Der beste Schutz für ein Gebäude ist gute Nutzung

Der Baukulturbericht „Erbe – Bestand – Zukunft“ (2018/19) spricht sich klar für den Erhalt des Bestands aus

Der Baukulturbericht 2018/19 wurde mithilfe vieler Experten und sachbezogener Erfahrungen systematisch erarbeitet. Foto: © Bundesstiftung Baukultur
Der Baukulturbericht 2018/19 wurde mithilfe vieler Experten und sachbezogener Erfahrungen systematisch erarbeitet. Foto: © Bundesstiftung Baukultur

Einer, der sich mit Nachdruck für den Bestand einsetzt, ist Reiner Nagel. Der 
Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung Baukultur muss einräumen, dass 
die Entwickler nicht ganz unrecht haben: „Es stimmt leider: Neubau ist meistens billiger. Die Rendite wartet dort, wo Beton günstiger ist als Boden. Bei den derzeitigen Grundstückswerten hat Beton erheblich an Wert verloren.“ Für Nagel sind Bauwerke dennoch ganz klar langfristige Investitionen, und der beste Schutz für ein Gebäude sei eine gute Nutzung. Der Baukulturbericht „Erbe – Bestand – Zukunft“ (2018/19) spricht sich klar für den Erhalt des Bestands aus. Dort heißt es: „Bei der Weiterentwicklung gebauter Strukturen sind bestehende Qualitäten zu erkennen, wertzuschätzen und zu pflegen. Umbaukultur 
geht über die rein ökonomische Bewertung hinaus und beinhaltet gesamtgesellschaftliche und ökologische Interessen.“ Nagel sieht die Vorteile der Bestandsentwicklung vor allem abseits rein ökonomischer Interessen. Die Akzeptanz in der 
Bevölkerung und die Einsparung grauer Energie müssten ebenfalls berücksichtigt werden. „Die Identifikation von Menschen mit Gebäuden hat viel mit ihrem Heimat­gefühl und somit mit ihrer Identität zu tun“, erzählt Nagel mit Blick auf eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach zum Thema „Heimat“ (2018). Dort sehen beinahe die Hälfte der Befragten ihre Heimat bedroht, weil sich durch Neubauten das Bild der Städte verändert. Bestandsimmobilien können einen wertvollen Beitrag gegen die Wohnungsnot leisten. Die Aktivierungspotenziale sind enorm. Insgesamt 70 Prozent der Brachflächen und Baulücken sind laut Baukulturbericht kurz- oder langfristig aktivierbar. Das entspricht einer Fläche von etwa 1.650 Quadratkilometern, der doppelten Größe Berlins.

Lesen Sie mehr zum Thema Denkmalpflege in der RESTAURO 4/2020.

Die Basis des Berichts erarbeitete das Deutsche Institut für Urbanistik. Drei Fachstudien ergänzen diese: „Denkmalpflege im föderalen Deutschland“ vom Büro synergon, „Baustoffe und Stoffkreisläufe“ vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie sowie „Bauen im Bestand, Redevelopment und Denkmalschutz“ von Kapellmann Rechtsanwälte. Auf dieser Grundlage fanden eine Reihe von Fachgesprächen, Baukultursalons und die zentralen Baukulturwerkstätten statt. Hier waren jeweils die Reflexion der aufgeworfenen Fragen und ein Erfahrungsaustausch Thema. In Mainz ging es um „Historische Schichten der Stadt“, in Bochum um „Umbaukultur“, in Frankfurt am Main gemeinsam mit der Deutschen Bahn AG um „Infrastruktur.Innovation.Baukultur“ und in Karlsruhe um „Stadt und Fahrradmobilität“. Dem Mitwirkungsformat der Bundesstiftung sind viele im Rahmen der Werkstätten aktiv gefolgt, darunter Planer verschiedener Fachdisziplinen, Vertreter von Kommunen und Verbänden sowie der interessierten Öffentlichkeit. Abschließend fand ein zentrales Gespräch mit baukulturrelevanten Verbänden und Interessenvertretern statt. Die wissensbezogenen Grundlagen wurden durch drei Umfragen der Bundesstiftung erweitert: eine Bevölkerungsbefragung, eine Befragung von Städten und Gemeinden sowie eine Befragung der deutschen Industrie- und Handelskammern, stellvertretend für ihre Mitglieder.

Der Baukulturbericht 2018/19 steht  als kostenfreier Download zur Verfügung.