Gerechte Bezahlung für Arbeiten mit und am kulturellen Erbe

Was sind Kunst, Kultur, Architektur und ihr Erhalt wert? Das ist keine rein rhetorische Frage, sondern eine existenzielle, denn an der Antwort wird sich entscheiden, ob dieses kulturelle Erbe überhaupt noch erhalten werden kann. Ein Kommentar 

E‘ arte o può essere scomparsa? Ad Art Basel Miami Beach, un artista performativo ha mangiato l’opera venduta di Maurizio Cattelan. La banana transitoria apre le porte a nuove dimensioni di conservazione. Un contributo al discorso sull’arte con il commento del Prof. Wolfgang Baatz, direttore del restauro dell’Accademia di Belle Arti di Vienna

Restauratorin bei der Retusche der stark beschädigten Fresken der Kirche Sant'Eustorgio in Mailand. Foto: Giovanni Dall'Orto / Wikimedia Commons
Restauratorin bei der Retusche der stark beschädigten Fresken der Kirche Sant'Eustorgio in Mailand. Foto: Giovanni Dall'Orto / Wikimedia Commons

Nach einer aktuellen Untersuchung verdienen italienische Kulturschaffende, zu denen Restauratoren zählen, im Schnitt nicht mehr als acht Euro pro Stunde. 63 Prozent verdienen weniger als 10.000 Euro im Jahr, nicht einmal 0,2 Prozent schreiben einen Verdienst von 40. bis 50.000  Euro auf ihre Steuererklärung. Aus deutscher Sicht möchte man fast mit den Schultern zucken und sagen: Na und, das ist doch normal. Leider. In Berlin lebende Bildende Künstler verdienten 2018 im Durchschnitt 9600 Euro pro Jahr, bei freien Restauratoren in ganz Deutschland waren es 2017 fast 14 Prozent, die unter 10.000 Euro verdienten, die meisten, etwa 36 Prozent, gaben einen Durchschnittsverdienst von 30.000 Euro an. 

In Brandenburg wurde Anfang 2019 zumindest eine Empfehlung herausgegeben, wonach sich die Honorare von Restauratoren und Planern in der Denkmalpflege an den Honoraren der Architekten und Ingenieure orientieren sollen. Hessen dagegen bezahlt angestellte Restauratoren wie vor 50 Jahren, während Bund und Kommunen die Entgeldordnungen mittlerweile angepasst haben. Das sind nur wenige Beispiele der äußerst zähen und schwierigen Verhandlungen für eine gerechte Bezahlung für Arbeiten mit und am kulturellen Erbe. Betrachtet man dagegen den Marketingaufwand, der betrieben wird, um die deutschen UNESCO-Weltkulturerbestätten bekannt zu machen, um Besucher in Museen, Parks, Städte zu locken, erscheint diese Bilanz mehr als peinlich. Sowohl in Italien als auch in Deutschland. 

Die entscheidende Frage ist und bleibt: Was sind Kunst, Kultur, Architektur und ihr Erhalt wert? Das ist keine rein rhetorische Frage, sondern eine existenzielle, denn an der Antwort wird sich entscheiden, ob dieses kulturelle Erbe überhaupt noch erhalten werden kann. Denn liest man aufmerksam die Mitteilungen über den Wiederaufbau des Dresdner Residenzschlosses, so liest man von aufwändigster Suche nach bestimmten Fachkräften. Etwa nach solchen, die kostbare Wandbehänge weben können. Es gibt sie noch, aber es sind sehr wenige. Und es werden immer weniger, je schlechter sie bezahlt werden. So schlimm ist es bei Restauratoren noch nicht, doch es gibt bereits jetzt deutlich weniger Interessenten an dieser Fachrichtung. Das liegt ganz sicher nicht an einem unattraktiven Beruf, sondern an seiner unattraktiven Bezahlung.

Unser Kommentar widmet sich in  jeder Ausgabe der RESTAURO berufspolitischen Themen, www.restauro.de/shop. Dieser erscheint in der Ausgabe 8/2019.