Die Porta Nigra: Ein Relikt römischer Pracht

Die Porta Nigra, das „Schwarze Tor“, gilt als das besterhaltene römische Stadttor nördlich der Alpen. Das Wahrzeichen Triers ist auch das bundesweit älteste Baudenkmal seiner Größe und zählt zum UNESCO-Welterbe

War die Porta Nigra immer schwarz?

Monumental thront die Porta Nigra, das dreigeschossige Tor an einem Platz. Dahinter öffnet sich die Fußgängerzone zum Zentrum in Trier. Den Namen hat das berühmte Bauwerk, das zu einer 6,4 Kilometer langen Stadtmauer gehörte, erst im Mittelalter bekommen. Anfangs kann es übrigens nicht schwarz gewesen sein: Denn der Sandstein besitzt nur dann eine weiße Färbung, wenn er frisch gebrochen ist. Die Verfärbung muss also später durch Witterungs- und Umwelteinflüsse entstanden sein, zusätzlich auch durch natürliche Prozesse, wenn das Eisenoxid in dem Sandstein korrodierte.

Ein Zeugnis römischer Zivilisation

Heute dient das Zeugnis römischer Zivilisation als zentrales Informationszentrum zur Geschichte der ältesten Stadt Deutschlands. Kaiser Augustus gründete es um das Jahr 17 v. Christus als Augusta Treverorum. Multimediaguides spannen den Bogen von ihren Anfängen in der Antike bis zur Nutzung des Tors als Kirchenanlage. Darüber hinaus illustriert eine multimediale Installation, wie das antike Stadttor im Mittelalter zum Ort der Heiligenverehrung werden konnte.

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In der Antike symmetrisch

Erbaut wurde es ohne Mörtel in einer robusten Eisenklammer-Konstruktion aus über 7200 Steinquadern. Anders als heute war es in der Antike symmetrisch – mit drei Stockwerken, zwei Türmen und einem Innenhof. Durch zwei große Tore im Erdgeschoss führte eine Straße von der Stadt nach draußen. Im Notfall konnten sie mit einem Fallgitter versperrt werden. Nach dem Ende des Römischen Reiches im 11. Jahrhundert verlor die Porta Nigra ihre Bedeutung.

Der Wandermönch Simeon zog 1028 im Ostturm ein

Der verwüstete Eingang diente als Behausung für den als Eremit lebenden Wandermönch Simeon. Er war nach einer Pilgerreise ins Heilige Land 1028 im Ostturm eingezogen. Nach seinem Tod und seiner Heiligsprechung wurde das Tor zur Doppelkirche umgebaut: eine Unterkirche „für das einfache Volk“ und eine Oberkirche für die Angehörigen des gegründeten Simeonstifts.

Die „Kirchen“ existierten 800 Jahre

Die Tore im Erdgeschoss wurden dabei zugeschüttet, im Innenhof Böden eingezogen, eine Freitreppe ins erste Obergeschoss gebaut und ein Stock des Ostturms abgerissen. Die „Kirchen“ existierten 800 Jahre lang bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Napoleon verfügte dann den Rückbau. Die folgenden Jahrhunderte waren geprägt von Umbau- und Instandhaltungsmaßnahmen. Auch heute finden wieder Projekte zur Sanierung und Erhaltung der Porta Nigra statt.

Zur Datierung des Tores durch ein gut konserviertes Stück Eichenholz

Eine gezielte Suche von Wissenschaftler:innen führte dann 2018 zur genauen Datierung des Tors. Grabungshelfer fanden ein gut konserviertes Stück Eichenholz. Sechs Meter tief lag es im aufgeweichten Boden zwischen Steinquadern nahe der Porta Nigra lag. Anhand der Jahresringe konnten es Expertinnen genau auf den Winter 169/170 n. Christus datieren. Es war das Datum, nachdem man schon lange gesucht hatte.

Grabung mit Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung

Um Klarheit zu bekommen, grub man an einer Stelle. Und zwar dort, wo zu antiken Zeiten der Mosel-Altarm verlief und wo sich im Grundwasser Bauhölzer hätten erhalten könnten. 25.000 Euro kostete die Grabung, 15.000 Euro kamen von der Gerda-Henkel-Stiftung. Studierende stiegen in den mit Spundwänden gesicherten runden Schacht und hatten erstmal nur ganz wenige römische Scherben gefunden. Dann erkannte man, dass die Römer eine Spundwand aus Holz eingezogen haben, um das Abrutschen des Erdreichs während des Bauens zu verhindern. Zwei große Bretter und ein runder Pfahl hatten sich erhalten.

Dendrochronologin Mechthild Neyses-Eiden übernahm die Datierung

Am Rheinischen Landesmuseum Trier übernahm die Dendrochronologin Mechthild Neyses-Eiden mit ihrem Team die Datierung. Die Expertin leitet dort das Forschungslabor zur naturwissenschaftlichen Holzdatierung: „Die Hölzer sahen erst toll aus, waren aber superschlecht erhalten”, erklärt Neyses-Eiden. „Daher haben wir sie eingefroren.“ Bei einem Querschnitt erhielten sie dann nur ein „Um-Datum“. Später fanden die Archäologen an einer kleinen Stelle der Spundwandbohle ein Stück Rinde und damit die kompletten Jahresringe. „Das hat ein jahrgenaues Datum gebracht, sonst hätte man nur eine Schätzung gehabt”, so Neyses-Eiden. „Das ist schon ein Glücksfall.“

Die Porta Nigra war ein Prestigeobjekt

Wie man vom Fälldatum auf das Baudatum schließen konnte, erklärt die Wissenschaftlerin. Denn Holz wurde damals sofort nach der Fällung verarbeitet. Man geht also davon aus, dass der Bau der Porta Nigra ein bis zwei Jahre dauerte. Die komplette Stadtmauer habe vermutlich ein paar Jahre länger gedauert. Der Teil der Mauer, an dem das Holz geborgen wurde, und die Porta Nigra bauten die Römer wohl in einem Abschnitt. Besonders an dem Entstehungsdatum ist, dass es damals überhaupt keine Bedrohung für die Stadt gab, solch eine Mauer mit vier Stadttoren zu bauen. Es war ein reines Prestigeobjekt gewesen.

Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste 1986

Man wusste zwar, dass Trier 17 v. Christus gegründet wurde. Aber wie hatte sich die Stadt in den ersten 300 Jahren entwickelt?. Nach der Datierung bewerteten die Wissenschaftler:innen vieles neu an einem Ort, dessen Dichte und bauliche Qualität der erhaltenen Denkmäler ohnehin außergewöhnlich ist. Die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion des Römischen Reiches ist eng mit Trier, das Bischofssitz wurde, verbunden. Die römischen Denkmale und die aus ihren Ruinen erwachsenen christlichen Nachfolgebauten wurden deshalb 1986 gemeinsam in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Trier war in der Spätantike einer größten Städte des römischen Reiches

Aber warum waren die Römer so auf das Prestige der Stadt bedacht? Weil sie im zweiten Jahrhundert nach Christus zum Handelszentrum aufstieg und in der Spätantike zu einer der größten Städte des Römischen Reiches, spiegelte sich der Reichtum des Imperiums in den Bauwerken des 1. und 2. Jahrhunderts wider: Hochaufragende Thermenmauern, eine bis heute benutzte Brücke, das in die antike Stadtmauer integrierte prachtvolle Amphitheater, die als Kirche genutzte Palastaula aus konstantinischer Zeit sowie Fragmente von Wohnhäusern und Villen, von Skulpturen und Mosaiken.

Kombination aus Befestigungsanlage und Palastarchitektur

Dazu kommt ein Kirchenkomplex, unter dem man nach dem Zweiten Weltkrieg ein mit Fresken ausgestattetes Haus entdeckte. Einige Forschern deuteten es als Palast von Konstantins Mutter Helena gedeutet. Und natürlich die Porta Nigra, die durch die Kombination aus einer Befestigungsanlage und den Merkmalen der Palastarchitektur eine besondere Errungenschaft der römischen Architektur des 2. Jahrhunderts darstellt, was zu den Aufnahmevoraussetzungen der UNESCO gehörte.

Erste Erhaltungsmaßnahmen im 19. Jahrhundert

Insgesamt punktet Trier bei den Kriterien mit einem Meisterwerk menschlicher Schöpferkraft, einer vergangenen Kultur, die sichtbar wird, einem Architekturensemble und Ort vergangener Macht sowie einer Stadt, die weltverändernde Geschichte geschrieben hat. Erste Maßnahmen für die Bewahrung dieses Menschheitserbes begannen bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Sie sind im engen Zusammenhang mit der Entwicklung des Denkmalschutzes in Preußen zu verorten und nicht zuletzt mit dem in den Startlöchern stehenden Tourismus.

Rom des Nordens

Seiner antiken Monumente wegen wurde Trier deshalb gerne schon früh als Rom des Nordens bezeichnet. Mit neun Baudenkmälern auf der Unesco-Weltkulturerbeliste belegt die Mosel-Stadt immerhin in Deutschland die Spitzenposition. Es hätten noch mehr sein können, wären die anderen Türme der Stadtmauer im Laufe der Geschichte nicht als Steinbrüche genutzt worden und irgendwann verschwunden.

Lesetipp zur Porta Nigra: Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten finden seit 2016 erstmalig wieder Führungen zu den Barbarathermen und der Igeler Säule in Trier statt. Zum Welterbe-Tag veranstaltete die Stadt Trier 2016 einen UNESCO-Parcours durch die Innenstadt, beginnend an der Porta Nigra.

2012/13 wurde die Porta Nigra in Trier vom Deutschen Archäologischen Dienst (DAI, Architekturreferat an der Zentrale des DAI, Ulrike Wulf-Rheidt für eine ab dem Jahr 2015 geplante Sanierung neuvermessen. Diese erstmalige umfassende Baudokumentation dient als Grundlage für eine erneute wissenschaftliche Auswertung der Befunde, die bauhistorische, archäologische und kunsthistorische Aspekte umfasst. Die Forschungsergebnisse finden Sie hier zum Download. 

Ein Rundgang durch die Porta Nigra in Trier sehen Sie hier im Video: