01.10.2023

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„Geschichte des Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln“: Dissertation von Helene Tello

von Uta Baier
Helene Tello, „Schädlingsbekämpfung in Museen. Wirkstoffe und Methoden am Beispiel des Ethnologi- schen Museums Berlin 1887–1936“, Böhlau Verlag, 2022, 320 Seiten, 50 Euro. Foto: Böhlau
Helene Tello, „Schädlingsbekämpfung in Museen. Wirkstoffe und Methoden am Beispiel des Ethnologi- schen Museums Berlin 1887–1936“, Böhlau Verlag, 2022, 320 Seiten, 50 Euro. Foto: Böhlau

Von 1998 bis 2020 arbeitete die Holzrestauratorin Helene Tello im Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin. Sie war für 70.000 Objekte verantwortlich und schrieb „nebenbei“ ihre Doktorarbeit zum Thema „Schädlingsbekämpfung in Museen

Die Dissertation von Helene Tello beschäftigt sich mit kontaminierten Sammlungsobjekten aus dem Ethnologischen Museum in Berlin. Und zwar rückblickend und zum ersten Mal. Die Holzrestauratorin schreibt eine „Geschichte des Einsatzes von Schädlingsbekämpfungsmitteln“ vom ausgehenden 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Dabei geht sie sowohl der Frage nach, woher die Museumsmitarbeiter ihr Wissen über chemische Wirkstoffe zur Schädlingsbekämpfung hatten, als auch den Fragen danach, welche sie ein- setzten und wer über den Einsatz entschied.


Geschickt verortet Helene Tello ihre Forschungen in den aktuellen Diskussionen der Kulturwissenschaften, die museale Objekte als Zeitzeugen verstehen

Die Promotionsarbeit befasst sich sehr informativ mit der Einordnung der Schädlings- bekämpfung in Geschichte und Sammlungspolitik sowie mit der Geschichte der Konservierung von Kulturgut aus organischen Materialien. Geschickt verortet Helene Tello ihre Forschungen in den aktuellen Diskussionen der Kulturwissenschaften, die museale Objekte als Zeitzeugen verstehen. Damit ist auch die Geschichte ihrer Kontamination Teil ihrer Geschichte und damit Teil dieser Zeitzeugen.


Die Forschungen und Ausführungen: ausführlich und gut lesbar

Die Forschungen und Ausführungen zum Ethnologischen Museum in Berlin sind überaus erhellend, denn sie zeigen die Sammlungsgeschichte aus Sicht derer, die die Sammlungen lagern und erhalten mussten. Das erweitert nicht nur das Wissen über die einzelnen Stücke, sondern vor allem über die Bedingungen, unter denen gesammelt, gelagert und erhalten wurde. Diese Bedingungen waren lange Zeit eher unzureichend und wenig professionell. Wie Verfahren und Erfahrungen wuchsen, welche Industrieprodukte ausprobiert und verwendet wurden, was die Mit- arbeiter des Berliner Museums selbst entwickelten, beschreibt Tello ausführlich und gut lesbar. 


Vernetzung von Museumsfachleuten zwischen 1874 und 1934

Sehr übersichtlich sind ihre zusammenfassenden Tabellen, in denen sie zum Beispiel die Vernetzung von Museumsfachleuten zwischen 1874 und 1934 zusammenfasst und deutlich macht, wer mit wem korrespondierte. Der Blick auf die zeitgleiche Schädlingsbekämpfung an ethnologischen Museen weltweit ist eine spannende Weiterung des Themas und macht eine Einordnung in historische Entwicklungen möglich.

Lesen Sie weiter in unserer Spezialausgabe zu Präventiven Konservierung (RESTAURO 3/2023). Wir sprachen mit Helene Tello über Schadstoffe, militärische Sprache und die Promotion als Überlebensstrategie.

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