Vanitas?

Ist das Kunst oder kann das weg? Auf der Art Basel Miami Beach hat ein Performance-Künstler das verkaufte Werk von Maurizio Cattelan gegegessen. Die vergängliche Banane stößt die Tür zu neuen Konservierungsdimensionen auf. Ein Beitrag zum Diskurs über Kunst mit einem Kommentar von Prof. Wolfgang Baatz, Leiter der Restaurierung an der Wiener Akademie der bildenden Kunst

Das Kunstwerk des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan. Auf der Art Basel Miami Beach hat ein Performance-Künstler das verkaufte Werk gegegessen. Foto: EPA
Das Kunstwerk des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan. Auf der Art Basel Miami Beach hat ein Performance-Künstler das verkaufte Werk gegegessen. Foto: EPA

David Datuna klaubt sich die von Maurizio Cattelan an die Wand geklebte Banane und isst sein Kunstwerk auf. So skurril, so bekannt mittlerweile. Das Instagram-Video von der Aktion auf der Art Basel in Miami ging durch die Nachrichtenkanäle und noch mehr durch die sozialen Medien. Rechte am Kunstwerk – oder doch nur an der Idee – sollen davor von Sammlern um kolporierte 120.000 US-Dollar erworben worden sein. Was bleibt von dieser Aktion? Die weiße Wand mit dem Klebeband? Die leere Bananenschale? Die Erregung, die Debatte, die vielfach geäußerte Verachtung zeitgenössischer Kunst („Das also soll Kunst sein…“), die Idee? Letztere braucht Materialisierung, lässt sich nur reproduzieren durch immer neue Früchte. Wolfgang Baatz, Leiter der Restaurierung an der Wiener Akademie der bildenden Kunst: „Grundsätzlich ist es immer die Materie, die die Idee transportiert“. Ein späterer Betrachter, vermutet Baatz, könne die durch das Kunstwerk vermittelte Idee begreifen, auch wenn kein konservatorischer Eingriff erfolgt.

Datuna/Cattelan – eine Absprache der beiden Künstler liegt nahe – haben nicht nur die ewige Debatte über den Kunstbegriff aufgekocht, sie haben auch die kapitalorientierten Kunstsammelnden desavouiert, die um viel Geld Rechte an einer Idee erhielten – abgesehen von der juristischen Frage, ob überhaupt Rechte an einer solchen Idee erwerbbar sind. Unbeabsichtigt haben beide aber auch der Konservierungswissenschaft den Anstoß geliefert darüber nachzudenken, ob von einem Kunstwerk nicht auch sein Kontext bewahrt werden sollte. Denn gerade der verhilft dem Objekt zu seiner wirklichen Bedeutung: ein Beitrag zum Diskurs über Kunst. Baatz: „Es ist anzunehmen, dass es in vorliegendem Fall dem Künstler nicht um Substanzerhaltung gegangen ist. Das Verzehren der Banane als künstlerische Aktion dagegen wäre ein gänzlich anderer, unter diesem Aspekt auch wiederholbarer Vorgang, der bestenfalls durch filmische Dokumentation festgehalten werden könnte.“

Wäre also nicht auch das Video, auf dem der Akt der Einverleibung zu sehen ist, bis hin zu den Kommentaren in sozialen Medien, zu bewahren? Erst der enorme Resonanzkörper Internet hat aus der Aktion die Debatte gemacht und Haltungen zu Kunst offengelegt. Das physische Kunstwerk und der virtuelle Raum beginnen zu verschmelzen. In der digitalen Welt ist es auch in der Restaurierung/Konservierung Zeit, sich von der bloßen Materie zu lösen und darüber nachzudenken, was von Ideen und den datengewordenen Aktionen/Reaktionen dazu bleiben wird und bleiben soll.