Revolution im Kunsttransport

Piet Mondrians berühmtes Kunstwerk „Evolution“ (1911), Teil der Kunstsammlung des Kunstmuseums in Den Haag, ist so empfindlich, dass es jahrelang nicht ausgeliehen werden konnte. Dennoch wurde das berühmte Triptychon ins Pariser Musée d’Orsay transportiert, wo es in der Schau „Origins of the World“ (2020/2021) zu sehen war. Für den Kunsttransport hat Hizkia Van Kralingen mit seinem niederländischen Unternehmen Turtle eine neue Verpackungsmethode angewendet, die auf die Dämpfung von Schwingungen und Stößen ausgerichtet ist. Mit im wissenschaftlichen Team war Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kracht, Expertin für Schwingungstechnik und Ingenieurin für Strukturmechanik aus Berlin

1911 stieß Piet Mondrians Triptychon „Evolution“ auf Unverständnis. Das Publikum hielt das Frühwerk des später für seine Abstraktionen berühmten Niederländers für „kalt und leer“. Im Zentrum stehen drei unbekleidete Frauen. Sie repräsentieren die „drei Stufen der Erkenntnis“, die Mondrian seinem Studium der Theosophie entlehnt hatte. Vorgeschwebt war ihm eine biologische Evolution, die durch eine rein geistige Entwicklung ersetzt werden sollte. Heute ist das überaus empfindliche Gemälde Teil der Kunstsammlung des Kunstmuseums in Den Haag. Die Mitteltafel misst 183 x 87,5 cm, die Flügel 178 x 85 cm – damit ist „Evolution“ das größte Werk in Mondrians Oeuvre.

Wie lässt sich Mondrians „Evolution“ transportieren?

Es zu verleihen, hat das Museum immer wieder vor unlösbare Herausforderungen gestellt. Der Wunsch von Kuratoren, herausragende Stücke einem Publikum zugänglich zu machen, wird von Restauratoren begleitet. Ihre Aufgabe besteht darin, die Machbarkeit eines Transports zu überprüfen. Jahrelang fiel das Urteil im Fall von „Evolution“ negativ aus. 2021 war es schließlich doch möglich, die Tafeln ins Pariser Musée d’Orsay zu transportieren, wo sie bis zum Frühjahr in der Ausstellung „Origins of the World“ gezeigt wurden. Realisiert werden konnte der Transport durch die innovative Verpackung des Kunstwerks, die auf das Konto des Kunsttransportunternehmens Hizkia Van Kralingen und Turtle ging. Sie wurde speziell für diesen besonderen Transport entwickelt. Das Unternehmen hat sich auf nachhaltige und sichere Transportkisten für Kunstwerke spezialisiert.

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Im Team: Expertin für Schwingungstechnik und Ingenieurin für Strukturmechanik Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kracht

Das Kunstmuseum zog noch eine Wissenschaftlerin von der TU Berlin hinzu. Prof. Dr.-Ing. Kerstin Kracht, Expertin für Schwingungstechnik und Ingenieurin für Strukturmechanik, hat das Dauerbruchverhalten von Ölgemälden auf textilen Bildträgern, deren Malschicht Zinkseifen beinhalten, untersucht, angespornt von Fragen wie: Welcher Schwingschutz ist der Beste für ein Gemälde? Was bedeuten Vernähungen und Verklebungen von Rissen eigentlich für die mechanische Stabilität eines Bildes? 2009 hatte Kracht zusammen mit einem Berliner Unternehmen den Basissockel für die weltbekannte Büste der Nofretete im Neuen Museum Berlin schwingungsisoliert und 2019 ein schwingungsisoliertes Podest für die Goldene Tafel von Lüneburg, einen 700 Kilogramm schweren Altar, entwickelt (siehe RESTAURO 6/2020).

Ein neues Verfahren, mit dem die Schwachstellen eines Gemäldes durch verschiedene Scans aufgedeckt werden können

„Bei ,Evolution‘ zeigen sich sogenannte Delaminierungen. Das sind Abhebungen im Malschichtaufbau. In der Farbschicht wurden Zinkseifen nachgewiesen, die die Ursache für die Malschichtabhebungen sein könnten“, erklärt sie. „Delaminierungen reagieren auf dynamische Kräfte wie Schwingungen und Stöße äußerst sensitiv.“ Deshalb entwickelte Kracht ein Verfahren, mit dem die Schwachstellen eines Gemäldes durch verschiedene Scans aufgedeckt werden können. Anhand dieser Scans ließ sich herausfinden, welche Maßnahmen zur Verringerung schädlicher Schwingungen und Stoßeinwirkungen ergriffen werden mussten, damit das Gemälde beim Transport nicht beschädigt wurde.

Die Erfindung: „T+Eckblöcke“ fixieren das Kunstwerk in der Kiste für den Kunsttransport

Die „T+Eckblöcke“, die das Kunstwerk in der Kiste fixierten, sind eine noch nie dagewesene Erfindung, die ausgerichtet ist auf die Dämpfung von Schwingungen und Stößen. Zum Erfolg dieser Lösung hat vor allem der Einsatz von Wire Rope Isolators beigetragen. Sie haben die Eigenschaft, die Schwingungsenergie und damit die Auswirkungen auf das Gemälde während des Transports zu reduzieren. Außerdem sind sie unempfindlich gegen Alterung und bieten auch nach 30 Jahren, im Gegensatz zum herkömmlichen Schaumstoff, noch einen stabilen Schutz gegen Stöße und Schwingungen. Die klimatisierte Verpackung der Kunstwerke ist zudem besonders robust und ausgestattet mit vakuumisolierten Paneelen, die für ein optimales Klima im Inneren der Kiste sorgen. Testergebnisse weisen nach, dass gerade diese Kombination aus harter Außenschale mit der Wirkung der Wire Rope Isolators eine optimale Schwingungsdämpfung ermöglicht.