Diversität in Kulturinstitutionen – eine Untersuchung

Diversität in Kultureinrichtungen ist ein zentrales Thema. Wie vielfältig sind deutsche Kultureinrichtungen aufgestellt? Diese Frage liegt dem Bericht „Diversität in Kulturinstitutionen 2018–2020“ zugrunde, den die Initiative kulturelle Integration am 21. Oktober der Öffentlichkeit vorstellte

Befragt wurden Institutionen, die der Bund dauerhaft fördert. Das sind insgesamt 102 Kultureinrichtungen – darunter Stiftungen, Museen, Gedenkstätten oder auch die Auslandsmedienanstalt Deutsche Welle. Ziel war es, einen Überblick über die Frauen- und Männer-Anteile sowie die Altersstruktur der Beschäftigten zu erlangen, ebenso über den Anteil an Arbeitnehmenden mit Migrationshintergrund und mit Behinderung. Auch wurden die Einrichtungen befragt, wie es um die Diversität von Publikum und Programm steht.

Diversität in Kulturinstitutionen: türkischstämmige Mitarbeitende sind unterrepräsentiert

Etwa zwei Drittel der Befragten beantworteten die Fragebögen. Zwar bildet die Erhebung die facettenreiche deutsche Kulturlandschaft nur in Teilen ab, zeigt aber doch eine klare Tendenz auf: Zum einen sind mit 64 Prozent deutlich mehr Frauen beschäftigt als Männer. Interessant wäre gewesen zu erfahren, wie hoch der Frauenanteil auf der Führungsebene ist. Offenbar mangelt es allerdings an Nachwuchs, der bald ausscheidenden Führungskräften der „Generation Babyboomer“ nachfolgen könnte. Mitarbeitende mit einer Behinderung machen durchschnittlich vier Prozent der Mitarbeiterschaft – was ungefähr dem Anteil an erwerbstätigen Personen mit Schwerstbehinderung in der Gesamtbevölkerung entspricht.

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Auffällig findet Olaf Zimmermann, Herausgeber des Diversitätsberichtes und Sprecher der Initiative kulturelle Integration, dass türkischstämmige Mitarbeitende an Kultureinrichtungen deutlich unterrepräsentiert sind. Dabei stellen Türkischstämmige die größte Gruppe unter den Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland dar. Zimmermann kündigt an, den Kontakt mit türkischen Communities bewusst zu suchen und zu stärken.

Als problematisch in diesem Kontext erweist sich die Definition des „Migrationshintergrundes“. Laut dem Statistischen Bundesamt hat eine Person dann einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Menschen, die bereits in der zweiten, dritten oder vierten Generation in Deutschland leben, zählen nicht dazu, selbst wenn sie Nachteile aufgrund ihres familiären Hintergrunds erfahren. Nach Auskunft von Gabriele Schulz, einer der Autor:innen des Berichts, erheben die Personalabteilungen den Migrationshintergrund der Mitarbeitenden nicht. Sie schlägt daher vor, bei zukünftigen Untersuchungen alle Mitarbeitenden dahingehend zu befragen. „Dennoch ist das Ergebnis der Umfrage gar nicht so schlecht“, resümiert Olaf Zimmermann. So hätten neun von zehn Institutionen erkannt, wie wichtig das Thema Diversität ist – auch wenn damit längst noch längst nicht alle Probleme gelöst sind. „Nun müssen aus den Ergebnissen des Berichtes Taten folgen – auch in der Kulturpolitik. Wir stehen am Anfang eines wichtigen und längst überfälligen Prozesses.“

Um ein Gesamtbild der deutschen Kultur abzubilden plant die Initiative kulturelle Integration Untersuchungen auf Länder- und Kommunenebene sowie Kooperationen mit dem Deutschen Museumsbund, dem Deutschen Bühnenverein und dem Bibliothekenverbund Deutschland.

Publikation: Eckhard Priller, Malte Schrader, Gabriele Schulz & Olaf ZimmermannDiversität in Kulturinstitutionen 2018-2020, ISBN 978-3-947308-34-7, 104 Seiten, 12,80 Euro

Wie Lernprozesse in Museen und Kunsthochschulen diverser gestaltet werden können, das diskutierten im November 2020 die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste in einem digitalen Symposium. Lesen Sie mehr hier.