Lichtuntersuchung in der Gemäldegalerie Dresden

 

Lichtschädigungen einzelner Farbbereiche an Gemälden werden vielfach konstatiert. Diese vermeintlich abgeschlossenen Prozesse setzen sich allerdings fort und sind in den Zeitdimensionen einer Generation nicht ohne technische Instrumente feststellbar. Farbe verschwindet allmählich unbemerkt vor den Augen des Betrachters. Folglich ist der heutige Umgang mit Licht im Museumsbereich mit Verantwortung verbunden. In der RESTAURO 8/2016 berichten Sabine Bendfeldt, Thomas Prestel und Heiko Werdin von den Auswirkungen der momentanen Beleuchtungssituation in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden. Microfading und Farbmonitoring sollen Erkenntnisse über den Einfluss von Licht auf die ausgestellten Gemälde bringen.

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Ausstellungsraum in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden: Der sogenannte Bellottogang komplett verschattet in der aktuellen Beleuchtung. Probetafeln sind an zwei Gemälderahmen montiert. Foto: SKD/Klut Estel

Lichtschädigung an Gemälden

Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden arbeiten seit 2009 im Rahmen des Bellotto-Projekts an der Restaurierung und maltechnischen Erforschung der Dresdner Vedutenserie von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. Bellotto malte 1747–1753 die sächsische Residenzstadt in 14 großformatigen Ansichten. Sein bevorzugtes Pigment für die Himmelsfarbigkeit war das junge und wenig lichtstabile synthetische Pigment Preußisch Blau.

Heute weisen die Gemälde von Bellotto eine hohe Lichtschädigung auf. Die Ausbleichung der Farbe besonders im Bereich der Himmelsflächen ist seit längerem bekannt und konnte im Verlauf der jüngsten Restaurierung in seiner eigentlichen Intensität deutlich belegt werden. Daran anknüpfend wurde mit Hilfe des MFT (Micro-Fading-Tester) der Nachweis über das Fortschreiten dieses irreversiblen Vorgangs geführt. Das bedeutet, dass die Ausbleichung auch im bereits stark vorgeschädigtem Zustand immer weiter zunehmen wird. Die Veränderungen sind messbar, jedoch kaum sichtbar. Demzufolge bleibt für jede nachfolgende Generation immer weniger Farbe erhalten.

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Ansicht der verwendeten Probetafeln. Foto: SKD Klut/Estel

Beleuchtung in der Gemäldegalerie Dresden

In Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Lehrgebiet Archäometrie und naturwissenschaftliche Forschung, wurde eine konservierungswissenschaftliche Begleituntersuchung zur aktuellen Beleuchtungssituation und zum Lichtschutz in der Gemäldegalerie Alte Meister gestartet. Diese befindet sich seither in einer umfangreichen Rekonstruktion in Bauabschnitten und ist nur halbseitig für Besucher geöffnet. Während der Baumaßnahmen erfasst die Technische Universität Dresden, Institut für Energietechnik, in der Interimsausstellung die Klima- und Beleuchtungssituation. Die Ergebnisse des Farbmonitorings werden hierbei ins Verhältnis zu den Beleuchtungswerten gesetzt.

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Bernardo Bellotto (1721–1780), "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustenbrücke", um 1748, Gal.-Nr. 606. Foto: SKD Klut/Estel
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Detail aus "Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke", Bernardo Bellotto, gen. Canaletto, Gal.-Nr. 606 – eine Farbabsplitterung am Randbereich zur Leinwand legt den eigentlichen Himmelsfarbton frei. Foto: SKD Klut/Estel

 

Bisher durchgeführte Messungen konzentrierten sich eher darauf, die spektrale Verteilung des Lichts für ausgewählte Leuchten zu beschreiben oder eine künstliche Alterung von Probetafeln durch gezielte Bestrahlung normierten Lichtes herbeizuführen. Im Gegensatz dazu soll nun mithilfe von Probetafeln in der realen Galeriesituation festgestellt werden, welche Auswirkungen die Summe verschiedener Lichtimmissionen in realen Zeiteinheiten hat.

Den vollständigen Artikel „Dunkle Aussichten für die Kunst: Kein Licht ist auch keine Lösung“ finden Sie in der RESTAURO 8/2016.