ICOM: In großer Sorge um Ukraine

Der Internationale Museumsrat (ICOM) ist besorgt um das Leben der Museumsarbeiter:innen in der Ukraine sowie um das kulturelle Erbe des Landes. ICOM verurteilt den Einmarsch der russischen Streitkräfte auf das Schärfste und fordert beide Länder auf, sich an das Haager Übereinkommen von 1954 zum Schutz des kulturellen Erbes zu halten. Doch inzwischen sind bereits erste ukrainische Kulturstätten zerstört

In einem dringlichen Appell fordert ICOM den schnellen Waffenstillstand, eine sofortige Vermittlung zwischen den Konfliktparteien sowie koordinierte Bemühungen, um die Sicherheit des Museumspersonals zu gewährleisten und das kulturelle Erbe zu schützen.

Der Museumsrat fordert seine Mitglieder auf – sofern deren Sicherheit gewährleistet ist – sich auf die beruflichen Verpflichtungen gemäß dem ICOM-Ethikkodex für Museen zu besinnen. Demnach ist das kulturelle Erbe zu bewahren, zu erhalten und zu fördern – auch in kriegerischen Auseinandersetzungen. Hierzu weist ICOM auf hilfreiche, kostenlose und online zugängliche Tools hin:

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· ICOM and UNESCO, Museums Security and Disaster Preparedness in Running a Museum: Practice Handbook
· ICCROM, First Aid zum Kulturerbe in Zeiten der Krise – Toolkit

· UNESCO und ICCROM, Gefährdetes Erbe: Notfallevakuierung von Kulturerbe-Sammlungen Darüber hinaus fordert ICOM die Zivilgesellschaft auf, sich an die lokalen Museen zu wenden, um sie beim Schutz der Gebäude und Sammlungen zu unterstützen. Der Museumsrat weist darauf hin, dass die Krise skrupellosen Einzelpersonen die Gelegenheit bietet, von der Bedrohung des Erbes zu profitieren. Er fordert daher auf, auf einen möglichen Anstieg des Schmuggels von Kulturgütern aus der Region zu achten.

ICOM erinnert die Regierungen in der Region an ihre internationalen rechtlichen Verpflichtungen bezüglich des Verbots und der Verhütung der unzulässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut (UNESCO-Konvention von 1970) sowie an die 1995 in der UNIDROIT-Konvention beschlossenen Maßnahmen bei gestohlenen oder rechtswidrig ausgeführten Kulturgütern.

Werke der Künstlerin Marija Prymatschenk wohl zerstört

Um potenzielle Bedrohungen abzumildern, arbeitet ICOM eng mit seinen internationalen Partnern und Interessengruppen in der Region zusammen. Ein erstes Museum fiel offenbar bereits den russischen Truppen zum Opfer: Dem „Kyiv Independent“ sowie weiteren Quellen zufolge zerstörten diese ein Gebäude in der nord-ukrainischen Ortschaft Iwankiw, rund 80 Kilometer nordwestlich von Kiew. Das Museum ist auf Archäologie, Heimatgeschichte und bildende Kunst spezialisiert und beherbergte 25 Werke der überregional bekannten Künstlerin ukrainischen Künstlerin Maria Prymachenko (1909–1997). Prymachenkos volkstümlich-traditionelle Malerei zierte in den 1970er-Jahren mehrere ukrainische Briefmarken.

Viele Denkmäler sowie archäologische Stätten sind aktuell bedroht

Vlada Litovchenko, Direktorin des Kulturreservats Wyschhorod, spricht von einem irreparablen Verlust, der allen UNESCO-Prinzipien widerspricht.  Viele historische und architektonische Denkmäler sowie archäologische Stätten sind aktuell bedroht. Am Dienstag wurde die Holocaust-Gedenkstätte Babyn Jar getroffen. Präsident Selenskyj hatte Russland daraufhin vorgeworfen, auch die ukrainische Kultur und Geschichte ausradieren zu wollen.