken in ein Pfarrhaus ausgelagert und dadurch vor der Zerstörung bewahrt. Als Mitarbeiter der Staatsgalerie den Auslagerungsort 1945 begutachteten, fanden sie diesen jedoch fast vollständig leergeräumt vor. 

Über die Restitution eines Kriegsverlusts

Ende 2020 wurde das kleine Gemälde dann in französischem Privatbesitz identifiziert und am 24. September 2021 in der Pariser Botschaft der Bundesrepublik Deutschland an einen Vertreter des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst sowie die Direktorin und die Provenienzforscherin der Staatsgalerie übergeben. Zuvor hat sich die ehemalige Besitzerin mit Hilfe eines Kunstexperten und eines Anwalts auf die Suche nach dem ursprünglichen Eigentümer gemacht.

Advertorial Artikel

Parallax Article

Sobald das Kunstwerk einen neuen Rahmen und die Freigabe durch das Restauratorenteam erhalten hat, wird es in Form der mehrwöchigen Sonderpräsentation „Bienvenue! Späte Heimkehr eines Kriegsverlusts“ in den Räumen der Staatsgalerie zu sehen sein. Mit der Rückgabe dieses Werks kann nun eine schmerzhafte Lücke geschlossen werden: Das seit 77 Jahren verwaiste Gegenstück kann nun wieder mit seinem Pendant in der ständischen Sammlung präsentiert werden.

Lesetipps:

Restaurierung und Restitution: Dr. Wanja Wedekind ist einer der Organisatoren des Salons und Mitglied einer Gruppe von Restauratoren und Konservatoren, die im März 2019 die Initiative „Restaurierung und Restitution“ gegründet haben. Lesen Sie mehr in: RESTAURO 8/2019.

2016 kaufte ein elsässischer Sammler und Archäologe auf einem Flohmarkt im französischen Sarrebourg einen wertvollen Kupferstich von Albrecht Dürer – ein Werk, das seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen galt. Als der Experte auf der Rückseite des Blattes den Stempel der Staatsgalerie Stuttgart entdeckte, schenkte er seinen Fund der Graphischen Sammlung des Museums. Lesen Sie hier