Restaurierungsdokumentation digital

Das Büro für Restaurierungsberatung (Götz – Lindlar) entwickelte ein digitales Raumbuch für Bestandserfassung und Ausschreibung von Restaurierungsleistungen – inzwischen auch mit 3D-Einbindung. Mittlerweile wird es unter dem Namen e-heritage in verschiedenen Versionen angeboten

3D-Modell im digitalen Raumbuch. Foto: Götz – Lindlar
3D-Modell im digitalen Raumbuch. Foto: Götz – Lindlar

Das Schreiben von Restaurierungsdokumentationen gehört zu den alltäglichen Aufgaben in der Restaurierung: Häufig wird dazu das Textverarbeitungsprogramm Word von Microsoft benutzt, die digitalen Fotos werden darin eingefügt. Das Ergebnis wird ausgedruckt oder als PDF-Dokument gespeichert. So einfach das ist, so sind mit diesem Verfahren entscheide Nachteile verbunden. Es gibt technische Herausforderungen: Wenn große und viele Bilder eingefügt werden, wird die Datei sehr groß – ältere Rechner haben dann Schwierigkeiten. Große Dateien lassen sich zudem mit den üblichen Einstellungen von Mailservern nicht einfach verschicken und empfangen. Daneben ist auch immer die Datensicherheit ein Thema: Was tun, wenn durch ein unvorhergesehenes Ereignis die Datei oder gar der ganze Rechner unbrauchbar wird? Schnell sind viele Stunden Dokumentationsarbeit im digitalen Nirgendwo verschwunden. Außerdem können zahlreiche Möglichkeiten heutiger Technik gar nicht genutzt werden, weil Video- oder Tondateien und viele weitere Dateiformate in einem Textdokument nicht gespeichert werden können.

Zeit also für Alternativen: die Entwicklung einer Webapplikation, die für die Restaurierungsdokumentation und Raumbucherstellung zum Einsatz kommt. Anders als klassische Textverarbeitungsprogramme werden Webapplikationen nicht auf dem lokalen Computer zu Hause installiert. Die Datenverarbeitung findet auf einem Webserver statt. Die Ergebnisse der Datenverarbeitung werden an den lokalen Computer des Benutzers übertragen und können dort betrachtet und ausgewertet werden. Die Webapplikation e-heritage wurde für die Restaurierungsdokumentation und Raumbucherstellung entwickelt. Programmiert wurde sie mit der Open-Source-Software Drupal. Bei der Entwicklung wurde auf zwei Dinge großen Wert gelegt: Unterschiedliche Benutzer sollen sofort mit der Arbeit beginnen können, egal ob sie Anfänger oder fortgeschritten Computernutzer sind und alle Eingabeformulare sollten so eindeutig als möglich aufgebaut und intuitiv bedienbar sein. 

Auf dieser Basis wurde die Webapplikation „e-heritage – Das digitale Raumbuch“ programmiert: Die Internetadresse wird aufgerufen, der Benutzer gibt seinen Namen und sein Kennwort ein und kann sofort loslegen. Es muss keinerlei Software auf dem eigenen Rechner installiert werden. Jedes herkömmliche Programm zum Aufrufen von Internetseiten (Webbrowser) kann verwendet werden. Der Benutzer ist vom heimischen Rechner unabhängig, weil der Zugriff von unterwegs mit dem Smartphone oder Tabletcomputer oder auch von einem Fremdrechner aus erfolgen kann. Einzige Voraussetzung: es muss eine Internetverbindung geben.

Nach der Anmeldung kann direkt mit der Dokumentation begonnen werden, indem auf „Inhalte hinzufügen“ geklickt wird. Als erstes muss ein „Projekt“ angelegt werden, in dem auf den Button „Projekt“ geklickt wird. Das Projekt ist der digitale „Schnellhefter“, in dem alle Formulare zusammengefasst werden. Es gibt nur wenige Pflichtfelder, das sind Felder, die ausgefüllt werden müssen. Mit diesen Einträgen ist das Projekt erstellt. Es muss jetzt – sehr wichtig – durch Speichern auf dem Server abgelegt werden. Neben den Pflichtfeldern gibt es in jedem Formular ein großes Angebot an optionalen Feldern zur Bestandserfassung, zu Schäden und Diagnose und als eigenes Kapitel die Restaurierungsdokumentation. Die Felder dienen als Checkliste bei der Erstellung der Bestands- und Schadenserfassung und stammen aus den beiden Normen EN 16095:2012 und EN 16096:2012. In den Erfassungsformularen können neben Texten und Bildern, PDF-Dokumente, Zeichnungen, Pläne, Videos und Sounddateien eingebunden werden. Das Projekt kann natürlich auch als PDF-Dokument ausgedruckt werden, um es beispielsweise dem Auftraggeber zur Verfügung zu stellen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, e-heritage zum zentralen Speicherort für alle Dokumente eines Projektes zu nutzen.

Mehr zu dieser Software lesen Sie in der RESTAURO 8/2019.

Mit dem Schwerpunkt „Digitalisierung“ und Kulturerbe beschäftigen wir uns in der kommenden Ausgabe der RESTAURO 7/2020. Dort lesen Sie auch eine Preview für die „Denkmal 2020“.