Gefahr für museale Sammlungsbestände

Das Thema Schädlinge in Ausstellungsräumen, aber auch in Depots oder Werkstätten hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung für die Museen gewonnen. Ein Rückblick auf die Tagung zum Integrated Pest Management (IPM) vom Dezember 2018 in München. Im Fokus standen natürlich auch die Änderungen im Biozidgesetz

„Es krabbelt im Museum!“ Unter diesem Motto stand die Tagung zum Integrated Pest Management (IPM), die Anfang Dezember 2018 vom Doerner Institut und dem Deutschen Museumsbund in Kooperation mit der Fachgruppe Pr.ventive Konservierung des Verbands der Restauratoren im Ernst von Siemens Auditorium der Pinakothek der Moderne in München veranstaltet wurde. Und tatsächlich dürfte dieser Ausruf in den letzten Jahren deutlich häufiger zu hören gewesen sein als noch vor fünfzig, sechzig Jahren: Dr. Reiner Pospischil von der Fachfirma PMP Bio Solutions arbeitete heraus, dass sowohl der Klimawandel, wie auch die Intensivierung des Austauschs von Kulturgütern beispielsweise bei Ausstellungsprojekten zu einer verstärkten Präsenz von Schädlingen auch aus anderen Regionen und Klimazonen geführt haben. Abhilfe, so Dr. Pascal Querner von der Wiener Universität für Bodenkultur, böte aber nur ein IPMKonzept, das Schwerpunkte auf die Prävention und ein gutes Schädlingsmonitoring setzt sowie die Sensibilisierung sämtlicher Museumsmitarbeiter und gegebenenfalls die präventive Behandlung aller von außen kommenden Objekte mit einbezöge.

Genau letztere aber gehört zu den Dingen, die durch die Änderungen im Biozidgesetz deutlich schwieriger geworden sind. Dr. Carsten Bloch von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erörterte die Gesetzeslage: Die Positivliste aller gegen Insekten einsetzbaren Wirkstoffe, die nur nach Durchlaufen eines zweistufigen Prüfverfahrens verwendet werden dürfen, umfasst nun auch Stickstoff. Die bislang in Museen gängige Praxis, befallene Ausstellungsstücke mit Stickstoff zu behandeln, der großenteils vor Ort durch Generatoren erzeugt wird, fällt damit ebenfalls unter das Biozidrecht. Eingesetzt werden darf nur noch Stickstoff von Lieferanten, die hierfür eine Zulassung als Biozidprodukt vorweisen können.

Wer, wie bislang, Stickstoff vor Ort aus Luft herstellen möchte, benötigt hierfür eine – mit erheblichen Kosten verbundene – Zulassung. Eine von den Gesetzgebern eingeräumte Übergangsfrist, während der die Beantragung einer solchen Zulassung hätte vermieden werden können, ist mittlerweile verstrichen. Dr. Andrea Funck, Direktorin des Doerner Instituts, plant nun, gemeinsam mit anderen betroffenen Verbänden und Organisationen ein Schreiben, das europaweit Museen und andere Institutionen mobilisieren soll, gegen diesen Teil des Biozidgesetzs vorzugehen.

Lesen Sie außerdem unseren Beitrag „Ist Stickstoff ein Biozid oder nicht?“ (RESTAURO 2/2019, S. 30/31 oder digital als ePaper). Fest steht, die Frist für eine unkomplizierte Lösung ist vorbei. RESTAURO sprach mit Dr. Carsten Bloch, Mitarbeiter der Bundesstelle für Chemikalien bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Die nächste IPM-Tagung findet in Stockholm vom 21. bis 25. Mai 2019 statt. Informationen unter www.raa.se/in-english/events-seminars-and-cultural-experiences/ipm-2019/