19.12.2016

Museum

Restitution einer Tapisserie

von David Fritschi

Aus den USA an den Freistaat Bayern

Am 16. Dezember wurde eine im Zweiten Weltkrieg entwendete Tapisserie an den Freistaat Bayern restituiert: Die Darstellung der höfischen Gesellschaft im Freien entstand vermutlich kurz nach 1500 in Flandern. Der kostbare Wandteppich gehörte zur Ausstattung des Kehlsteinhaus in Berchtesgaden auf dem Obersalzberg, welches Adolf Hitler 1939 als Geschenk von der NSDAP zu seinem 50. Geburtstag erhielt. Franz von Lenbach hatte die Tapisserie um 1900 für das Münchner Künstlerhaus von der Kunsthandlung Bernheimer erworben. 1931 ging der Teppich wieder an die Bernheimers und wurde dann 1938 für das Kehlsteinhaus gekauft. 1945 nahm ein US-amerikanischer Offizier der 101. Airport Division das Kunstwerk mit in seine Heimat. Die Übergabe an das Bayerische Nationalmuseum am letzten Freitag erfolgte durch Cathy Hinz, Tochter des Besatzungsoffiziers, und Robert M. Edsel, Gründer der „Monuments Men Foundation“, die schon zum siebten Mal bei der Rückkehr eines von US-Soldaten entwendeten Kunstwerks nach Deutschland vermitteln.

Der Bildteppich hing in Hitlers Kehlsteinhaus und wurde im Verlauf des Zweiten Weltkriegs entwendet. Foto: National World War II Museum
Vor Fernsehen und Presse übergibt Cathy Hinz das Kunstwerk an das Bayerische Nationalmuseum.
Die Monuments Men Foundation und ihr Gründer Robert M. Edsel waren maßgeblich an der Restitution beteiligt.
Sichtlich bewegt berichtet Hinz von ihrer Entscheidung den Teppich zurück zu führen.
Die Tapisserie hing ca. 70 Jahre im Treppenhaus von Cathy Hinz.
Farblich ist sie noch gut erhalten, einige Fehlstellen sind aber vorhanden.
Obwohl es auch ein starker Verlust ist, freuen sich Cathy Hinz und ihr Mann das der Bildteppich in seine Heimat zurückkehrt.

Restitution: keine Einbahnstraße

Edsel würdigte alle an der Restitution Beteiligten und wies auf die Wichtigkeit dieses Ereignisses hin. Auch wenn die Rückgabe eines von vielen Werken nur wie „ein Tropfen auf dem heißen Stein wirke“, könne insgesamt doch eine deutliche Zunahme beobachtet werden. Der Gründer der „Monuments Men Foundation“ verdeutlichte aber ebenfalls, die Restitution sei keine Einbahnstraße: Nur wer selbst zur Rückführung der verlorenen Kunstschätze beiträgt, kann auch erwarten, vermisste Werke zurück zu erhalten. Die Restitution sei dabei keine Verpflichtung der Vergangenheit, sondern vielmehr ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft. Edsel gab zudem zu bedenken, dass Kulturgut nach wie vor an vielen Orten immer noch gefährdet ist, wie etwa aktuell in Syrien. Zum Schluss appellieret er, Hinz’ Beispiel zu folgen und freiwillig sowie unentgeltlich entwendete Kunstwerke an ihre angestammten Besitzer zurückzugeben.

Emotionale Übergabe

Hinz war bei der Übergabe an das Bayerische Nationalmuseum sichtlich bewegt. Sie bezeichnete den Bildteppich als „Teil ihres Lebens“. Auch wenn seine Herausgabe ein tiefer Verlust ist, freue sie sich doch, das Kunstwerk nach Hause zurückkehren zu sehen. Seit ihrer Kindheit fand Hinz den Teppich faszinierend und sie sei dankbar, einem Teil Geschichte zum Anfassen nah gewesen zu sein.

Die Tapisserie hing für rund 70 Jahre im Treppenhaus von Hinz und verblasste kaum. Vor drei Jahren übergab die US-Amerikanerin das Kunstwerk an das National World War II Museum, wo der Teppich im Depot gelagert wurde. Durch die „Monuments Men Fundation” konnte der Teppich übergeben werden und kann nun umfassend untersucht und schließlich restauriert werden.

Ein Video mit Eindrücken von der Übergabe.

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