„Alles schwingt!“

Wie ein Trampolin können Vitrinen-, Sockel- und Regalböden für die Exponate wirken. Der Grund sind Schwingungsbelastungen, die sich auf den Erhalt des Ausstellungsobjekts auswirken. Ein Thema, das das Symposium „Alles schwingt – Mechanische Schwingungen wirken auf Kunstwerke“ behandelte. Die Tagung fand Ende Juni 2018 in der Kunsthalle Mannheim statt

Zwei Tage lang haben sich 120 Restauratoren, Museumsausstatter, Kunstspediteure, Kunstinteressierte und Schwingungsexperten aus Deutschland, der Schweiz, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Irland sowie den USA über die Belastungen von Kunst- und Kulturgütern durch Vibrationen und Stöße, der Vermeidung und den Schutz ausgetauscht und diskutiert. Über „good vibrations“ – Methoden der Schwingungstechnik zur Auffindung von Fehlstellen in Fresken und zur Analyse des Schwingungsverhaltens von Ölgemälden – konnten sich die Teilnehmer ebenfalls informieren. Hintergrund des Schwingungssymposiums war die Restaurierung des Gemäldes „Fastnacht“ von Max Beckmann an der Kunsthalle Mannheim. Die Arbeiten wurden mit Messungen des Schwingungsverhaltens, die die positiven Effekte der Restaurierung belegen, begleitet.

Schwingungsoptimierung von Depotregalen und Gemäldezuganlagen

Im Rahmen der Fachvorträge präsentierte unter anderem die Firma Bruynzeel aus Panningen (Niederlande) ihre aktuellen Entwicklungen zur Schwingungsoptimierung von Depotregalen und Gemäldezuganlagen. Dafür werden Schwingungsmessungen an den bestehenden Systemen durchgeführt. Die Messdaten werden verwendet, um den Stand der Technik zu dokumentieren und Rechenmodelle auf der Basis der Finiten-Elemente-Methode der Realität anzupassen. An den Rechenmodellen werden Designstudien durchgeführt, die dann zu Prototypen und schließlich zu platzsparenden Aufbewahrungslösungen im Depot umgesetzt werden.

Modellierung einer Gemäldezuganlage mithilfe der Finiten-Elemente-Methode. Animation: Dr. Kracht Vibrationsmanagement

In der Animation (die Untersuchungen führte Kerstin Kracht durch) ist das Verschieben einer Gemäldeauszugswand dargestellt. Diese Animation ist mithilfe der Berechnungsmethode der Finiten Elemente entstanden. Diese Berechnung ermöglicht es, virtuelle Sensoren auf dem Modell zu applizieren und bei dem Verfahrensvorgang die entstehenden Schwingungen zu „messen“. Diese Modellbildung ist sinnvoll, da Designveränderungen an der Anlage virtuell durchgeführt und deren Auswirkungen berechnet werden können. Dies ermöglicht die zielgerichtete Entwicklung schwingungsreduzierter Gemäldeauszugsanlagen.

Warum aber sind die aufwendigen Schwingungsoptimierungen im Bereich des Museumsdepots notwendig? Schließlich finden im Depot regulär keine Dauerbelastungen statt. Dies ist eine weitläufige Meinung, die allerdings einen Haken hat. Gemälde sind nämlich nicht dauerschwingfest. Während der Dauerschwingversuche von Ölgemälden auf Leinwand, die im Jahr 2010 an der TU Berlin stattgefunden haben, sind die größten sichtbaren Schädigungen in den ersten 3 Minuten der Untersuchungen aufgetreten.

Den vollständigen Tagungsbericht, ebenso wie die detaillierte Restaurierungsgeschichte des Gemäldes „Fastnacht“ von Max Beckmann an der Kunsthalle Mannheim, lesen Sie in der aktuellen RESTAURO, Heft 7/2018.