Die Rahmen der Brücke-Künstler

 

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Die Rahmen der Brücke-Künstler sind frühe Beispiele für individuelle Künstlerrahmen in Deutschland. Für die Mitglieder der Künstlergruppe war die Rahmung und Präsentation ihrer Werke ein integraler Bestandteil ihres künstlerischen Schaffens. „Die Rahmenfrage macht mir immer viel Sorge, und ich tue so viel herumprobieren mit Profil und Farbe jedes Mal“, schrieb Emil Nolde im Jahr 1910 an seinen Freund Hans Fehr (Brief vom 29. Januar 1910, im Besitz der Nolde Stiftung Seebüll).

Die „Rahmenfrage“ beschäftigte auch die anderen Mitglieder der Künstlergruppe, die nach der gemeinsamen Gruppenphase weiterhin mit verschiedenen Rahmenfarben und -profilen experimentierten. Im Laufe der Zeit fand so jeder der Maler zu seinem charakteristischen Rahmentypus: Karl Schmidt-Rottluff entwarf ein Profil bestehend aus einem flachen Plattenrahmen mit aufgesetztem Rundstab, Kirchner variierte seine mit Bronze gefassten Rahmen zusätzlich mit den Farben des jeweiligen Bildes und Nolde bevorzugte tiefschwarze Rahmen mit geschnitzten Eckornamenten.

Profilskizze Karl Schmidt-Rottluff
Die Profilskizze fertigte Karl Schmidt-Rottluff für den Sammler Carl Hagemann an. Das Profil mit dem aufgesetzten Halbrundstab wird von dem Künstler spätestens ab den 1930er Jahren häufig verwendet. Foto: VG Bild-Kunst

 

Sultan und Dame mit altem Rahmen
Der Rahmen um das Bild „Sultan und Dame“ aus dem Jahr 1919 weist die für Nolde charakteristischen geschnitzten Eckornamente auf. Das Werk gilt heute als verloren. Foto: Nolde Stiftung Seebüll

 

Ihre Rahmen sind dabei äußerst individuell, ohne jedoch ihre Originalität in den Vordergrund zu stellen. Sie bilden eine harmonische Einheit mit den zugehörigen Werken, indem sie ihre Farben, Techniken und Kompositionen komplementieren und standen somit im starken Kontrast zu den handelsüblichen, wenig originellen Goldrahmen, die zu dieser Zeit vorherrschten. Wie wichtig ihm die Einheit von Bild und Rahmen war, betonte Nolde 1906 in einem Brief an seine Frau Ada: „Ich schreibe dir soviel über Rahmen, aber ich will ja, daß Bild und Rahmen in Harmonie sein sollen, ich will nicht, wie so viele andre, bloß zum Vergolder hingehen, dort auf die Fabriklisten sehen und ihn danach die Rahmen anfertigen zu lassen ohne weitere Besorgnis.“ (Brief vom 3. September 1906, im Besitz der Nolde Stiftung Seebüll).

Trotz ihrer ausgeprägten Individualisierung sind den Rahmen der Brücke-Künstler gewisse Eigenschaften gemein: Ihre Profile sind meist flach und einfach in der Konstruktion und wurden von den Künstlern selbst gefasst. Gerade aufgrund ihrer Einfachheit wurden viele der Rahmen im Laufe der Zeit durch vermeintlich kostbarere Modelle ausgetauscht, sodass das Wissen über originale Künstlerrahmen mehr und mehr verloren ging.

Ausstellung der Gruppe in den Räumen der Galerie Arnold in Dresden
Bei der Ausstellung der Gruppe in den Räumen der Galerie Arnold in Dresden im Jahr 1910 erkennt man deutlich die einfachen, flachen Profile der Rahmen von Kirchner, Schmidt-Rottluff und Erich Heckel. Max Pechsteins „Tanz“ ist dagegen von einem für die Gruppe untypischen opulenten Goldrahmen im Barockstil umgeben. Foto: Ernst Ludwig Kirchner

 

Das Team von WERNER MURRER RAHMEN hat gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Marei Döhring anhand von erhaltenen Originalrahmen, historischen Ausstellungsfotografien und verschiedenen schriftlichen Zeugnissen die Rahmungsabsichten der Brücke-Künstler erforscht und zeigt diese nun anhand von ausgewählten Originalrahmen auf der Sonderschau „Die Rahmen der Brücke-Künstler“ der EXPONATEC Cologne. Im Laufe der letzten Jahre konnten mit diesem Wissen bereits zahlreiche expressionistische Bilderrahmen rekonstruiert werden, um die Werke im Sinne der Künstler wieder zu vervollkommnen.

Fotografie von Otto Mueller vor seinem Werk „Frauenakt in Landschaft“
Die historische Fotografie von Otto Mueller vor seinem Werk „Frauenakt in Landschaft“ war Ausgangspunkt für eine Rekonstruktion des originalen Rahmens für das Busch-Reisinger Museum in Cambridge, USA. Fotograf: Bruno Schuch, um 1928. Foto: Busch-Reisinger Museum Archive, BR53.102

 

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