07.04.2019

Beruf Porträts

Die Kunst-Detektivin

von Inge Pett
die Labore in New York und London unterhält
die Labore in New York und London unterhält

Dr. Jilleen Nadolny arbeitet als Principal Investigator für die Firma Art Analysis & Research (AA&R), die Labore in New York und London unterhält. Mit neusten Technologien und einer umfassenden material- und kunstgeschichtlichen Expertise entlockt das Team von AA&R den Kunstwerken manches Geheimnis. Ein Interview

RESTAURO: Welche Fälle haben Sie in letzter Zeit bearbeitet?

Dr. Jilleen Nadolny: In letzter Zeit haben wir dazu beigetragen die Authentizität neuentdeckter Gemälde von Dali, Kandinsky, Caravaggio, Tizian, Max Ernst, Rubens, Modigliani, Warhol und Rembrandt zu prüfen. Es ist immer befriedigend, der Kunstgeschichte ein wichtiges Werk hinzuzufügen.

RESTAURO: Wer sind Ihre Kunden?

Dr. Jilleen Nadolny: Wir arbeiten für Sammler, Galerien, Händler, Berater, Museen, Restauratoren, Stiftungen, Auktionshäuser, Kunstversicherungen … für jeden, der hofft, Informationen zu erhalten, ein Risiko zu begrenzen, oder der nach tieferem Verständnis sucht. Wir hoffen, dazu beizutragen, das Verfahren der Due Diligence, also der methodischen Prüfung, im Kunstmarkt zu etablieren.

RESTAURO: Das Team von AA&R umfasst Restauratoren, einen forensischen Chemiker, Materialanalytiker und Kunsthistoriker. Wie funktioniert die interdisziplinäre Arbeit?

Dr. Jilleen Nadolny: Wenn wir uns einer neuen Herausforderung stellen, ist es wichtig, das Potential dessen zu verstehen, was machbar ist, und auf die Fachkompetenz unserer Kollegen zu vertrauen. Du lernst das, was du beherrschen musst, um deine Arbeit gut zu machen und respektierst die eigenen Grenzen. Der unschätzbare Blick in die Tiefe, den historische Studien kombiniert mit wissenschaftlichen Methoden ermöglichen, macht unsere Arbeit so wertvoll.

 

RESTAURO: Ihr Kollege, Dr. Nicholas Eastaugh, vergleicht die Archiv-Recherche von AA&R mit sozialen Netzwerken wie Facebook… 

Dr. Jilleen Nadolny: Um die Geschichte der Materialien zu studieren, muss man die Einflüsse des Künstlers kennen. Künstler tauschten Techniken und Rezepturen untereinander; Methoden und Materialien konnten sich in Workshops verbreiten. Obwohl es damals noch kein Facebook gab, kann man durch archivierte Briefe und Verträge solche Kontakte zurückverfolgen und erfährt, wer mit wem in Kontakt stand.

RESTAURO: Welche Entdeckung hat Sie am meisten begeistert?

Dr. Jilleen Nadolny: So haben wir geholfen, ein Porträt von Nina Kandinsky als Werk Wassily Kandinskys zu authentifizieren (ausführlicher Beitrag dazu in: RESTAURO 3/2019, www.restauro.de/shop). Er hatte eine Zeichnung eines spazierenden Paares übermalt. Sie stammt aus dem Jahr, in dem er seine zweite Frau kennenlernte. Den wichtigsten Beweis, dass es sich um ein Werk Kandinskys handelte, brachte die Untersuchung mittels Infrarot-, Röntgen- sowie Durchlichtverfahren. Somit war es uns möglich, die Hafenszene mit dem verliebten Paar, das vermutlich ihn und Nina im Jahr des Kennenlernens zeigt, unter dem Portrait weitgehend zu rekonstruieren. Und die stimmte mit einer Zeichnung in einem Skizzenbuch des Künstlers überein.

RESTAURO:Gibt es ein berühmtes Gemälde, dass Sie gerne untersuchen würden?

Dr. Jilleen Nadolny: Es gibt so viele! Da ich schon so viele Fälschungen erlebt habe, würde ich gerne mal ein echtes van Gogh-Gemälde bestätigen. Bislang hält noch meine Kollegin Nica Gutman Rieppi den „Bürorekord“ in Bezug auf das berühmteste und wertvollste Kunstwerk: Sie arbeitete mit an der Authentisierung von Leonardo di Vincis „Salvator Mundi“.

Das Interview führte Dr. Inge Pett.

Echtheit, Alter, Herkunft: Dass sich mit naturwissenschaftlichen Methoden vieles aus Kunstwerken herauslesen lässt, lesen Sie in der kommenden RESTAURO 3/2019 (Erscheinungstermin Mitte April 2019), www.restauro.de/shop.

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