Mit Restaurator Toralf Gabsch im Humboldt Forum

Ein Rundgang mit Toralf Gabsch durch die Ausstellung des Museums für Asiatische Kunst im Humboldt Forum. Der leitende Restaurator ließ RESTAURO noch vor der Eröffnung im Sommer 2021 hinter die Kulissen blicken

Nach mehrfachen Bau- und coronabedingten Verzögerungen wurde das Humboldt Forum am 20. Juli 2021 feierlich eröffnet. Die Staatlichen Museen, die neben der Humboldt-Universität, dem Berliner Stadtmuse- um und der Stiftung Humboldt Forum das Haus nutzen werden, rechnen mit großem Besucher:innen-Interesse, obwohl die Diskussionen um den Bau des Stadtschlosses nie verstummt sind und nun auch noch die Debatte über Rückgaben von Werken, die aus ehemaligen Kolonien stammen, für viele Debatten sorgen.

Arthandling auf der Baustelle

Restaurator Toralf Gabsch gab RESTAURO schon vor der Eröffnung einen exklusiven Einblick in die jahrelangen Ausstellungsvorbereitungen, das Arthandling auf der Baustelle und in die neuen Museumsräume. Um dorthin zu kommen, waren lange Rolltreppenfahrten durch endlose weiße Flure nötig. Denn hinter dem Barockfassadenneubau befinden sich moderne, weiße Museumssäle mit praktischer Infrastruktur. Die noch bestehende Leere, beleuchtet von grellen Deckenspots, lässt momentan eher an ein Bürohaus oder einen reinen Zweckbau denken als an ein Museum. Allein, dass durch das Haus täglich tausende Besucher geschleust werden können, konnte man sich angesichts der weiten Hallen und großen Flure schon damals vorstellen.

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Toralf Gabsch leitete den Umzug

In den Ausstellungsräumen des Museums für Asiatische Kunst im dritten Oberge- schoss stand schon einige Vitrinen – manche leer, manche mit Kunstwerken unter weißen Hauben, denn auch hier war noch vieles Baustelle, und die Themen des Restaurators Toralf Gabsch, der den Umzug und die Einrichtung dieses Museums leitete, hatten bei unserem RESTAURO-Besuch vor allem mit der Baustellensituation zu tun. Viel konnte er von der Schwierigkeit, Löcher für die Aufhängung jahrhundertealter Kunstwerke in neuen Beton zu bohren, erzählen. Er kennt die fehlenden Beziehungen zwischen eintausend Jahre alten Kulthöhlen und deutschen Din-Normen und stört sich schon längst nicht mehr am rauen Ton auf einer Baustelle. Er pflegt ihn, wenn es nötig ist, selbst.

Modelle für Aufbau

Denn Toralf Gabsch ist leitender Restaurator, Bauleiter und ausführender Architekt in einer Person, wie er nur halb im Spaß sagt. Die Bauleiter- und Architektenaufgaben sind ihm zugefallen, weil die Ausführungsplanung für das Innendesign fehlte, weil Detailfragen zu Aufhängungen und Befestigungen nicht vor dem Einzug der Kunstwerke gelöst worden sind. Deshalb baute Toralf Gabsch auch mal Modelle, um den Designern, Architekten und Bauingenieuren die besonderen Anforderungen beim Aufbau von besonderen Kunstobjekten zu verdeutlichen.

35 fest angestellten Kolleg:innen und 150 freie Restaurator:innen waren beteiligt

Die Aufgabenhäufung ergab sich mit der Zeit, denn eigentlich ist Gabsch Skulpturen- restaurator, leitete die Restaurierungsabteilung des Museums für Asiatische Kunst, übernahm vor einigen Jahren auch die Lei- tung der Restaurierungsabteilung des Museums für Ethnologische Kunst und koordinierte und plante seit 2008 den Umzug der Museumsobjekte aus dem Dahlemer Haus ins Humboldt Forum. Insgesamt waren daran seine 35 fest angestellten Kolleg:innen und 150 freie Restaurator:innen beteiligt.

„Man muss auch mal Klartext reden“

„Sicher machen wir Kompromisse. Zum Beispiel, wenn es Klimaschwankungen wäh- rend der Einrichtungszeit und bei der Prüfung der Anlage gibt“, sagt Toralf Gabsch. „Aber das Wichtigste für uns bleibt der Schutz der Museumsobjekte. Danach kom- men die Interessen der Baustelle.“ Für diese Reihenfolge muss Gabsch zum Beispiel einer Baufirma den Zutritt zu den Räumen ver- weigern, wenn keine Aufsicht verfügbar ist. „Man muss auch mal Klartext reden“, sagt Gabsch.

Weitergabe von Wissen

Er hat beobachtet, dass sich manche jüngere Kolleg:innen das nicht trauen, lieber in der Gruppe arbeiten und als Gruppe Beschlüsse präsentieren wollten. „Sie müssen lernen, deutlich und laut zu sagen, was aus restauratorischer Sicht nicht möglich ist“, sagt Toralf Gabsch. Sein Interesse an Zusammenarbeit betont er immer wieder, wobei Zusammenarbeit mit den Baufirmen und mit den Restauratorenkolleg:innen gemeint ist – Lernen vom Gegenüber eingeschlossen. Wenn die Ausstellungen im Humboldt Forum aufgebaut sind und die Museen eröffnet sind, dann wird er auch wieder seinen Lehraufträgen an der Hochschule für Tech-nik und Wirtschaft (HTW Berlin) und an der Viadrina in Frankfurt/Oder nachgehen können und eben dieses praktische Wissen an Student:innen weitergeben.

Lesen Sie weiter in der Ausgabe 1/2022.