Jagdbogen in Alaska gefunden: 460 Jahre alt

Im Herbst 2021 fanden Mitarbeiter des National Park Service einen geschnitzten hölzernen Jagdbogen in einem See im Lake Clark National Park and Preserve in Alaska. Der gut erhaltene Bogen hat eine Länge von 137 Zentimetern und wird aktuell im Alaska Regional Curatorial Center des National Park Service untersucht. Dr. Priscilla Morris vom United States Forest Service analysiert das Holz

Der Lake Clark im Südwesten des US-Bundesstaates Alaska ist die Heimat des Dena’ina-Stammes. Elche, Braunbären, Wölfe und Karibus leben hier. Vor circa 14.000 Jahren wurde die Region erstmals von Sibirien aus über eine damals noch bestehende Landbrücke besiedelt. Über das Leben, die Waffentechnologie und die Jagdmethoden der ersten Bewohner Alaskas ist nur wenig bekannt. Umso bedeutsamer ist daher der Fund, den Mitarbeiter des National Park Service Ende September 2021 in einem See im Lake Clark National Park and Preserve in Alaska machten: einen historischen Jagdbogen aus Holz.

Der Jagdbogen ist etwa 460 Jahre alt

Der geschnitzter hölzerner Jagdbogen misst 137 cm von der Spitze bis zum Ende und ist in einem erstaunlich guten Zustand erhalten. Nach der Entdeckung wurde der Bogen zum Alaska Regional Curatorial Center in Anchorage transportiert, wo er derzeit analysiert und konservatorisch behandelt wird. Archäologen haben Anfang März 2022 eine kleine Probe des Bogens für eine Radiokohlenstoff-Datierungsanalyse eingereicht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Bogen etwa 460 Jahre alt ist und zwischen 1506 und 1660 n. Chr. datiert werden kann.

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Die Untersuchung

Die Mitarbeiter des National Park Service beraten sich weiterhin mit den Ältesten und untersuchen diese Entdeckung, indem sie den Bogen mit ähnlichen Artefakten vergleichen, die in Museen in Alaska und anderswo aufbewahrt werden. Der Park berät sich auch mit Museumskonservator:innen und Konservierungsexpert:innen, um die Erhaltung des Bogens sicherzustellen. Vorläufige Untersuchungen deuten darauf hin, dass dieser höchstwahrscheinlich aus Fichtenholz gefertigt ist und einen Bogen im Yup’ik- oder Alutiiq-Stil darstellt, der eher in Westalaska oder auf der Alaska-Halbinsel als in der Region um den Lake Clark hergestellt wird; der NPS beginnt jedoch gerade erst, dieses Objekt zu untersuchen. Während der Lake Clark National Park seit Tausenden von Jahren vor allem die Heimat der Dena’ina ist, haben Yup’ik sprechende Menschen in der Nähe, entlang des südlichen und westlichen Ufers des Iliamna-Sees, gelebt.

Kompressionsholz ist ein beliebtes Material für die Herstellung von Bögen

Der Dena’ina-Experte George Alexie erinnert sich, wie sein Großvater über das Holz sprach, das für die Herstellung von Bögen verwendet wurde: „Mein Chuda Alexie (Evan) sagte, dass sie in die Berge gingen, um das Material für den Bau des Bogens zu holen. Die Fichten dort oben sind wegen des Windes viel stärker. Der Wind, der die Bäume umweht, sorgt dafür, dass sie sich biegen, und das macht das Holz stärker. Sie erzählten Geschichten über die Jagd mit Pfeil und Bogen und über Zeiten, in denen sie diese Waffen im Krieg einsetzten.“ Kulturelle Praktiken aus der ganzen Welt und die westliche Wissenschaft bestätigen diese Überlieferung. Kompressionsholz, das Holz der Unterseite eines schräg wachsenden Nadelbaums wie einer Fichte, ist seit langem in vielen nördlichen Kulturen, von Grönland über Alaska bis Skandinavien, ein beliebtes Material für die Herstellung von Bögen.

Beratung zur Holzbestimmung durch den United States Forest Service

Im Oktober wandte sich der Kurator des Lake Clark Museums an den United States Forest Service, um eine Beratung zur Holzbestimmung zu erhalten. Dr. Priscilla Morris, Wood Biomass and Utilization Coordinator, untersuchte den Bogen im National Park Service Alaska Regional Curatorial Center: „Nach der Inspektion des Artefakts neige ich zu Fichte. Bei der Verwendung der Handlupe gab es bestimmte anatomische Merkmale, die mich zu der Überzeugung brachten, dass Fichte die wahrscheinlichste Art ist. Es ist Saft vorhanden, und es gibt eine Vielzahl kleiner Äste. Auch die Birke ist eine vermutete Holzart, aber ich konnte keine anatomischen Merkmale feststellen, die mich dazu veranlassten, die Birke der Fichte vorzuziehen. Die Identifizierung einer Holzart dieses Alters ist schwierig. In vielen Fällen erfordert eine konkrete Identifizierung die Betrachtung einer aufgeschnittenen Probe des Artefakts unter dem Mikroskop. Bis es soweit ist, können wir uns nur auf das verlassen, was wir unter einer Handlinse sehen können.“

Blick in den Lake Clark National Park in Alaska sehen Sie hier: 

Lesetipp: Review: Die Absolventen der Staatlich anerkannten Fachakademie zur Ausbildung von Restauratoren für Möbel und Holzobjekte in München stellen ihre Facharbeiten vor.