14.11.2022

Beruf Branchen-News Forschung Kulturerbe Porträts

Porträt Nadja Wallaszkovits

von Uta Baier
Nadja Wallaszkovits ist seit 2020 Professorin für Konservierung und Restaurierung Neuer Medien und Digitaler Information an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Foto: Hang Tran
Nadja Wallaszkovits ist seit 2020 Professorin für Konservierung und Restaurierung Neuer Medien und Digitaler Information an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Foto: Hang Tran

Nadja Wallaszkovits ist seit 2020 Professorin für Konservierung und Restaurierung Neuer Medien und Digitaler Information an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Ein Porträt

Nadja Wallaszkovits ist eine begeisterte Quereinsteigerin und die neue Professorin für Konservierung und Restaurierung Neuer Medien und digitaler Informationen an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Eigentlich ist sie Toningenieurin, hat Musikproduktionen für Schallplatten, Filme und Videos im Konzerthaus Wien betreut, sich dann im Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit „Audio-Digitalisierungen, Re-Recording, Restaurierung und Bearbeitung, Workflow, Konzeptionierung und Implementierung für ein Digitalarchiv“ beschäftigt – erst als Assistenztontechnikerin, später als Cheftechnikerin. Diese Auflistung aus ihrem Lebenslauf umreißt die Interessen der überaus begeisterten Quereinsteigerin in das Fachgebiet der Restaurierung.

Rettung von Audiodateien und mehr

 

Mit der Erhaltung Neuer Medien und digitaler Informationen beschäftigt sie sich allerdings schon ihr ganzes Berufsleben. Nadja Wallaszkovits kann hinreißend beschreiben, wie dramatisch die Lage bei der Rettung von Audiodateien ist. Sie erzählt ebenso hinreißend von der Fehlersuche bei der Restaurierung von Sounds: „Ich wollte das absolut letzte Magnetpartikel auslesen. Mit höchster Präzision. Doch ich merkte, dass das gar nicht geht, weil der Tonträger oder der Film beschädigt waren. Also fragte ich mich, wie ich die Qualität des Trägers – chemisch oder physisch – verbessern könnte, um ein tolles Signal zu bekommen.“ Damit begann die Beschäftigung mit Chemie und Restaurierung. Denn ihre Hauptfrage ist: „Warum klingt es wie es klingt? Warum schaut es aus, wie es ausschaut? Wie viel kann ich verändern? Wo ist das Ende einer Technologie? Und sehen wir heute – mit einem modernen HD-Monitor zum Beispiel – ganz etwas anderes als in den 1980er Jahren?“ Das seien einige der Fragen, die sie mit ihren zukünftigen Studentinnen und Studenten besprechen wolle.

Was brauchen Museen und Archive, um ihre Tonträger und digitalen Werke zu erhalten?

 

Allzu viele gibt es davon in Stuttgart allerdings noch nicht. Momentan sind es drei Studentinnen. Die Corona-Beschränkungen haben das Interesse am neuen Studiengang gedämpft. Aber Nadja Wallaszkovits ist zuversichtlich, dass sie mehr zukünftige Restaurator:innen für ihr Thema begeistern kann. Schließlich sei es eines der wichtigsten Themen der kommenden Jahre: „Ganz viele Museen und Archive wissen noch gar nicht, was sie brauchen, um ihre Tonträger und digitalen Werke zu erhalten. Sie wissen gar nicht, dass ihnen die Zeit tagtäglich davonläuft und sie wissen nicht, dass viele Geräte nicht mehr verfügbar sind.“ Allein, dass es selten Förderungen für Digitalisierungen einer ganzen Sammlung gibt, ist den meisten bekannt.

Der Restaurator als Berater

 

Wer bei Nadja Wallaszkovits studiere, werde Berater für all diese Probleme sein, werde wissen, wie die wertvollen Einzelstücke zu digitalisieren sind, warum ein Anbieter besser ist als der andere, welche Verbesserungen möglich sind, was ethisch korrekt ist und wo der Kompromiss liegt. „Mein Ziel ist es, dass die Restauratorinnen und Restauratoren, die von uns ausgebildet werden, den ethischen, ästhetischen, kommerziellen und technologischen Zusammenhang durchblicken und betreuen können“, sagt Nadja Wallaszkovits.

Vita Nadja Wallaszkovits

1987–1989: School of Audio Engineering (SAE), Vienna, Abschluss Diplom Audio Engineer

1998: Abschluss Diplomstudium Musikwissenschaft (vergl.-syst. Musikwiss./ Ethnomusikologie) und Theaterwissenschaft (Schwerpunkt Musiktheater)

1995–2000: Jazz Club Porgy & Bess, Wien, Toningenieurin für Live Beschallung, Lichtdesign und Lichttechnik internationaler Jazz Live Konzerte

1988–2002: Konzerthaus Wien und Hey-U Media Group Vienna: Toningenieurin für Aufnahme / Mischung / Mastering / Beschallung verschiedenster Musikaufnahmen, Schallplatten- und CD-Produktionen aller Musikrichtungen einschließlich Filmmusik und Video-Ton

1999–2005: Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien: 
Assistenz-Tontechnikerin, 2005–2020 Cheftechnikerin, Leiterin der Arbeitsgruppe Technische Entwicklung

2017: Promotion zum Dr. phil. an der Universität Wien, Institut für Musikwissenschaft, Thema: 
Restaurierung historischer Audiomaterialien mit Schwerpunkt Aufnahmen aus dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

seit 2020: Professorin für Konservierung und 
Restaurierung Neuer Medien und Digitaler Information an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart

Eine Keynote-Lecture von Nadja Wallaszkovits („From Wax Cylinder to Digital: A Time-Travel through the History of Field Recording Technology“, Institute of Musicology SASA October 27th, 2021)  finden Sie hier im Video:

Scroll to Top