Münchner Maler unterm Röntgenlicht

Im Vorfeld einer Ausstellung über die Gebrüder August und Franz Seidel, Malerkollegen von Carl Spitzweg und Eduard Schleich, wurden kunsttechnologische Untersuchungen an den Werken angestellt

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Eine Mitarbeiterin der Radiologie des Klinikums Freising und ein Mitarbeiter der Forschungsstelle August Seidel beim Platzieren des Gemäldes „Kloster an einem Voralpensee“ unter dem Röntgengerät. Foto: Marco Einfeldt

 

Zeit seines Lebens arbeitete der Münchner Landschaftsmaler August Seidel (1820–1904), Künstlerfreund von Carl Spitzweg und Eduard Schleich, in einer Ateliergemeinschaft mit seinem älteren Bruder Franz (1818–1903). In vielen Fällen bleibt daher unklar, welche Notizen (ähnliche Handschrift!), Ölstudien und Originalpaletten aus dem Nachlass welchem der beiden Künstler zuzuordnen sind. Ob nun bei nicht eindeutig zugeschriebenen Gemälden kunsttechnologische Untersuchungen Klärung bringen, damit hat sich die Münchner Forschungsstelle August Seidel auseinandergesetzt.
Das 2014 von Professor Robert Schmucker gegründete Institut forscht über vergessene Münchner Künstler des 19. Jahrhunderts und erstellt Werkverzeichnisse. Die Ergebnisse über die beiden Malerbrüder August und Franz werden diesen Juli erstmals im Showroom des Münchner Auktionshauses Scheublein in einer monografischen Ausstellung präsentiert (06. bis 24. Juli 2018).

Ergebnisse kunsttechnologischer Untersuchungen

Einfach gestalteten sich zunächst die Recherchen zu den Malmaterialen von August und Franz Seidel: Sie verwendeten wohl die Pigmente von Keimfarben. Das Münchner Traditionsgeschäft Schachinger, das heute in der Josephspitalstraße 6 sitzt, vertrieb damals die Produkte des bekannten Farbenherstellers. Das Papier und die Skizzenbücher bezogen die Malerbrüder überwiegend von Andreas Kaut. Um die entsprechenden Quellenangaben mit den Gemälden in Beziehung setzen zu können und die lückenhaften Erkenntnisse zu vervollständigen, wurden anschließend am Kölner Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft Farbanalysen an Gemälden und Ölstudien August Seidels in Auftrag gegeben. Die Vorab-Überprüfung der ins Auge gefassten Gemälde unter UV-Strahlung sollte dabei sicherstellen, dass möglichst nur originale Farbschichten, nicht aber Restaurierungsstellen untersucht werden. Mittels Röntgenfluoreszenzanalyse ließen sich einige Elemente in den Malschichten des Gemäldes „Holländische Küste“ (um 1884) von August Seidel nachweisen und im Vergleich mit optischen Merkmalen Farbmaterialien bestimmen.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen RESTAURO, Ausgabe 4/2018.

Die Ausstellung „FRANZ SEIDEL – MALER, POET UND GRENZGÄNGER“ findet vom 6. bis 24. Juli 2018 in den Räumen von SCHEUBLEIN Art & Auktionen, Waltherstraße 23, 80337 München statt.
Täglich 10 bis 18 Uhr, Donnerstag 10 bis 20 Uhr
Tel +49 89 – 23 88 689 – 24, forschungsstelle-august-seidel.de