Van Gogh-Gemälde gefunden

 

Die italienische Polizei hat während einer Razzia in Neapel zwei verloren geglaubte Gemälde des Künstlers Vincent Van Gogh entdeckt. Vor 14 Jahren wurden die beiden Werke durch einen spektakulären Raub aus dem Van Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen. 

Im Jahr 2002 musste das Van Gogh-Museum in Amsterdam der Öffentlichkeit einen großen Verlust verkünden: Zwei der Gemälde des niederländischen Impressionisten waren während eines nächtlichen Diebstahls abhanden gekommen und von diesem Zeitpunkt an nicht mehr gefunden worden. Dabei handelte es sich um die Gemälde „Meer bei Scheveningen (1882) und „Reformierte Kirche in Nuenen“ (1885/85). Die Einbrecher waren über das Dach des Museums geklettert und hatten sich mit Seilen und einer Leiter den Weg ins Innere gebahnt. 14 Jahre später tauchten die Gemälde nun während einer Razzia im Haus eines Mafiabosses in Neapel auf.

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„Meer bei Scheveningen", Vincent van Gogh, Niederlande, 1882, Öl auf Leinwand, 34.5 cm x 51.0 cm. Foto: Van Gogh Museum Amsterdam

 

Organisiertes Verbrechen

Unmittelbar nach dem Fund sollte eine erste kunsttechnische Analyse Aufschluss über die Authentizität der Gemälde geben. Diese konnte bestätigt werden. Nicht nur dafür mussten die Werke weiterhin in Italien verwahrt werden, sondern auch, um als Beweisstücke im Fall gegen das organisierte Verbrechen zu dienen. Wie die ZEIT berichtet, waren die Einbrecher von damals zwar bereits 2005 gefasst und verhaftet worden, doch die Gemälde befanden sich zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr in ihren Händen. Ermittler befürchteten, dass sie lediglich als Handlanger in einem größeren Geflecht italienischer Krimineller dienten und der Auftrag, die Gemälde zu stehlen, von Dritten kam.

Verhältnismäßig geringer Schaden

Axel Rüger, Museumsdirektor des Van Gogh-Museums, zeigt sich höchst erfreut über den Fund: „Nach all den Jahren hätte ich nicht mehr mit einer Rückkehr der Gemälde gerechnet.“ Der Zustand der beiden Bilder sei angesichts des jahrelangen Schwunds akzeptabel. Die Rahmen beider Werke seien jedoch abhanden gekommen und der Farbauftrag an der linken unteren Ecke von „Meer bei Scheveningen“ hätte sich auf etwa fünf mal zwei Zentimeter abgetragen. Das andere Gemälde, „Kirche in Nuenen“, scheint auf den ersten Blick unbeschädigt, abgesehen davon, dass das Trägermaterial, die Leinwand, an ein paar wenigen Stellen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Museumsdirektion geht nicht davon aus, dass die Werke während all der Jahre ihres Verschwindens unter konservatorisch angemessenen Bedingungen gelagert waren. An der Fundstelle hatten die Ermittler die Gemälde in Baumwolltücher eingepackt vorgefunden. Der nächste Schritt läge nun darin, mithilfe eines Restaurators eine exakte Untersuchung über den tatsächlichen Zustand der Werke vorzunehmen.

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„Reformierte Kirche in Nuenen", Vincent van Gogh, 1884/85, Öl auf Leinwand, 41,3 cm x 32,1 cm. Foto: Van Gogh-Museum Amsterdam

Emotionaler Wert der Gemälde

„Meer bei Scheveningen“ sei das einzige Gemälde von dem gesamten Bestand des Van Gogh-Museums, das auf sein Frühwerk während der Schaffenszeit in Den Haag (1881–1883) datiert werden kann, wie der aktuellen Pressemitteilung des Museums zu entnehmen ist. Mitunter zählt das Bild zu den zwei einzigen Meereslandschaften, die der Künstler während seiner Zeit in den Niederlanden gemalt hatte. „Reformierte Kirche in Nuenen“ zeuge ebenfalls von einem hohen Wert, weniger aufgrund seiner allgemeinen Popularität beim Publikum, sondern wegen seines autobiografischen Anteils, der ihm zugeschrieben werden kann. So heißt es, Van Gogh hätte dieses Werk für seine Mutter gemalt und nach dem Tod seines Vaters, dem Pfarrer der Kirche, die auf dem Gemälde zu sehen ist, übearbeitet.

Wann die Gemälde zurück nach Amsterdam kommen, könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Natürlich würde man die Werke am liebsten sofort mit nach Hause nehmen“, meint Museumsdirektor Rüger. „Doch das Wichtigste ist zunächst, dass die Gemälde überhaupt gefunden wurden.“ Darauf hätte man schließlich seit vierzehn Jahren gewartet.