10.07.2017

Museum

Wien feiert Maria Theresia

von Ute Strimmer
Werkstatt

Was die Reformation in diesem Jahr für die Deutschen, ist in Österreich der 300. Geburtstag der Herrscherin Maria Theresia. Diverse Ausstellungen in Wien feiern aktuell die mächtigste Frau Habsburgs. RESTAURO besuchte die Österreichische Galerie Belvedere in Wien während der Vorbereitungen für ihre Jubiläumsschau und traf die Restauratorinnen Stefanie Jahn und Bettina Urban sowie Kurator Dr. Georg Lechner.

Martin van Meytens d. J. (1695–1770), Werkstatt, Maria Theresia als Königin von Ungarn, nach 1759, Öl auf Leinwand, H. 225 x B. 99 cm, Österreichische Galerie Belvedere, Wien. Foto: ©Belvedere, Wien (Dauerleihgabe des Bundesministeriums für Bildung)
Ansetzung der Leinwand oben und unten. Foto: © Belvedere, Wien
Blick auf die Rückseite des Gemäldes. Foto: © Belvedere, Wien
Untersuchungen mit Infrarot-Reflektografie machten Unterzeichnungen in der Malschicht sichtbar. Foto: © Belvedere, Wien
Entdeckung der Aufschrift: Ihre Hohheit Kaiserin Maria Theresia. Foto: © Belvedere, Wien
Zustand des Gesichts Maria Theresias vor der Restaurierung. Foto: © Belvedere, Wien
Zustand des Gesichts Maria Theresias nach der Restaurierung. Foto: © Belvedere, Wien
Zustand vor der Restaurierung: Stark verschmutzte Details der Kleidung. Foto: © Belvedere, Wien
Zustand vor der Restaurierung: Stark verschmutzte Details der Kleidung. Foto: © Belvedere, Wien
Stefanie Jahn im Gespräch mit Redakteurin Dr. Ute Strimmer. Foto: © Belvedere, Wien

Untersuchungen mit Infrarot-Reflektografie

„Die Auftrags- und Ankaufspolitik Maria Theresias (1717–1780) prägt bis heute einen Teil der Sammlungen des Belvedere“, erzählt Kurator Georg Lechner, der die große Jubiläumsausstellung „Maria Theresia und die Kunst“ konzipiert hat. „Während ihrer Regierungszeit gab es gerade auf dem Gebiet der Landschaftsmalerei Zuwächse im Sammlungsbestand. Maria Theresias Engagement für die Galerie war groß. Trotz der Existenz von Direktoren und Kustoden findet sich in den archivalischen Aufzeichnungen in Bezug auf Kunstankäufe auch das persönliche Placet der Monarchin. Die Werke, die zu ihren Lebzeiten entstanden und spätestens durch den von Christian von Mechel 1783 herausgegebenen Katalog in der Sammlung nachweisbar sind, zeigen, dass Maria Theresia nicht nur historische Arbeiten kaufte, sondern sich verstärkt der zeitgenössischen Kunst zuwandte. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Erwerb von Werken alter Meister bereits damals ein kostspieliges Vergnügen war.“ Vor allem die im Gebiet des heutigen Österreich lebenden Künstler förderte Maria Theresia. Bei Johann Christian Brand gab die Monarchin zum Beispiel die vierteilige Reiherbeize in Laxenburg sowie die Schlacht bei Hochkirch zur Ausstattung ihrer Schlösser in Auftrag. „Frauen traten damals selten als Auftraggeberinnen oder Sammlerinnen in Erscheinung“, weiß Belvedere-Kurator Georg Lechner.

Ein Highlight der Wiener Schau ist das große Gemälde der Monarchin aus der Werkstatt Martin van Meytens d. J. (1695–1770). Der bedeutende Maler des Spätbarocks – ein gebürtiger Schwede von holländischer Abstammung – zählte zu den bevorzugten Porträtisten des österreichischen Kaiserhauses unter Maria Theresia und entwickelte während diverser Studienaufenthalte in Frankreich, England und Italien seinen spezifischen, von verschiedenen europäischen Vorbildern beeinflussten Stil. Das nun in der Ausstellung gezeigte Ganzfigurenporträt wiederholt das berühmte Werk des Malers in der Wiener Akademie der Bildenden Künste. Dieses diente zur Ausstattung des Ratssaales der Akademie und war einst ebenfalls ganzfigurig. Erst nach 1790 wurde es als Kniestück beschnitten. Durch die Belvedere-Version ist es nun möglich, sich das trotz der Formatverkleinerung noch immer beeindruckende Hauptwerk von Meytens in seinem ursprünglichen Zustand vorzustellen.

„Bei der Restaurierung dieses Gemäldes haben wir spannende Einzelheiten entdecken können“, erzählt Stefanie Jahn, Leiterin der Restaurierungsabteilung. „So stellten wir zum Beispiel fest, daß die Leinwand verlängert wurde. Wahrscheinlich wollte man das Bild in der Vergangenheit in dem jetzigen Rahmen präsentieren. Aus diesem Grund wurde ein Stück Leinwand angesetzt, angenäht und verklebt. Anschließend wurden der obere und der untere Teil des Bilds nachträglich bemalt. Außerdem wollten wir in Erfahrung bringen, ob eine Schablone für die Übertragung vom Original auf unser Bild benutzt wurde, und untersuchten das Gemälde mit der Infrarot-Reflektografie. Dies war nicht der Fall, aber es fanden sich unter der Malerei Vorzeichnungen und ältere Untermalungen. Außerdem entdeckten wir die Aufschrift ,Ihre Hoheit Kaiserin Maria Theresia’. Der Schriftzug wurde wahrscheinlich bei der Vergrößerung des Bilds übermalt, denn durch die Anstückungen der Leinwand wäre die Aufschrift nun mitten im Gemälde platziert gewesen. Nach den Untersuchen reinigten wir das ziemlich verschmutzte Bild. Jetzt kommt die feine Malerei der präzise wiedergegebenen Gesichtszüge und die detaillierte Darstellung der aufwendig gearbeiteten Kleidungsstücke wieder sehr schön zum Vorschein.“

Mehr über die Restaurierungsarbeiten erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der RESTAURO, die morgen, am 11. Juli 2017, erscheint.

Eindrücke von unserem Besuch im Belvedere zeigt das folgende Video: Restaurierungsleiterin Stefanie Jahn erklärt ihre Arbeit am großen Maria-Theresia-Gemälde aus der Werkstatt Martin van Meytens d. J. (1695–1770) Redakteurin Dr. Ute Strimmer.

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