Emil Noldes Werk als Retrospektive

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Das Frankfurter Städel Museum hat es erstmals geschafft, das Werk des Künstlers in einer umfangreichen Retrospektive würdig facettenreich darzustellen.

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Bekannt ist Emil Noldes Werk vor allem durch seine leuchtenden Blütenmeere oder tosenden Seestücke, doch schuf der Künstler auch eine immense Anzahl anderer Themen. Während meist das Früh- und das Spätwerk des Künstlers kaum gewürdigt werden, hat sich Felix Krämer, Kurator der Ausstellung und Leiter der Sammlung, der Aufgabe gestellt, diese besonders in den Fokus zu nehmen. Mit rund 140 Werken des Künstlers, darunter etwa 60 Ölgemälde, versinnbildlicht die Schau die Vielfalt des Expressionisten und seines Werks.

Hans Emil Hansen, so der Geburtsname des Künstlers, kam 1867 in der Ortschaft Nolde, im deutsch-dänischen Grenzgebiet, zur Welt. Er erhielt nach der Volkshochschule und einer Lehre als Holzbildhauer, Unterricht als gewerblicher Zeichner und lehrte ab 1892 selbst im künstlerischen Bereich. Nach der Heirat des Künstlers im Jahre 1902 mit der Schauspielerin Ada Vilstrup, nimmt Nolde seinen Künstlernamen nach seiner Geburtstadt an und tritt 1906 in die Künstlergruppe »Die Brücke« sowie 1908 in die Berliner Secession ein.1913 nimmt Nolde schließlich an der Neuguinea-Expedition des Reichskolonialamtes teil und entdeckt seine Vorliebe für die Südseebilder.

Als bekennender Nationalsozialist erwartete Nolde die Machtergreifung der terroristischen Bewegung, bis er schlussendlich Berufsverbot 1941 erhielt. 1956 stirbt Nolde im Alter von 88 Jahren.

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Die Ausstellung zeigt zahlreiche Werke aller Lebensphasen. Vor allem Exponate aus der Zeit ab 1941 werden nun im Städel der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei liegt der Fokus der Ausstellung auf Nolde als vielschichtigem und themenreichen Künstler. Aus Redaktionssicht ist die Erweiterung des Blickfeldes auf das gesamte Werk des Künstlers sehr gelungen.

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Die Ausstellung präsentiert auf zwei Etagen, chronologisch nach seinem Leben gerichtet, für die Öffentlichkeit bereits bekannte, aber auch bisher unbekannte Exponate der Nolde-Stiftung in Seebüll, auf der Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Betrachter wird sich an so manchen Stellen an die bekannten, farbkräftigen Werke erinnert fühlen. Doch wird er hier zudem einen neuen Emil Nolde kennen lernen, der die Südsee liebte, das Berliner Nachtleben durchforstete und stark von Kuriositäten angezogen wurde. Alles in allem eine neue Sicht auf einen der bekanntesten Künstler des 20. Jahrhunderts!

Die Ausstellung wird nach der Präsentation in Frankfurt vom Louisiana Museum of Modern Art in Humblaek übernommen (04. Juli – 19. Oktober 2014).

Ausstellungskatalog: Krämer, Felix: Emil Nolde, Retrospektive, Prestel Verlag, ca. 300 Seiten, 39,90 Euro.

Fotos: Städel Museum, Frankfurt