23.05.2019

Museum

Kunstkrimi

von Martin Miersch

Kurz bevor die Gebeine des heiligen Mamas in Düsseldorf unter den Hammer kamen, wurde das Auktionslos dank Ikonen-Expertin Maria Paphiti zurückgezogen. Denn das Reliquienkästchen war gestohlen

Am 14. Mai 2019 konnte ein geraubtes Reliquienkästchen des heiligen Mamas, dem zypriotischen Schutzpatron des Klosters von Morfou, an die Eigentümer zurückgegeben werden. Das auf das Jahr 1835 datierte Reliquiar ist in Form eines Buches gestaltet und zeigt auf der Innenseite des Deckels den heiligen Mamas auf einem Löwen reitend, umgeben von vier Heiligen. In diesem Kästchen befindet sich eine aufklappbare Metallplatte, die an eine Buchseite erinnert und in die die Gebeine des heiligen Mamas eingelassen wurden. Die Überlieferungen zur Vita des heiligen Mamas sind so zahlreich wie widersprüchlich. Laut einiger früherer Fassungen lebte Mamas zur Zeit der Römer als Hirte und bekennender Christ, der in den Bergen vor wilden Tieren predigte.

Im Mittelalter wurde das Leben und Wirken des Heiligen nach Zypern verlegt. Demnach soll Mamas nahe der Stadt Morfous das Leben eines Eremiten und Hirten geführt haben. Als er sich weigerte Steuern zu zahlen und verhaftet werden sollte, trat er auf einem Löwen reitend vor den Statthalter. Von diesem Anblick tief beeindruckt, erließ der Statthalter dem Heiligen auf Lebenszeit die Steuern. Aufgrund dieser wundersamen Geschichte wird der heilige Mamas als Schutzpatron der Steuerberater, Finanzbeamten und Steuersündern verehrt wird.

Fast wäre das Reliquienbehältnis mit den Gebeinen des heiligen Mamas im April 2019 in der Auktion „Russischen Kunst / Russische und Griechische Ikonen“ bei Hargesheimer in Düsseldorf zur Versteigerung gekommen. Das große globale Interesse an diesem Reliquienkästchen rief fast ein Dutzend Bieter auf den Plan. Dank der Expertin für byzantinische Kunst Maria Paphiti, die sich während der Auktion schriftlich an das Auktionshaus wandte, konnte der Verkauf nur wenige Minuten vor dem Aufruf noch zurückgezogen werden.

Die Geschichte, wie es überhaupt zu dieser Rettung in letzter Minute kam, beginnt in Zypern. Unabhängig voneinander wurden der Archimandrit Symeon und der Archäologe Riginos Aristotelous auf das Reliquiar aufmerksam, welches in einem Bericht von 1912 beschrieben wurde. Selbst Zeitzeugen soll es noch geben, die das kostbare Reliquienkästchen aus dem Kloster von Morfou gesehen haben wollen. Daraufhin wurden Anstrengungen unternommen den Verkauf des Objektes mit Hilfe der Behörden zu verhindern. Als schon fast alles verloren schien, wendete sich der Metropolit von Morfou an Frau Paphiti, die schließlich die Versteigerung des Objekts abwenden konnte. Während der türkischen Besetzung des nördlichen Teils Zypern im Sommer 1974 wurde das Reliquienkästchen aus dem Kloster geraubt und ins Ausland veräußert. Wie es Jahrzehnte später in den Besitz einer norddeutschen Privatsammlung gelangte und dann in den Kunsthandel, ist aufgrund des verstorbenen Kunst- und Ikonensammlers nicht mehr nachzuvollziehen.

Ein glückliches Ende nahm die Reise des Reliquiars dennoch. Das Auktionshaus Hargesheimer hatte das Reliquienkästchen schließlich selbst erworben. „Wir wollen damit deutlich machen, dass wir nicht mit unrechtmäßig beschafften Objekten handeln“, erklärte Geschäftsführerin Susanne Hargesheimer. Als Dank und Honorierung für diese Geste schenkte der Archimandrit Fotios Ioakeim Susanne Hargesheimer eine eigens für diesen Tag angefertigte Ikone mit der Darstellung des  heiligen Mamas, der auf einem Löwen reitet. Auch wenn das Reliquienkästchen nicht zu seinem ursprünglichen Aufstellungsort im Kloster von Morfou, das im 18. Jahrhundert über dem Grab des Heiligen errichtet wurde und sich im türkisch besetzten Teil Zyperns befindet, zurückgebracht werden kann, konnten zumindest der Klostergemeinde Morfous die Gebeine ihres Schutzpatrons zurückgegeben werden.

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