Liebermanns »Rasenbleiche« und die Wäscherin

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Ein verlassener Waschtrog. Das ist alles, was sich dem Blick des Betrachters im Vordergrund von Max Liebmanns (1847 – 1935) Werk »Die Rasenbleiche« aus dem Jahr 1882/83 entgegenstellt. 1883 zeigte der Künstler sein Werk erstmals im bekannten Pariser Salon in seiner ursprünglichen Form und das Wallraf-Richartz-Museum widmet sich seit dem 07. März diesen Jahres dieser ursprünglichen Komposition. Der Unterschied zu dem uns bekannten Werk ist hier das Hauptthema: die verloren gegangene Wäscherin.

Dem Betrachter zeigt sich eine idyllische Darstellung von Wäscherinnen, die auf einer sommerlichen Wiese ihre Laken vor einem Bauernhaus zum Trocknen auslegen. Es handelt sich bei der Landschaft, welche die Stimmung des Bildes maßgeblich bestimmt, um das Örtchen Zweelo in der Provinz Drenthe im Nordosten Hollands. Der Künstler hielt sich hier mit Vorliebe während der Sommermonate auf und malte das einfache Leben der Bauern und anderer, bisher bildunwürdiger Personen. Die Stimmung des Bildes ist sommerlich, entspannt und zeigt gleichzeitig das harte Leben der Wäschetrocknerinnen.

Doch zeigt die heutige Ansicht nicht alles. Als Max Liebermann sein Werk in fertiger Version ein Jahr nach der Ausstellung im Pariser Salon wieder der Öffentlichkeit zeigte, waren einige Elemente anders oder gar verschwunden. Die auffälligste Veränderung ist die verschwundene Wäscherin, doch auch die hinter einem Baum auf der linken Seite des Bildes, stehende Frau ist verschwunden und das Bild wurde durch den Künstler beschnitten. Es stellt sich demnach die Frage, wieso der Künstler so drastische Veränderung an seinem Werk vornahm?

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Bei der Ausstellung im Salon erhielt Liebermann für seine »Rasenbleiche« viel Kritik. Die Betrachter waren verärgert über die naive Malerei der Figuren und vor allem ihrer Gesichter mit dem »käsigen Weiß und dem schmutzigen Rosa«. Liebermann, der bereits lange auf seinen großen Durchbruch im Kunstzentrum Paris hoffte, sah nur noch eine Abwendung der negativen Stimmen in der nachträglichen Änderung seines Werkes. Dabei zeigt aber vor allem das Weg-lassen der Wäscherin im Vordergrund den großen Mut des Künstlers, da ein kompositorisch völlig leerer Vordergrund bis dahin nicht üblich war. Diese Art der Komposition, die Liebermann wählte, wurde schließlich ausschlaggebend für das Werk vieler Künstler der Zeit und der leere Vordergrund fand hauptsächlichen Einzug in der Kunst großer Landschaftsmalereien.

Nur einmal zuvor hatte Liebermann ein Werk nachträglich verändert. Hierbei handelte es sich um das Werk »Der 12 jährige Jesus im Tempel« aus dem Jahr 1879. Diese Änderung war nötig um die äußerst kritischen Stimmen des katholischen Münchens zu bändigen, die auf den von Liebermann brünetten, jüdischen, barfüßigen Jesus abzielten. Diese äußerst realistische Darstellung war zu provokativ im katholischen Umfeld der damaligen Zeit und so änderte Liebermann den Juden in einen Katholiken.

Auch bei der »Rasenbleiche« änderte Liebermann das Werk und nun beschäftigten sich vier Kölner Wissenschaftler mit dem Bild, dass seit 1954 im Besitz des Wallraf-Richartz-Museum ist.

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Die Ausstellung zeigt die Entstehung des Werkes in Form von Skizzen und Studien des Künstlers, bis hin zu den Röntgenaufnahmen, welche die verloren gegangene Wäscherin zeigen und so einen Eindruck von der ersten Version des Bildes geben.

Die Kabinettausstellung im Wallraf-Richartz-Museum unter dem Titel »Liebermanns »Rasenbleiche«, Die verschwundene Wäscherin« läuft noch bis zum 15.06.2014 in Köln und wird von einem Begleiteprogramm sowie einem aussagekräftigen Katalogheft unterstützt.

Katalogheft: Wallraf im FOKUS: Liebermanns »Rasenbleiche«. Die verschwundene Wäscherin, 44 Seiten, 26 Abbildungen, Preis 7,50 Euro, ISBN: 3-938800-18-6

Fotos: Wallraf-Richartz-Museum Köln