25.07.2016

Beruf Branchen-News

Volontariat vor dem Aus?

von Carolin Werthmann

“Volontariat sichert Qualität”

 

Das Land Baden-Württemberg hat in einer neuen Verwaltungsvorschrift den Entwurf für eine geplante Abschaffung von wissenschaftlichen Volontariaten in der Restaurierung an staatlichen Museen aufgesetzt. Der Abstimmungsprozess über die Beschäftigung von wissenschaftlichen Volontären hat auf der Ebene der Museumsdirektionen begonnen, eine offizielle Entscheidung über den Beschluss liegt daher noch nicht vor. Sprecher des Verbands der Restauratoren und des Arbeitskreises Restaurierung/Konservierung wehren sich jedoch vehement gegen das Vorhaben.

Volontariat RestaurierungBei Museen, Restauratoren und Studenten dürfte die Meldung, die jüngst über die aktuelle Pressemitteilung des Verbands der Restauratoren verkündet wurde, eine altbekannte Diskussion entfacht haben. Die wissenschaftlichen Volontariate in der Restaurierung sollen abgeschafft werden, wie aus einer neuen Verwaltungsvorschrift des Landes Baden-Württembergs hervorgeht. Anders als vermutet hängt das Vorhaben nicht mit Kostengründen zusammen. Aus juristischer Sicht seien die Vorkenntnisse aus dem Praktikum und Studium ausreichend, um sich für den Beruf des Restaurators zu qualifizieren. Eine weitere Ausbildung sei demnach nicht gerechtfertigt.

Andrea Funck, Sprecherin des Arbeitskreises Restaurierung/Konservierung am Deutschen Museumsbund und leitende Restauratorin im Landesmuseum Baden-Württemberg, spricht sich jedoch eindeutig gegen die Verwaltungsvorschrift aus und widerlegt die genannten Gründe. Gerade Baden-Württemberg gelte als Vorreiter für ein gutes wie gleichzeitig strenges Ausbildungsprogramm, das eine vernünftige Bezahlung für seine Volontäre gewährleiste, so Funck gegenüber RESTAURO. Die Ausbildung sorge dafür, dass die im Studium nur begrenzt vermittelten praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten des Berufs für den Alltag an Museen umfassend erlernt werden könnten. Ähnlich argumentiert auch Jan Raue, Präsident des Verbands der Restauratoren (VDR): „Das Volontariat in der Restaurierung trägt unmittelbar zur notwendigen Qualitätssicherung im Umgang mit unserem kulturellen Erbe bei. Dies ist die Voraussetzung, den stetig wachsenden Anforderungen an die Museen und deren Mitarbeiter gerecht zu werden.“

Denn durch die intensive Ausbildung, die ein abgeschlossenes Hochschulstudium sowie ein absolviertes Volontariat einschließt, gewährleiste man eine hohe Qualität der restauratorischen Arbeit. „Wir können uns endlich auf Augenhöhe mit anderen Wissenschaften sehen“, betont Funck und deutet damit auf die gewünschte Gleichstellung der Berufe im Kunstbetrieb hin, von dem auch die Zusammenarbeit untereinander in den Museen profitiere. Eine Abschaffung der Volontariatsstellen in den Staatlichen Museen Baden-Württembergs würde daher einen großen Rückschlag für den Berufsstand und auch für die Museen selbst bedeuten, sind sich Raue und Funck einig.

Volontariat trotz Berufserfahrung

Volontäre selbst jedoch teilen die Argumente nur bedingt, sind sie es doch, die sich nach meist drei bis sechs Jahren Studium und diverser Vorpraktika dennoch verpflichtet sehen, eine weitere Ausbildung in der Form des wissenschaftlichen Volontariats zu absolvieren. Zwei wissenschaftliche Volontäre, die für ein Mannheimer Museum im Bereich der Restaurierung tätig sind, hier jedoch gern anonym bleiben möchten, entschieden sich damals bewusst für ein Volontariat, doch sehen sie durchaus Gründe, die die Volontariate in der Restaurierung in Frage stellen. „Wir haben beide bereits vor Beginn des Volontariats mindestens neun Jahre Ausbildung und Berufserfahrung mitgebracht“, so die beiden Volontäre. „In Anbetracht dessen muss man auch bedenken, dass weitere zwei Jahre niedriger Bezahlung durchaus einen Aspekt ausmachen, der gegebenenfalls gegen ein Volontariat spricht.“ Die Auslobung eines wissenschaftlichen Volontariats sei zwar ein guter Ansatz im Hinblick darauf, auf lange Sicht im Beruf des Restaurators eine Bezahlung als Wissenschaftler zu etablieren, „doch er ist leider weit entfernt von der Realität“, geben sie zu. Denn nicht einmal nach einem Volontariat würde nach wissenschaftlichen Standards vergütet.

Ein offizieller Beschluss über die Zukunft der Volontariate wird erst in den kommenden Wochen folgen. Bis dahin dominiert die entfachte Diskussion über das Für und Wider wissenschaftlicher Volontariate die Branche und provoziert grundsätzliche Fragen zur Ausbildung von Restauratoren.

Auch Sie beschäftigt das Thema? Diskutieren Sie mit uns auf Facebook! 

Scroll to Top