Zerstören? Restaurieren? Erhalten?

Ein großer Aufschrei ging in den vergangenen Monaten durch die Wiener Landschaftsarchi­tekturszene. Grund hierfür ist der Grabungs­fund eines Teils der barocken Wasserbecken im von 1697 bis 1728 angelegten Garten des Sommerpalais Schwarzenberg, auf dessen Terrain die Stadt Wien eine Großgastronomie mit 880 Pätzen in einem Neubau und im Freien vorsieht

Das Gesamtkunstwerk Palais Schwarzenberg mit Garten wird in Wien aktuell zugunsten einer neuen Gastronomie in Einzelstücke zerteilt und verbaut. Foto: Arch. Margarethe Mueller, Wien, 19.12.2018
Das Gesamtkunstwerk Palais Schwarzenberg mit Garten wird in Wien aktuell zugunsten einer neuen Gastronomie in Einzelstücke zerteilt und verbaut. Foto: Arch. Margarethe Mueller, Wien, 19.12.2018

Das Sommerpalais Schwarzenberg, das Belvedere, das Salesianerinnenkloster, der Botanische Garten der Universität Wien und der Alpengarten formen zusammen europaweit die einzige großteils erhaltene Zone, in der wir im 21. Jahrhundert die hoch­ und spätbarocke Bau­ und Freiraumgestaltung noch an Origi­ nalen erfahren können. Es ist eine Zusammen­schau von Kunst, Natur und Wissenschaft auf einem fast geschlossenen Areal. Diese ist durch die Nutzungspläne bedroht.

Auf Initiative der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten fand Anfang Februar an der Technischen Universität Wien ein Vortrags­ und Diskussionstag statt. Klaus Henning von Krosigk, Brigitte Mang, Maria Auböck und Werner Sellinger berichteten in Referaten über die einschlägigen Funde und zum denkmalpflegerischen Umgang damit in den Berliner Barockgärten, im Schlosspark Schönbrunn, im Garten des Belvedere und im Garten des Schlosshofs. Andreas Lehne, langjähriger Mitarbeiter im Bundesdenkmal­amt, leitete die anschließende, offene Diskussi­son, zu der er Vertreter der Landes­ und Bundesbehörden, Fachleute der Gartendenk­malpflege, Vertreter der Eigentümer und Verwalter der Liegenschaften eingeladen hatte. Ein Teil der Fachleute kam auch tatsächlich. Sie und die weiteren Teilnehmer der Fachver­anstaltung stellten Überlegungen zur Zukunft der „Schutzzone Rennweg“ an und hatten zum Abschluss die Gelegenheit, das Memorandum mit den Forderungen nach einem Gesamtkonzept für die „Schutzzone Rennweg“ und nach einer Verbesserung des rechtlichen Schutzes historischer Gärten in Österreich zu unterzeichnen.

Die Teilzerstörung des Schwarzenberggartens ist ein abschreckendes Beispiel für den Umgang mit historischen Gärten und Freiflächen in Österreich. Sie soll sich niemals wiederholen. Daher setzt die Österreichische Gesellschaft für historische Gärten ihre Bemühungen zur Novellierung des im Jahr 2000 in Kraft getretenen Gartendenkmalschutzgesetzes fort. Um einen Garten unter Schutz zu stellen, ist derzeit die Zustimmung des Eigentümers erforderlich. Dieser Passus muss geändert werden. Gleichzeitig muss die im Gesetz beigefügte Liste der 56 in Österreich unter Gartendenkmalschutz zu stellenden Anlagen erweitert werden – was bis dato formal nicht möglich ist. Nur 37 der 56 gelisteten Anlagen stehen unter Schutz, und die jüngste Anlage stammt aus dem Jahr 1915. Aber eine Bestandsaufnahme an der Technischen Universität Wien ermittelte in Österreich knapp 1 800 bestehende Anlagen historischer Gärten der Renaissance bis um 1940. Die Ergebnisse liegen veröffentlicht vor. „Für mich als Kunsthistorikerin, die seit 1984 mit der Erforschung der historischen Gärten Öster­reichs betraut ist, ist es unverständlich, dass die politischen Entscheidungsträger das wertvolle Kunst­ und Kulturgut nicht verstärkt wahrneh­men und durch rechtliche Maßnahmen für die Erhaltung unterstützen.“

Ao. Univ. Prof. Dr. Eva Berger arbeitet seit 1984 am Forschungs­bereich für Landschaftsplanung und Gartenkunst an der TU Wien. Sie ist ehrenamt­liche General­sekretärin der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten.