München 1972: Olympischen Spiele

Anlässlich des 50. Jubiläums der XX. Olympischen Sommerspiele in München 1972 präsentiert das dortige Zentralinstitut für Kunstgeschichte ab 30. März eine Auswahl von Plakaten, die durch ihre Formsprache und Leuchtkraft ein bedeutender Teil des visuellen Erscheinungsbildes der Spiele wurden und bis heute sind

Das damals neuartige und umfassende Kommunikationskonzept wurde federführend vom Gestalter Otl Aicher (1922 –1991) entwickelt und im Sinne eines heutigen corporate designs, in dem Bilder zu Zeichen werden, entworfen. Die Olympia-Plakate von 1972 sind der Idee einer übergeordneten formalen (Bild-)Sprache verschrieben, die nicht nur den Münchner:innen, sondern auch dem internationalen Publikum Orientierung versprachen.

Olympische Spiele München 1972: mehr als ein Sportevent

Deutschland richtete 1972 das erste Mal nach dem Zweiten Weltkrieg ein internationales Sport-Großereignis aus. Die Euphorie war groß, sich als demokratische und moderne Bundesrepublik zu präsentieren. Gerade auch in Folge der 68er-Bewegung lag ein Gefühl von Aufbruch in der Luft. Die Münchner Spiele waren in ganz besonderem Maße nicht nur ein Sportevent, sondern wurden auch als politische und kulturelle Veranstaltung wahrgenommen. Die Plakate mit ihrem hohen Erkennungs- und Erinnerungswert sind bis heute eindringliche Zeugen dieser Hoffnung, die ihre Freiheit auch in der Gestaltung suchte. Eine Utopie, die durch den Terroranschlag vom 5. September 1972 ein verheerendes Ende fand.

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Die Plakate stammen aus dem Bestand des Bildarchivs Bruckmann

Die Ausstellung zeigt neben ausgewählten großformatigen Plakaten mit Sportmotiven auch weniger bekannte Informationsgrafiken, wie Stadt- und Lagepläne, sowie Künstlerdrucke und kontextualisiert diesen bedeutenden Beitrag zur visuellen Kultur der Nachkriegszeit vor dem Hintergrund eines demokratischen Designs. Ergänzt wird die Schau mit Fotografien aus den Beständen der Photothek des ZI, die den Bau des Olympiaparks dokumentieren und damit auch den gestalterischen Aufbruch in der Architektur skizzieren. Die Plakate stammen aus dem Bestand des Bildarchivs Bruckmann, das 2016 vom ZI übernommen wurde und derzeit im Rahmen eines Forschungsprojekts wissenschaftlich aufgearbeitet wird. Der Münchner Bruckmann Verlag war seinerzeit damit beauftragt, einen Teil der Plakate der XX. Olympischen Sommerspiele zu drucken (weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier)

Die Ausstellung wird am 30. März 2022 um 18:30 Uhr online mit einer Einführung von Franziska Lampe und einem Vortrag von Linus Rapp eröffnet: Linus Rapp: „Tiefe drückt sich nicht immer im Ernst aus“: Die bunte Plakatwelt der Olympischen Spiele in München 1972. Die Veranstaltung wird via Zoom übertragen. Informationen zum Vortrag und zur Teilnahme an der Veranstaltung finden Sie hier. Der Vortrag wird via Zoom übertragen. Dem Zoom-Meeting können Sie unter folgendem Link beitreten. Meeting-ID: 856 5934 5839, Passwort: 148258.

Linus Rapp studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Mitarbeit im Forschungs- und Ausstellungsprojekt „Gestaltung ausstellen. Die Ausstellungen der HfG Ulm“, getragen von der Folkwang Universität der Künste, dem HfG-Archiv Ulm, der Hochschule Pforzheim und gefördert von der VolkswagenStiftung. Promotion an der Folkwang Universität der Künste Essen mit der Arbeit „Hochschule im Ausstellungsfieber. Die Ausstellungen der HfG Ulm“. Seit 2021 wissenschaftlicher Volontär an den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Lesetipp: Der Münchner Olympiapark wurde für die Olympischen Spiele 1972 auf einem Trümmerberg des Zweiten Weltkrieges errichtet. Das architektonische Gesamtensemble –seit 1998 denkmalgeschützt – soll UNESCO-Welterbe werden. Im vergangenen Herbst war München in dieser Angelegenheit einen kleinen Schritt weiter gekommen: Der Antrag, den Olympiapark in die bayerische Vorschlagsliste aufzunehmen, wurde vom Expertenrat des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst positiv beurteilt. Erfahren Sie hier mehr.