Schiele in der Albertina

Es ist schon eine Tradition – auch in diesem Jahr fand in der Wiener Albertina das Egon Schiele Research Symposium (9. Juni 2017) statt. Der darauffolgende Tag der Veranstaltung wurde in Neulengbach (Galerie am Lieglweg) abgehalten. Unser Autor, Diplomrestaurator Dr. Paul-Bernhard Eipper, seit 2015 im Vorstand der Wiener Egon Schiele Research Society, war mit einem Vortrag beim Symposium vertreten. Ein Nachbericht

Am 9./10. Juni 2017 veranstalteten die Herausgeber des Egon Schiele Jahrbuches, Ambrozy, Werth, Tretter und Escalera, in der Wiener Albertina und in der Galerie am Liegeweg (Neulengbach) bereits das sechste Egon Schiele Research Symposion. Bei dieser jährlich stattfindenden Veranstaltung handelt es sich um das Ursprüngliche, das bereits vom Leopold-Museum nachgeahmt wird. Den diesjährigen Rahmen bot die große Schiele Ausstellung in der Albertina, die von Februar bis Juni 160 seiner schönsten Gouachen und Zeichnungen zeigte und von über 240.000 Menschen besucht wurde. Aus dem reichhaltigen Vortragsprogramm, das Kunsthistoriker, Provenienzforscher und Restauratoren zusammenbrachte, seien folgende herausgegriffen: Thomas Ambrozy zeigte die intensive Beschäftigung Egon Schieles mit Franziskus von Assisi auf, welche er mit den Spiritualen-Blättern zusätzlich belegen konnte. Christof Metzger stellte das Egon Schiele Archiv an der Albertina vor, Eva Werth setzte sich mit Schieles Postkarten und der Postkartenkultur um 1900 auseinander, Robert Holzbauer stellte die neugegründete Wally Neuzil Gesellschaft vor.

Die Erforschung von Schieles Maltechnik stellt ein Desiderat dar

Für Restauratoren interessant: Paul-Bernhard Eipper referierte über aussageverändernde Maßnahmen an Gemälden, insbesondere jenen von Egon Schiele, die unter den vollzogenen Eingriffen besonders zu leiden hatten und in diesem Zustand bis heute rezipiert werden. Die Museumdidaktik geht hierauf bis heute nicht ein. Die Recherche zeigt, dass die Erforschung von Schieles Maltechnik unglücklicherweise noch immer ein gewaltiges Desiderat darstellt. Es existieren zudem keine vergleichenden Analysen zum Farbmaterial. Der derzeitige Kenntnisstand ist, gemessen an Bedeutung und Wert dieser Werke, marginal. Der Tag in Neulengbach führte auf den Buchberg, Schiefes Ferienwohnung, in der einige seiner bedeutendsten Werke entstanden, die dortige Pfarrkirche mit der von Schiele aufgegriffenen Sebastians-Darstellung und in seine Gefängniszelle. Nachmittags folgten weitere Vorträge zur Restitution, zu Egon Schiele und die Maniera Greca, zu seinen plastischen Selbstporträt-Köpfen und der unkontrollierten Nachguss-Problematik. Am 27. Oktober 2017 findet die Präsentation des Egon Schiele Jahrbuches Band (4 und 5) in der Albertina statt. Viele Vorträge der vergangenen Symposien sind darin versammelt.

 

Weiterführende Links:

www.egon-schiele-jahrbuch.at/inhalt_band1.html

www.egon-schiele-research.com

www.egon-schiele-jahrbuch.at/symposium_2017.html

www.wallyneuzil.at