Wie sichtbar sind Restauratoren?

Viele Ausstellungen sind ohne restauratorische Maßnahmen nicht möglich. Dargestellt werden sie oft nur knapp, wenn ihnen überhaupt Raum gegeben wird. Anders der Ausstellungskatalog der aktuellen Schau „Kühles Licht und weite See“ in der Kunsthalle Bremen – er beginnt mit ausführlichen Texten der beteiligten Restauratoren. Ein Kommentar von unserer Berliner Korrespondentin Uta Baier über die Sichtbarkeit der Restauratoren

Manche Veränderungen beginnen mit einem Paukenschlag. Andere passieren so leise und langsam, dass am Ende niemand sagen kann, wann die Veränderung begann. Ein wenig ist es so mit der Sichtbarkeit der Museumsrestauratoren. Seit einigen Jahren bekommen sie manchmal eine Vitrine oder gar eine kleine Abteilung, um die Schritte zum restaurierten Meisterwerk zu dokumentieren. Seit Kurzem taucht das Wort Restaurierung auch im Ausstellungstitel auf, werden zentrale Ausstellungsräume den Erkenntnissen der Restauratoren gewidmet. Und Kataloge enden nicht mehr immer mit einer kleinen Notiz, die allzu kurz die Untersuchung und Restaurierung beschreibt. Vielmehr beginnen manche mit ausführlichen, reich bebilderten Texten der beteiligten Restauratoren. So ist es auch in der aktuellen Ausstellung der Kunsthalle Bremen, die sich „Kühles Licht und weite See. Niederländische Meisterzeichnungen und ihre Restaurierung“ (07.03. bis 01.07.2018) nennt.

Bremen
Eines der Exponate aus der aktuellen Ausstellung „Kühles Licht und weite See“: Anonym, holländisch, Eine mit Seegras bewachsene Muschel, 1698, Feder in Eisengallustinte. Foto: Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen, Kupferstichkabinett

Zusammenarbeit von Kuratoren und Restauratoren

Das ist schön. Aber warum gerade jetzt? Die Bremer Papierrestauratorin Jutta Keddies sagt auf Nachfrage selbstbewusst: „Die Ausstellung wäre ohne die Restaurierung ja gar nicht möglich gewesen.“ Das sind viele Ausstellungen nicht und trotzdem sprach niemand über Restaurierung. „Wir sind doch aufeinander angewiesen“, sagt Kunsthallen-Kustodin Christine Melzer, die sich ihre Arbeit ohne die Zusammenarbeit mit den Restauratoren gar nicht vorstellen kann. Melzer wünscht sich nicht nur mehr Zusammenarbeit, sondern auch Fortbildungen, die den Kuratoren das restauratorische Wissen nahebringen, wie sie in England üblich seien. Melzer sieht einen entscheidenden Grund für das erwachende Interesse an Restaurierungen beim Besucher, der wissen will, wie die bestaunten, verehrten Kunstwerke erhalten werden. Dieses Interesse nicht zu bedienen, wäre in ihren Augen geradezu fahrlässig. In Bremen gibt es im Rahmen der aktuellen Ausstellung mehrere Ausstellungsgespräche, die sich mit der Papierrestaurierung beschäftigen. Man kann den Nutzen einer Pädagogisierung des Museums mit gutem Recht anzweifeln. Der Sichtbarkeit der Restaurierung nutzt die neue Lust an der Vermittlung auf jeden Fall.