Porträt: Der Vergolder Benjamin Franck

Durch Offenheit und Neugier hat es Vergolder Benjamin Franck geschafft, eine florierende Firma aufzubauen. Diese ist auf die Restaurierung von vergoldeten Oberflächen, Stuckaturen, historischen Rahmen sowie Skulpturen und Gemälden spezialisiert und arbeitet eng mit akademisch ausgebildeten Kolleg:innen zusammen

Benjamin Franck und seine fünf Mitarbeiterinnen haben allen Grund zum Strahlen: Gerade haben sie im prestigeträchtigen Palais Lanz in der Mannheimer Oststadt die Restaurierung der historistischen Decke im Renaissance-Zimmer abgeschlossen – ein Mammutprojekt. Mit seinem Betrieb ist Franck ein beeindruckendes Beispiel der Restaurierungsbranche: Er hat es durch Offenheit und Neugier geschafft, auf Grundlage eines so hochspezialisierten, nicht immer profitablen Handwerks wie des seinen eine florierende Firma aufzubauen. Mit diesem zeigt er auch, wie es mit viel Umsicht gelingt, die Kluft zwischen handwerklich und akade- misch ausgebildeten Restaurator:innen zu überbrücken und das Beste aus den zwei Welten zu verbinden. So ist seit knapp zwei Jahren fest im Team Stefanie Göltz, M.A., zuständig für Gemälde und Skulpturen. Zum größeren Netzwerk gehört außerdem Diplom-Restauratorin Melanie Siri Wiegand (Brühl bei Heidelberg).

Festes Standbein der Denkmalpflege

Begonnen hat der heute 44-jährige Pfälzer als Auszubildender in der renommierten Ver- golderei Lauth in Ludwigshafen. Parallel zur Lehre nahmen ihn zwei Persönlichkeiten un- ter ihre Fittiche, die seinen Horizont von Anfang an auch in andere Richtungen erweiter- ten: der in seinem Heimatort lebende, mittlerweile bereits verstorbene Kalligraph Helmut Hirmer und der in Speyer ansässige Marcel Chaudot. Letzterer war es auch, der den begeisterungsfähigen Franck in Projekte einband, in denen uralte Handwerkskünste wie Stuckierung oder Vergolderei auch für nicht-historische Aufträge eingesetzt werden – zum Beispiel bei der Gestaltung des Wintergartens des Kreuzfahrtschiffs MS Deutschland. „Ich hatte das große Glück, dass an verschiedenen Stellen bemerkt wurde: Da ist jemand talentiert und motiviert. Dadurch habe ich rasch bemerkt, dass das Fachgebiet Restaurierung mich besonders anspricht – und wie vielseitig die Arbeitsmöglichkeiten als Bilderrahmenexperte oder Vergolder sein können“, erinnert sich Benjamin Franck. „Gerade diese beiden Mentoren haben viel dazu beigetragen, dass ich heute ein festes Standbein in der Denkmalpflege habe.“

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Das Netzwerk von Benjamin Franck

Da Vergolder seit 2004 von der Meisterbriefpflicht entbunden sind, konnte sich Franck schon 2005 selbständig machen. Kunden fand, dank der hohen handwerklichen Qualität, die er bot, rasch. Dennoch schrieb sich der Vergolder in der Meisterschule ein – allerdings nicht bei der für Süddeutschland zuständigen Münchner Innung, wo die Ausbildung nur in Vollzeit angeboten wird, sondern in Hamburg, wo es die Option gab, sich das nötige Wissen auch im Selbststudium anzueignen und gleichzeitig den schon vorhandenen Kundenstamm zu erhalten. Benjamin Franck bestand seine Prüfung mit Bravour. Sein Bemühen allerdings, sich danach im Rahmen von Kursen der regionalen Handwerkskammer weiteres restauratorisches Detailwissen anzueignen, endete in Ernüchterung: Die Themen waren für einen in diesem Fachbereich bereits hochspezialisierten Handwerksmeister wie Franck viel zu breit und allgemein angelegt, als dass er hätte von den Lehrveranstaltungen profitieren können. Es gelang ihm jedoch, die häufig bestehende Kluft zwischen akademischen Restauratorinnen und solchen aus dem Handwerk zu verbinden. Die erste Gelegenheit dazu bot sich ihm bereits im Zuge des sonst enttäuschenden Kurses, als er Katinka Wessels, eine handwerklich ausgebildete Vergolderin mit Atelier im Rhein-Sieg-Kreis und die von Koblenz aus agierende Diplom-Restauratorin Katrin Etringer kennenlernte. Beide gehören bis heute zu Benjamin Francks engstem beruflichen Netzwerk.

„Jeder weiß genau, was er kann“

Etringer war es auch, die ihn darin bestätigte, sein Augenmerk noch stärker auf den Restaurierungsbereich zu lenken – und sich der Bedeutung, die eine handwerkliche Expertise wie die seine in diesem Metier hat, stets bewusst zu sein. „Alles, was heute restauriert wird – sei es im Holz- oder im Stein-Wand-Bereich, seien es Skulpturen oder Vergoldungen – all das wurde ja einmal von Handwerksmeister:innen ausgeführt. Wer den Fokus allein auf akademische Restaurator:innen legt, vergisst, dass es ohne das Handwerk wohl kaum etwas zu restaurieren gäbe.“ Die Philosophie, mit der Benjamin Franck seinen Betrieb führt, vereint beide Positionen: „Wir haben einen sehr großen Arbeitskreis aufgebaut, mit vielen Freischaffenden: Gemälde- und Skulpturrestauratoren aus dem Rhein-Neckar-Raum, Kirchenmaler aus Bayern, Stein-Wand-Restauratoren aus Baden-Württemberg. Wir ergänzen uns perfekt, fragen uns gegenseitig um Rat. Jeder weiß genau, was er kann, und wann er einen Spezialisten hinzuziehen sollte – das wissen auch die Kunden sehr zu schätzen.“

Restaurierung und Rekonstruktion von Stuckaturen und Wandvertäfelungen und mehr

Auch Benjamin Franck bescherte diese Strategie ein breites Spektrum spannender Aufträge, von der Rahmenrestaurierung der Gemälde der Kunsthalle Mannheim bis zur Restaurierung und Rekonstruktion von Stuckaturen, Wandvertäfelungen oder Decken- und Imitationsmalereien in Villen an der Deutschen Weinstraße. „Das ist es, was uns hilft, zu bestehen“, weiß Franck. „Mit Vergoldungsarbeiten allein könnten Sie heute keinen Betrieb mehr leiten.“ Auch nicht-restau-ratorische Aufträge nimmt seine Firma immer wieder an, beispielsweise Versilberungen für einen Airbus 330 aus Dubai. Die Auftragsbücher sind voll. Benjamin Franck und sein Team sind schon voller Vorfreude auf die nächsten Projekte.

Wie ein Trampolin können Vitrinen-, Sockel- und Regalböden für das darin oder darauf ausgestellte Exponat wirken. Der Grund sind Schwingungsbelastungen, die sich auf den Erhalt des Ausstellungsobjekts auswirken. Ein allzeit so aktuelles wie dringliches Thema, das das Symposium „Alles schwingt – Mechanische Schwingungen wirken auf Kunstwerke“ behandelt wurde.