Verjüngungskur für einen ägyptisch-griechischen Gott

Ein lebensgroßer Serapis-Marmorkopf aus dem Bestand der Berliner Antikensammlung wurde restauriert. Ziel der Restaurierungsmaßnahmen war zunächst, lose Marmorvierungen zu demontieren und diese mittels Edelstahldübeln und reversiblen Klebemitteln zu verbinden. Anschließend wurde eine Oberflächenreinigung unter Berücksichtigung und Erhalt der vermutlich antiken Farbfassungsreste durchgeführt

Lebensgroßer Serapis-Marmorkopf, ein ägyptisch- griechischer Gott, aus dem Bestand der Berliner Antikensammlung, Zustand nach der Restaurierung. Foto: Ulrike Maier
Lebensgroßer Serapis-Marmorkopf, ein ägyptisch- griechischer Gott, aus dem Bestand der Berliner Antikensammlung, Zustand nach der Restaurierung. Foto: Ulrike Maier

Dank großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder im Rahmen des Bündnisses Kunst auf Lager wurde im Jahr 2015 ein Marmorbildwerk aus dem Bestand der Berliner Antikensammlung für die Sonderausstellung „Ein Gott – Abrahams Erben am Nil“ restauriert. Der lebensgroße Marmorkopf stellt Serapis, einen ägyptisch-griechischen Gott, dar. Auffällig an dem sehr qualitätsvoll gearbeiteten Kopf ist die besonders detailliert ausgeführte und imposant lockige Haarpracht. Das 1826 in Rom erworbene Bildwerk wurde sehr wahrscheinlich direkt nach der Ankunft in Berlin in die Werkstatt von Christian Daniel Rauch, einem der führenden klassizistischen Bildhauer in Preußen, gebracht. Wie umfangreich die dort durchgeführten Ergänzungsmaßnahmen waren, ist nicht belegt.

Gab es früherere Eingriffe?

Als Marmorvierungen bzw. Anstückungen ergänzt wurden die Hermenbüste, der Kalathos (korbförmiger Aufsatz), das Haar am Hinterkopf sowie eine Stirnlocke, die Nase und ein Teil der Oberlippe mit Schnurrbart. Außerdem wurden an zwei Stellen kleine Ausbrüche mit Gips plastisch nachempfunden. Neben dem primär sehr instabilen Zustand des Kopfes – das ergänzte Basisstück war fast mittig gebrochen und machte eine Ausstellungspräsentation unmöglich – waren der hohe Verschmutzungsgrad und das Fugenbild ästhetisch vollkommen unbefriedigend. Die mit einem Zahneisen gearbeiteten Passformen an Kopf und Basis (zapfen- bzw. pfannenförmig), sind zusätzlich mit einem Eisendübel gesichert worden. Dieser hatte sich gelockert. Ein zweiter kleiner Rest eines Dübels, der im Kopf steckte, wurde ursprünglich sicher als „Konterdübel“ gegen ein Verdrehen des Kopfes verwendet. Dieser ist bei der Bearbeitung durch Rauch aber nicht wieder benutzt worden, zumal auch die Hermenbüste über kein entsprechendes Dübelloch verfügt. Demnach kann es noch frühere Eingriffe gegeben haben. Während der letzten Restaurierung erfolgte die Abnahme des originalen Kopfes mit Hilfe eines Flaschenzuges. Zunächst mussten die Eisendübel entfernt werden. Aufwendig gestaltete sich das Entfernen des großen Dübels, der auf der einen Seite mit Blei vergossen und auf der anderen Seite mit Kolophonium geklebt war. Dabei kamen, wie auch für die Reinigung der Dübellöcher und Bruch- und Klebeflächen, unterschiedlich feine mechanische Werkzeuge und Lösungsmittel zum Einsatz. Anschließend konnte zwischen Kopf und Basis eine neue kraftschlüssige Verbindung mittels Edelstahldübel und reversiblem Klebemittel hergestellt werden. Da sich auf dem Kopf Spuren einer vermutlich antiken Farbfassung fanden, wurde nach dem erneuten Befestigen der Marmorergänzungen die notwendige Oberflächenreinigung äußerst schonend durchgeführt. Hier ist ausschließlich mit Wattestäbchen und destilliertem Wasser gereinigt worden. Die rotbraunen Reste der Farbfassung befinden sich überwiegend auf der linken Seite des Kopfes. In einigen Bereichen liegen Sinterschichten direkt auf den Farbresten, die während der Erdlagerung entstanden sein müssen. Man kann somit davon ausgehen, dass die Farben schon vor der Auffindung des Serapiskopfes existierten. Vermutlich ist die originale Farbfassung mit roten und braunen Erdpigmenten ausgeführt.

Lesen Sie mehr über weitere notwendige Maßnahmen in der RESTAURO 4/2018, www.shop.de

Zu den Autoren


Dipl.-Rest. Wolfgang Maßmann arbeitet seit 1996 als Steinrestaurator in der Antikensammlung und ist dort seit 2008 als Leiter der Restaurierungswerkstätten tätig.

Dipl.-Rest- Ulrike Maier ist seit 2001 freiberufliche Steinrestauratorin, die für die Antikensammlung und andere Einrichtungen der Staatlichen Museen zu Berlin im Werkvertrag arbeitet.