Von der Liebe zu alten Büchern

Prof. Dr. Andrea Renate Pataki-Hundt, diplomierte Restauratorin, lehrt Restaurierung und Konservierung von Schriftgut, Grafik und Buchmalerei an der TH Köln. In der RESTAURO berichtet sie über ihre Arbeit mit den Studierenden, ihre Forschungsschwerpunkte und wie mit einem Praktikum in der Gemälderestaurierung alles begann.

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Prof. Dr. Andrea Renate Pataki-Hundt, Diplom-Restauratorin an der TH Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS). Foto: TH-Köln, Inst. für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaften (CICS) / Prof. Dr. Andrea Renate Pataki-Hundt

 

Ihr Herz schlägt für alte Bücher: Prof. Dr. Andrea Renate Pataki-Hundt (48) ist seit 2017 Professorin für Restaurierung und Konservierung von Schriftgut, Grafik und Buchmalerei an der TH Köln. Aber auch sie hat einmal klein angefangen. „Zunächst habe ich ein Praktikum im Bereich der Gemälderestauration am Rosgartenmuseum in Konstanz gemacht, dann in Basel und anschließend in Wien im Oberen Belvedere“, erzählt Andrea Pataki-Hundt. Das ermöglichte ihr in alle Bereiche hineinzublicken. Am meisten lag ihr der Papierbereich: Um vor dem Studium das Handwerk kennenzulernen, machte sie in Radolfzell eine Buchbinderlehre. Danach begann sie ihr Studium der Konservierung und Restaurierung von Grafik, Archiv- und Bibliotheksgut an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Maßgeschneiderte Arbeitspäckchen für die Studierenden

Während und nach dem Studium war Pataki-Hundt viel im Ausland unterwegs. „In den USA gibt es Highlights an Buchwerken. Sie haben dort ein sehr hohes Gefühl für Bestandshaltung.“ Auch in Israel hat sie Kunstgegenstände restauriert. „In Tiflis in Georgien gibt es nicht so viele Hightechgeräte, aber sie lieben und schätzen ihre Kulturgüter, die teilweise ein sehr hohes Alter haben.“ Viele der Kontakte ins Ausland kann die Professorin heute für ihre Studenten nutzen, die dann dort Praktika machen. Das Zusammenspiel von Theorie und Praxis, das Andrea Pataki-Hundt in ihrem eigenen Werdegang verwirklichte, setzt sie auch in der Lehre um: „Wir haben teilweise sehr lange Vorlesungszeiten von dreistündigen Blöcken, da kann man das gut verbinden: Nach einer theoretischen Einführung gehen wir sofort in die Werkstatt und setzen das vorher Erlernte um. Die Studierenden bekommen maßgeschneiderte Arbeitspäckchen. In unserem Fach geht das sehr gut, weil man alles, was man theoretisch darlegt, anwenden kann, ob Trockenreinigung oder Bleichen, Lederverfall oder Lederpflege.“ Das macht die Thematik greifbarer.

Themenschwerpunkt Klebstoff

Ein Schwerpunkt der Arbeit von Andrea Pataki-Hundt sind Klebstoffe: „Mich interessiert, wie Klebstoffe eingesetzt werden können. Sie sind allgegenwärtig, die Kenntnisse darüber müssen aber noch mehr beleuchtet werden.“ Ein weiteres Forschungsgebiet betrifft die künstliche Alterung. Um historisches Material, wie etwa einen alten Lederband, sachgerecht zu restaurieren, entwickelt Andrea Pataki-Hundt Probestücke, die durch künstliche Alterung genauso aussehen sollen wie das wirklich alte Material. „Ich möchte herausfinden, wie die künstliche Alterung noch besser den natürlich gealterten Materialien mit Klimageräten nachempfunden werden kann. Die Richtlinien für die künstliche Alterung schwanken immer wieder, da die Referenzmessungen mit natürlich gealterten Materialien immer mehr verfeinert werden“, erklärt Andrea Pataki-Hundt.