06.12.2016

Kunststück

Dorothys Ruby Slippers leben weiter

Die weltweit wohl berühmtesten Schuhe schimmern bald wieder in ihrem originalen Rot – denn mit einer Fundraising-Kampagne ist es dem Smithsonian’s National Museum of American History gelungen, die Konservierung von Dorothys magischen Ruby Slippers aus dem Film „Der Zauberer von Oz“ (1939) voranzutreiben.

349.026 Dollar. Das ist die finale Summe, die das National Museum of American History am 16. November 2016 stolz verkündete. Dank der großzügigen Spenden von 6.451 Unterstützern kann sich der Publikumsmagnet des Museums und zugleich die berüchtigste Filmrequisite der Geschichte bald im konservatorischen 5-Sterne-Himmel wähnen. Die Fundraising-Kampagne für die Konservierung der magischen roten Schuhe von Filmfigur Dorothy aus „Der Zauberer von Oz“ (1939) startete im Oktober 2016 mit einem Ziel von 300.000 Dollar – und schoss innerhalb eines Monats darüber hinaus. Die Schuhe, so lässt sich schlussfolgern, liegen dem Publikum mehr am Herzen, als ohnehin angesichts des täglichen Publikumsstroms vor der Vitrine des Exponats anzunehmen war. Vielleicht, weil die Schuhe nicht nur Überbleibsel eines Kinokults sind, sondern vor allem, weil ihr Erhalt zugleich die Bewahrung von (Kindheits)Erinnerungen bedeutet.

Die magischen roten Schuhe der Filmfigur Dorothy aus „Der Zauberer von Oz". Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Die Schuhe kamen in den 1970er-Jahren an das Museum. Seitdem ziehen sie täglich junges wie erwachsenes Publikum an. Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Das Alter von 80 Jahren sieht man den Schuhen deutlich an. Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Durch die erfolgreiche Fundraising-Kampagne kann das Museum die Schuhe nun mit den notwendigen Mitteln konservieren. Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Detailaufnahme der Schuhsohle, die mit Pailetten bestückt ist. Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Detailaufnahme des inneren Schuhabsatzes. Das Material ist abgesplittert und zum Teil abgebrochen. Foto: Smithsonian's National Museum of American History
Präventive Konservierung des Schuhs. Foto: Smithsonian's National Museum of American History

Engagement der Bevölkerung ermöglicht Konservierung

80 Jahre ist es her, als Schauspielerin Judy Garland als kleine Dorothy die yellow brick road (dt.: gelbe Ziegelsteinbrücke) entlang marschierte, um den Zauberer von Oz aufzusuchen – in den Schuhen, die nun konserviert werden. Nach solch langer Zeit war der Zustand des Tragwerks alles andere als gut, zumal es niemals dafür gemacht war, den Filmdreh von 1939 zu überdauern. Die strahlend rote Farbe ist verblichen, die Schuhe sehen abgetragen und verwaschen aus, die Pailetten perlen ab, das Netz ist an manchen Stellen gerissen. „Die Schuhe sind ein komplexes Artefakt und bestehen aus mindestens zwölf verschiedenen Materialien. Angefangen von Stahl bis Baumwolle“, erklärt Richard Barden, der leitende Konservator des Projekts. Von dem Geld sollen nun die materialtechnischen Forschungen für die spätere Konservierungsmethode, das Material und Werkzeug sowie eine klimakontrollierte „state-of-the-art“-Ausstellungsvariante finanziert werden. Doch warum braucht ein solch international renommiertes Museum mit einer starken Institution wie dem Smithsonian im Rücken die Unterstützung der kulturinteressierten Bevölkerung? Föderale Gelder bilden die Grundlage für die Kernaufgaben im Museum, wie die Sicherung und Überwachung der Sammlungen, Baumaßnahmen und Mitarbeiterfinanzierung. „Dennoch sind wir auf private Spenden angewiesen, um kostbare Exponate wie die Ruby Slippers weiterhin erhalten und ausstellen zu können“, so das Statement des Museums.

Noch mehr Requisiten

Im Jahr 2018 möchte das Museum die Schuhe in der Ausstellung „On with the Show“ zeigen. Im besten Fall zusammen mit dem restaurierten Kostüm der Vogelscheuche, das damals Darsteller Ray Bolger trug. Nach dem großen Erfolg der Fundraising-Kampagne haben die Konservierungsbeauftragten des Museums nämlich schon den nächste Spenden-Aufruf gestartet. Hier wollen die Organisatoren 85.000 Dollar zusammentragen, um neben den Ruby Slippers eine weitere Requisite des Filmklassikers auszustellen. „Dich werde ich am meisten vermissen“, sagt Dorothy am Ende der Geschichte zur Vogelscheuche, bevor sie Oz verlässt. Gelingt die zweite Kampagne des Museums genauso gut wie die vorige, so wird es keinen Grund geben, die Vogelscheuche zu vermissen.

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