Papier und Wasser – eine Buchrezension

 

Cover
Das Buch „Papier und Wasser“ zeigt seinen Inhalt durch Abbildungen, Tabellen und eine DVD. Foto: Siegl Fachbuchhandlung

 

Nicht nur für Papierrestauratoren

Gerhard Baniks und Irene Brückles „Papier und Wasser“ ist ein hochintelligentes, extrem umfassendes und weitblickendes Buch, das bleiben wird. Man muss wohl ein Leben lang im Metier Papier gewirkt haben, um ein so hochkomplexes Gedankengebilde derart gekonnt und übersichtlich schaffen zu können.

Das Schöne an diesem Buch ist sein klar Umfassendes, sein nichts Auslassendes, sein alle Möglichkeiten Durchdenkendes und Durchspielendes. Es ist kein „Rezeptbuch“, nein, es ist viel mehr: Es liefert dem Restaurator die wissenschaftliche Basis, auf deren Grundlage er virtuos selbst entscheiden kann, welchen Weg er einschlägt, was kombiniert werden kann und welchen Weg man besser nicht einschlägt. Der Restaurator der Zukunft ist eben nicht der Empirie verhaftet: Aus verifizierten Modulen formt er kreativ sein jeweiliges Behandlungskonzept. Man merkt dem Buch diese Anliegen der sich so harmonisch und glücklich ergänzenden beiden Lehrenden an: Sie wollen nicht mit ihrem eigenen Wissen prunken und glänzen, sie wollen zusammenfassend vermitteln – und zwar nicht belehrend, sondern erklärend.

Meiner Ansicht nach ist dabei das beste Werk der konservatorisch-restauratorischen Basisliteratur nicht nur für Papierrestauratoren herausgekommen, das es derzeit gibt: Es ist sehr empfehlenswert für alle Restauratoren, die mit Wasser zu tun haben. Banik und Brückle schaffen es ganz unprätentiös, eine unbestechliche neue Restauratorengeneration zu bilden, die – mit solider Basis ausgerüstet – selbstständig und ohne Fürsprecher bzw. exklusive Netzwerke auskommen wird, um fundamental gebildet, sicher und unabhängig zu wirken.

Schon zu Beginn werden in einem klaren und verständlichen Aufbau Grundlagen zur Materialität und zur Wechselwirkung der verschiedenen Faktoren vermittelt. Das Buch ist fortlaufend didaktisch aufgebaut und wohlüberlegt in durchgängig hoher Qualität illustriert. Ein Glossar und Schlagwortverzeichnis runden das Werk ab. Der Clou aber ist die beigelegte DVD mit Praxis-Beispielen: Die beiden Pädagogen wissen, dass wir heute Bilder brauchen, und so vermitteln sie das, was in unbewegten Bildern schwer abzubilden ist, zeitgemäß mittels Film.

Ein Werk wie das vorliegende hilft dabei, erworbene Grundsätze zu reaktivieren, gegebenenfalls zu revidieren und auf jeden Fall weiterzudenken.

Banik und Brückle haben Herausragendes für ihre Zunft geleistet. Dieses Buch vermittelt nicht nur, wie bescheiden im Titel vermerkt, Grundlagen für Restauratoren, Konservierungswissenschaftler und Papiermacher, nein, es ist auch eine unverzichtbare Basisliteratur für Kuratoren von grafischen Sammlungen und die an die Papierrestaurierung angrenzenden Fachbereiche Textil und Gemälde. Dieses Fachbuch setzt hohe Standards, an denen sich zukünftige Veröffentlichungen werden messen müssen.

Literaturnachweis: 

Banik, Gerhard und Irene Brückle: Papier und Wasser. Ein Lehrbuch für Restauratoren, Konservierungswissenschaftler und Papiermacher, München (Siegl) 2015, 681 Seiten, 1 DVD, gebunden, 96 Euro.

Weitere Informationen finden Sie auf der Verlagsseite der Siegl Fachbuchhandlung